Die Wohnanlage des Studierendenwerks im Lindenschulviertel: Von 270 Plätzen sind 40 zu vergeben. Foto: Elke Hauptmann

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf die Nachfrage nach Zimmern für Studenten aus. Kurz vor dem Start des Wintersemesters 2020/21 sind noch etliche Plätze frei – auch in der Wohnanlage des Studierendenwerks in Untertürkheim.

Untertürkheim - J edes Jahr die gleiche Klage über zu wenig Plätze in den Studentenwohnheimen: Im Herbst ist die Situation auf dem Wohnungsmarkt in der Hochschulregion Stuttgart regelmäßig angespannt. Doch zum bevorstehenden Start des Wintersemesters 2020/2021 ist alles anders. Wegen Corona und den Folgen der Pandemie stehen die Chancen der Studierenden auf ein bezahlbares Zimmer besser als sonst. In der Untertürkheimer Wohnanlage des Studierendenwerks Stuttgart zum Beispiel sind noch einige Plätze frei.

Im modernen Gebäudekomplex im Lindenschulviertel stehen 207 Plätze in Wohngemeinschaften zur Verfügung. Jeder der vier bis sieben Bewohner pro Gruppe hat ein eigenes möbliertes Zimmer, Küche und Sanitärräume werden gemeinschaftlich genutzt, auch Waschmaschinen und Trockner stehen den Bewohnern zur Verfügung. Zwischen 300 und 351 Euro werden für das 12 bis 17 Quadratmeter große Domizil auf Zeit verlangt. Vor allem bei Studierenden aus dem Ausland ist die Wohnanlage In der Au 16 gefragt, derzeit leben dort 70 Prozent internationale Studierende, heißt es beim Studierendenwerk.

Weniger Studierende aus dem Ausland

Doch in diesem Jahr machen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie bemerkbar: Die Hochschulen haben die Lehre vorwiegend auf online umgestellt und die Zahl der Präsenzveranstaltungen deutlich minimiert. Auch die Programme mit Partnerhochschulen im Ausland sind auf Eis gelegt oder die Vorkurse dafür verschoben worden. Ohnehin bleiben viele internationale Studierende derzeit in ihren Heimatländern, da sie kein Visum bekommen. Das entschärft die im vergangenen Jahr noch harte Konkurrenz um einen der raren Wohnheimplätze.

„Dass weniger Studenten aus dem Ausland kommen, macht sich bemerkbar“, sagt Anita Bauer, die Sprecherin des Studierendenwerks Stuttgart, das mehr als 60 000 Studierende von 15 Hochschulen in Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen sowie Horb betreut und für diese in 35 Wohnanlagen 6830 Plätze anbietet. Im Sommersemester verzeichnete man gar einen Leerstand: Zwischen April und August waren in den Wohnheimen 750 Zimmer nicht belegt – eine ungewohnte Situation für die Betreiber. Wegen der seit Jahren steigenden Nachfrage hat das Studierendenwerk bereits die Schaffung weiterer Wohnheimplätze in Angriff genommen. So entstehen unter anderem auf dem Campus in Vaihingen zwei Neubauprojekte, die in naher Zukunft 583 Studierenden preisgünstigen Wohnraum bieten werden.

Warteliste nur halb so lang

Der ganz große Druck auf die Studenten, noch kurz vor dem Semesterbeginn einen Unterschlupf zu finden, ist offenbar gewichen: Regulär ziehen zum Wintersemester zwischen 700 und 800 Studierende in die Wohnanlagen des Studierendenwerks ein. „In diesem Jahr wird es nur ein Bruchteil davon sein“, glaubt Anita Bauer. In der Regel beträgt die Wartezeit für ein Zimmer sechs bis acht Monate. Aktuell stehen 1484 Studierende auf der Warteliste für einen Platz in einem der Wohnheime. Zum Vergleich: Im September 2019 waren es zu diesem Zeitpunkt rund 3800 Studierende.

„Wer flexibel ist, hat aktuell gute Chancen, schnell ein Zimmer zu finden“, lautet die gute Botschaft von Stefan Schneider, dem Leiter der Abteilung Wohnen, Bauen und Technik im Studierendenwerk. „Es gibt vereinzelt noch freie Wohnplätze.“ So auch in Untertürkheim. Dort seien etwa 40 Plätze kurzfristig zu vergeben, berichtet Anita Bauer. Wie sich die Nachfrage bis zum Semesterbeginn entwickeln wird, ist allerdings schwer einzuschätzen. „Derzeit gehen wir aber davon aus, dass die Wohnanlage zum 1. November voll belegt sein wird.“

Auch wenn die Nachfrage nach Zimmern in diesem Jahr pandemiebedingt etwas geringer ausfällt als üblich, ruft das Studierendenwerk wieder private Vermieter und Vermieterinnen dazu auf, frei stehende Unterkünfte an Studierende zu vermieten. Die langjährige Kooperation zwischen dem Studierendenwerk und dem Haus- und Grundbesitzerverein Stuttgart wird ebenfalls fortgeführt . Dessen Geschäftsstelle bietet den mehr als 22 000 Vereinsmitgliedern unterstützend eine Beratung zu rechtlichen und praktischen Fragen bei der Vermietung an Studierende an.

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