Ein Lieblingsplatz in ihrem früheren Wohnort: An der Petruskirche kam Gudrun Weichselgartner-Nopper oft Foto:  

Im Leben von Gudrun Weichselgartner-Nopper, Stuttgarts „First Lady“, haben die Oberen Neckarvororte eine große Rolle gespielt. Sie wohnte in Obertürkheim, engagierte sich bei der CDU Untertürkheim.

Untertürkheim - A m vergangenen Donnerstag hat der Stuttgarter Gemeinderat den CDU-Politiker Frank Nopper einstimmig mit der Aufgabe des Oberbürgermeisters der baden-württembergischen Landeshauptstadt betraut. Erster Bürgermeister Fabian Mayer führte den 59-Jährigen in das Amt ein – und nach ihm war seine Frau Gudrun Weichselgartner-Nopper die zweite Gratulantin.

Auch für sie beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Wobei ihr die Rolle der „First Lady“ bestens vertraut ist: Als Frau des bisherigen Backnanger OB hat sie etliche Kinderprojekte initiiert, diese mit Leben gefüllt und tatkräftig mitangepackt. „Dies müssen nun andere weiterführen“, sagt die 51-Jährige fast wehmütig. Voller Elan und Vorfreude richtet sich ihr Blick auf die kommenden acht Jahre als Gattin des Stuttgarter Stadtoberhaupts. Schließlich kehrt sie dorthin zurück, wo sie ihren Mann kennenlernte. „Die Oberen Neckarvororte haben eine wichtige Rolle gespielt“, sagt sie lachend beim Vororttermin an der Obertürkheimer Petruskirche.

Am Fuße des Ailenbergs gewohnt

Es ist bitterkalt. Weichselgartner-Nopper kommt von einem anonymen Beerdigungsgottesdienst auf dem Waldfriedhof. Deshalb ist sie mit einem dicken schwarzen Mantel bekleidet. Die Kälte macht ihr jedoch wenig aus: Sie sprüht vor Tatdrang, freut sich, einen alten Bekannten wiederzusehen: Sie hat sich mit Bernd Munk, den Vorsitzenden der Weinmanufaktur, verabredet. „1992, gleich nach meiner Ausbildung, habe ich sieben Jahre in der Asangstraße gewohnt, mich aber als Finanzreferentin bei der CDU Untertürkheim engagiert.“ Zu den jungen, wilden Untertürkheimer CDU-lern gehörte auch Bernd Munk.

Im Rahmen ihrer Ausbildung als Wirtschaftskorrespondentin für Französisch, Spanisch, Italienisch und Englisch hat sie in Genf, Madrid und Italien gelebt, kehrte dann aber ins Schwabenland zurück – in die Auslandsabteilung der Genossenschaftlichen Zentralbank in Stuttgart. Die Wohnung in Obertürkheim hat sie damals bewusst ausgewählt, erzählt sie. Direkt vom Haus weg konnte die einstige Schwimmerin zum Joggen durch die steilen Weinberge am Ailenberg starten. „Hundert Sit-ups hintereinander waren für Gudrun keine Herausforderung“, erinnert sich Munk an seine durchtrainierte Parteifreundin.

Dank ihres CDU-Ehrenamts bekam die Mittzwanzigerin 1995 auch eine Einladung zum Sommerfest der CDU-Gemeinderatsfraktion auf der Waldau. Ein Termin, der ihr Leben verändern sollte: Dort traf sie erstmals ihren späteren Ehemann. Der acht Jahre ältere Nopper war mit seinen Eltern und seinem Bruder auf dem Fest. „Da wusste ich gleich, auf was ich mich einlasse“, sagt Weichselgartner-Nopper lächelnd.

Familienmensch durch und durch

Das Zusammengehörigkeitsgefühl hat ihr imponiert. „Ich bin ein totaler Familienmensch“, gesteht sie. Werte wie Freundschaft, Verlässlichkeit, Nächstenliebe und gegenseitiger Respekt sind ihr wichtig. Aus einem liebevollen Elternhaus, in dem die Kinder eine gute Erziehung genossen haben, kämen meistens anständige Kinder, stimmt sie Munk zu. Selbstverständlich haben ihre Söhne deswegen auch ihren Vater im OB-Wahlkampf unterstützt. Der 19-jährige Franz-Ferdinand hat im vergangenen Jahr am Wirtemberg-Gymnasium seine Abiturprüfung, sein drei Jahre älter Bruder Carl Alexander das Abitur am Albert-Magnus-Gymnasium im Sommerrain abgelegt. Mit leuchtenden Augen berichtet die Bubenmutter, wie die „Jungs“ das OB-Ehepaar bei Auftritten in Backnang begleiteten, oder wie „der Große“ sie früher bei ihren Benefizaktionen unterstützt und beispielsweise im Christkindgewand Lebkuchen an Senioren im Pflegeheim verteilt hat.

Die Familie hat sich von Kopf bis Fuß in die karitativen Projekte von Weichselgartner-Nopper eingebracht. Halbe Sachen kennt die 51-Jährige nicht. Sie organisiert, delegiert, initiiert, ist sich aber auch nicht zu schade, selbst Adventspäckchen für Kinder zu packen, oder wie am Heiligen Abend in Stuttgart Essen für Bedürftige auszugeben und ihnen ein Lächeln zu schenken, das von Herzen kommt. Sie spürt, wo Hilfe nottut. „Es ist doch gerade in der Corona-Zeit traurig, dass viele ältere Menschen in Stuttgart alleine sind und sich kaum etwas leisten können.“ Dies seien Frauen und Männer, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs Deutschland wieder mitaufgebaut haben, jetzt aber eine zu kleine Rente erhalten und dann – wie sie es bei ihrem Termin zuvor erlebt hat – anonym beerdigt werden, weil sie ein Begräbnis nicht finanzieren können. Sie beschweren sich nicht, haben keine Lobby. Dies will die neue „First Lady“ Stuttgarts ändern. Mit einer Freundin will sie einen Verein gründen. Die Vorbereitungen sind in vollem Gang und auch ein Name sei bereits gefunden: Stille Not Stuttgart e.V.

Bedürftigen eine Stimme geben

„Wir wollen den Bedürftigen eine Stimme geben, ihnen unter die Arme greifen,“ erzählt sie Bernd Munk bei der Stippvisite im Festsaal der Untertürkheimer Kelter. An Ideen und Energie fehlt es Weichselgartner-Nopper nicht. Mit ihrer Begeisterung und ihrem Elan hat sie in der kurzen Zeit seit Weihnachten bereits einige Unterstützer und Sponsoren gewinnen können. Die eigenen, privaten Herausforderungen rücken dabei in den Hintergrund. Zeitnah will die Familie von Backnang wieder in die Landeshauptstadt zurückziehen. „Dann schließt sich der Kreis“, sagt sie. „Erinnerst du dich noch, wie wir hier in dem Festsaal die Doktor-Feier meines Mannes gefeiert haben“ fragt sie Munk lachend.

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