Henne und Hahn fühlen sich in dem Weinberg wohl. Foto: Sebastian Steegmüller

Dimitrios Valavanis lässt seine Tiere regelmäßig in den Weinbergen spazieren gehen.

Untertürkheim - Kikeriki schallt es jeden Morgen durch die Gärten am KVU-Sportheim. 19 Hühner – fünf Hähne und 14 Hennen – haben in Untertürkheim wohl das Paradies auf Erden. Legebatterien oder beengte Käfighaltung kennen die Tiere nicht, auch geschlachtet werden sie nicht. Stattdessen leben sie in einem großen Stall mit einem schönen Außengehege. Die Vögel haben eigentlich schon dort ausreichend Auslauf. Damit jedoch nicht genug: Tagsüber dürfen sie regelmäßig in den Weinbergen zwischen der Dietbachstraße und der Bundesstraße spazieren gehen – und erfreuen immer wieder Spaziergänger.

Hühner drehen rechtzeitig um

Der eine oder andere Wanderer reagiert jedoch auch besorgt, schließlich ist der Wengert zwar in Richtung Untertürkheim eingezäunt, nicht jedoch zur B 14. „Es wäre doch traurig, wenn eines der Hühner dort unter die Räder kommt“, so eine Passantin, die auf ihrer Morgenrunde regelmäßig nach den Tieren Ausschau hält. Eine Angst, die Dimitrios Valavanis nicht teilen kann. „So weit entfernen sie sich nicht vom Stall“, sagt der Grieche, der seinen Garten im Jahr 2007 gekauft hat und seither dort gemeinsam mit seiner Frau die Hühner hält. „Sie gehen ab und an bis ans obere Ende des Weinbergs, drehen dann aber auch wieder um.“ Spätestens um 18 Uhr seien alle Tiere wieder im Stall. „Wenn Schnee liegt oder es richtig kalt ist, gehen sie auch ab und an gar nicht raus.“ Die Entscheidung überlasse er aber den Hühnern. Mit zwei Einschränkungen: „Es darf immer nur ein Hahn mit den Hühnern gleichzeitig in die Weinberge, sonst sind diese zu sehr gestresst“, so Valavanis. Und, sobald sich Trauben an den Reben ausbilden, sind die Weinberge bis etwa Oktober tabu. Beschwerden von den Wengertern habe es dementsprechend bislang noch nicht gegeben. „Warum auch? Die Hühner tun ja niemandem was.“

Naturerlebnis mit den Enkelkindern

Eine Gefahr stellen sie sicherlicht nicht dar. Ganz im Gegenteil zu einem Fuchs, der vor fünf Jahren regelmäßig nach Lücken am Stall gesucht habe. „Irgendwann war er aber glücklicherweise nicht mehr da“, sagt der 62-Jährige, der mit den Hühnern kein Gewinn machen will. „Es ist ein reines Hobby, ab und an verschenke ich ein paar Eier, das war es aber auch. Meiner Frau und mir macht es einfach Spaß, ihnen beim Picken zuzusehen, am liebsten mit unseren Enkelkindern. Das ist Natur pur“, so Valavanis, der auf der Insel Samothraki aufgewachsen ist und aus einer Bauernfamilie stammt. Am 1. November 1972 kam er als Jugendlicher nach Deutschland. „Einem Mittwoch“, erinnert er sich. Nach einer Station bei der Supermarktkette Nanz wechselte er mit 18 Jahren zum Daimler und blieb dort mehr als vier Jahrzehnte – bis zu seinem Ruhestand. „Jetzt habe ich viel Zeit, mich um meine Hühner zu kümmern.“ Einen Liebling kann er dabei nicht ausmachen. „Egal, ob Hahn oder Henne – für mich sind alle gleich.“

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