Nilgänse breiten sich rasch im Stadtgebiet aus. Sie sind nicht nur in Parkanlagen und an den Seen in Stuttgart anzutreffen, sondern auch in mehreren Freibädern. Foto: dpa//Franziska Kraufmann

In diesem Sommer fühlten sich gut 30 Tiere auf der Liegewiese wohl. Sie kommen seit Jahren und werden immer mehr. Versuche, sie zu vertreiben, scheiterten bislang.

Untertürkheinm - V or zwei Monaten endete die Freibadsaison im Untertürkheimer Inselbad. Nach den Schwimmern sind nun auch die letzten Stammgäste weg: Nilgänse. Während es im Sommer im Freibad direkt am Neckar „in der Spitze weit über 30 Nilgänse“ gab, die sich in zwei Gruppen aufteilten, seien jetzt nur noch zwei Tiere auf dem Gelände zu beobachten, berichtet Jens Böhm, der Sprecher der Bäderbetriebe Stuttgart (BBS). Einige Wasservögel seien Füchsen zum Opfer gefallen. Andere sind weitergezogen. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit werden sich im nächsten Jahr wieder Nilgänse im Inselbad niederlassen. Und nicht nur dort. Laut Böhm haben die anpassungsfähigen Vögel längst auch das Mineralbad Leuze und das Freibad Rosental in Vaihingen als Lebensraum für sich entdeckt – mal einzelne Pärchen, mal Gruppen von bis zu 20 erwachsenen Tieren.

Bestand bislang nicht erfasst

Seit im Jahr 2009 erstmals Nilgänse in Stuttgart gesichtet wurden, hat sich die Population erheblich vergrößert. Die Vögel mit den dunklen Augenflecken haben sich vor allem in den Schlossgartenanlagen und am Max-Eyth-See angesiedelt, sind zwischenzeitlich aber auch an Bärensee, Neuem See und Pfaffensee, am Feuersee, auf dem Killesberg und in den Hohenheimer Gärten anzutreffen. Konkrete Daten über ihre Anzahl liegen der Stadtverwaltung nicht vor, beantwortet Oberbürgermeister Fritz Kuhn eine entsprechende Anfrage der Grünen-Gemeinderatsfraktion. „Eine Bestandserfassung fand bisher nicht statt.“

Dass die ursprünglich aus Afrika stammenden und sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa rasch ausbreitenden Entenvögel die Stuttgarter Freibäder zu schätzen wissen, hat einen Grund: Für „Alopochen aegyptiacus“, so die lateinische Bezeichnung dieser invasiven Art, sind die kurz geschorenen Liegewiesen eine ideale Äsungsfläche, auf dem Nilgänse Gräser, Samen und Blätter abweiden können. Das Essen der Badegäste, das diese unbedacht verfüttern oder achtlos liegenlassen, erhöht die Attraktivität zusätzlich. Vor Menschen haben die Vögel keine Scheu.

Erhebliche Mengen an Kot

„Generell treten bei uns seit fast zehn Jahren Nilgänse störend auf“, sagt Böhm. Denn wer viel futtert, hinterlässt viele Haufen. „Seitens unserer Badegäste kam es regelmäßig zu Beschwerden über die ekelerregenden Verschmutzungen durch den Gänsekot und das Verhalten der teilweise aggressiv auftretenden Tiere“, berichtet der Bädersprecher. „Insbesondere Kinder haben Angst vor den selbstbewusst auftretenden Gänsen.“

Das Hauptproblem aber seien die erheblichen Mengen an Kot, der auf Gehwegen und Liegewiesen, in Kinderspielbereichen, an Beckenumgängen und sogar in den Schwimmbecken abgesetzt werde. „Diese Verunreinigungen mussten während der Freibadsaison täglich mit hohem personellen Aufwand auch während des laufenden Betriebs aufwendig entfernt werden.“ Je nach Verschmutzungsgrad und Größe des Bades habe der Arbeitsumfang mehrere Arbeitsstunden pro Tag in Anspruch genommen. Böhm berichtet, dass selbst intensive Reinigungsarbeiten die Tiere nicht sonderlich stören würden. „Sie hielten sich immer in der in der Nähe auf und kehrten im Anschluss wieder an oder in die Becken zurück.“

Vertreibung ist schwierig

Die Tiere zu verscheuchen, ist gar nicht so einfach, erläutert Kuhn in seiner Stellungnahme. Denkbar wäre zum Beispiel eine Abzäunung: Wenn kein direkter Zugang von der Wiese zum Gewässer gegeben ist, meiden Gänse diese Bereiche weitgehend. Doch das würde auch die Aufenthaltsqualität für die Besucher mindern. Möglich wäre ebenso eine veränderte Pflege der Wiesen. Ab einer Wuchshöhe von etwa sechs Zentimetern ist das Gras bei Gänsen nämlich weniger beliebt. Würden die Wiesen also zwischen sieben und zehn Zentimetern gemäht werden, wären sie für Nilgänse nachweislich unattraktiver – was jedoch mit der Nutzung als Liege- oder Grillwiese kollidiere, so der Oberbürgermeister.

Maßnahmen zur Kontrolle der Bestände werden laut Kuhn „derzeit nicht durchgeführt und sind bislang auch nicht geplant“. Denn Nilgänse würden auf Bäumen brüten, „ein Eieraustausch wäre daher sehr zeit-, personal- und kostenintensiv. Zudem ist eine gewisse Aggressivität bei der Brutverteidigung zu erkennen.“ Wirksame Mittel zur nachhaltigen Vergrämung der Vögel gibt es nicht. Sie dürften zwar hierzulande zwischen dem 1. September und dem 15. Januar bejagt werden, aber davon macht man in Stuttgart keinen Gebrauch. Die Jagd wäre der Öffentlichkeit „vermutlich schwer vermittelbar“ und würde außerdem „zu einer nicht verantwortbaren Gefährdung der Bevölkerung führen“, betont Kuhn.

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