Der Neubau sollte auf dem sogenannten Galgenberg hinter der katholischen Kirche errichtet werden, wie diese am 7. April 1928 in der UZ veröffentlichte Skizze zeigt. Foto: z

Im Jahr 1928 wurde ein Klinik-Bau auf dem sogenannten Galgenberghinter der katholischen Kirche ins Gespräch gebracht. Von wem die Pläne stammen, ist unbekannt.

Untertürkheim - Über ein besonderes Fundstück freut sich Klaus Enslin, der Vorsitzende des Bürgervereins Untertürkheim-Rotenberg. Aus einem privaten Nachlass hat er jüngst einen dicken Aktenordner erhalten – und beim Durchblättern entdeckte er zwischen Rechnungen und Steuerbescheiden aus den Jahren 1928 bis 1938 einen Zeitungsausschnitt: „Ein Krankenhaus für die Neckarvororte“ lautete die Überschrift des Artikels, den die Untertürkheimer Zeitung am 7. April 1928 veröffentlichte. Enslin, der mit der Geschichte des Stadtbezirks an sich gut vertraut ist, staunte nicht schlecht. „Es war mir bislang nicht bekannt, das hier mal ein Krankenhaus geplant war.“

„Das rasche Anwachsen der Neckarvororte Untertürkheim, Obertürkheim, Wangen und Hedelfingen bringt es mit sich, dass auch die Erstellung eines besonderen Krankenhauses für diese Gegend nicht mehr allzu lange Zeit nur Zukunftsmusik bleiben wird“, heißt es voller Zuversicht in dem Beitrag ohne Autorenangabe. Und weiter: „Auf der Suche nach einem dafür geeigneten Platz dürfte wohl nur Höhenlage infrage kommen, da das Neckartal selbst zum größten Teil der industriellen Entwicklung vorbehalten bleiben wird. Von weiterer Wichtigkeit ist die Möglichkeit einer guten Orientierung nach der Sonne, das heißt nach Süden, gute Luftverhältnisse, ferner möglichst Ruhe und darum weg von den Hauptverkehrsstraßen. Diese Voraussetzungen dürften für unseren Vorschlag, als Bauplatz den ‚Galgenberg’ in Untertürkheim zu wählen, in der Hauptsache zutreffen. Nicht allein, dass die Bergkuppe in Bezug auf Luft und Sonne und Verkehrsruhe den erforderlichen Ansprüchen, die an ein Krankenhaus gestellt werden, gerecht wird, sondern auch vom städtebaulichen Standpunkt aus ist die Bebauung mit einer einheitlichen bekrönenden Baumasse nicht nur für Untertürkheim allein, sondern für die ganze Umgebung von hohem Reiz. Wir möchten daher gerne hoffen, dass der im vorliegenden gemachte Vorschlag bei den maßgebenden Stellen der Stadt in Erwägung gezogen wird und dass die Neckarvororte bald ihr Krankenhaus erhalten.“

Darunter ist ein Lageplan abgebildet. Demnach war der Bau hinter der katholischen Kirche auf der südlichen Hangseite zwischen Hangstraße und Margaretenstraße vorgesehen. Zur Veranschaulichung wurde eine Skizze hinzugefügt, die einen modernen Flachdachbau oberhalb des Ortskerns zeigt. Ganz im sachlichen Stil jener Zeit, in der beispielsweise das Inselbad und der zweite Teil der Untertürkheimer Wallmersiedlung entstanden. Ein weiteres Detail springt Enslin ins Auge: Vorgeschlagen wurde offenbar die Zufahrt durch einen Tunnel.

Die Idee des Krankenhausbaus sei gar nicht schlecht gewesen, meint Enslin, der Vorsitzende des Bürgervereins. Von wem der Vorschlag stammt, wie weit die Planungen gediehen waren, warum die Klinik letztendlich doch nicht verwirklicht wurde, sei jedoch unklar. „Leider gibt es keine Untertürkheimer Zeitung mehr aus diesen Jahren, sonst hätte man die Diskussion weiterverfolgen können.“ Die einzige Hoffnung sei, vielleicht etwas im Stuttgarter Stadtarchiv zu finden, das seit 1928 Ratsdokumente sammelt und die inzwischen digitalisiert vorliegen. „Wenn jemand etwas über das Krankenhaus für die Neckarvororte weiß, kann er sich gern bei mir melden“, bittet Enslin um Unterstützung.

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