Der Fahrradstreifen in der Strümpfelbacher Straße. Foto: Mathias Kuhn

In der Strümpfelbacher Straße hat das Tiefbauamt nicht nur einen Zebrastreifen markiert, sondern gleich auch 70 Meter Radweg. Die Untertürkheimer sind irritiert – er beginnt und endet im Nirgendwo.

Untertürkheim - B ei vielen Anwohnern der Strümpfelbacher Straße und Autofahrern ruft der umgestaltete Straßenabschnitt zwischen Beutelsbacher Straße und dem Kelterplatz Kopfschütteln hervor. Das Tiefbauamt nutzte den August, um ein lange vom Untertürkheimer Bezirksbeirat angeregtes Projekt endlich umzusetzen: Es wurde ein sicherer Fußgängerübergang am Kelterplatz geschaffen.

Den hatten die Lokalpolitiker gefordert, weil es immer wieder zu gefährlichen Zwischenfällen auf dem Zebrastreifen kam, der von der Stadtteilbibliothek in Richtung dem Kindertreff in der Strümpfelbacher Straße führt. Auf der Straßenseite vor dem Kulturtreff und der Brennerei parkten oft Fahrzeuge bis direkt vor dem Fußgängerüberweg. Die Autos verdeckten dadurch kleine Kinder, die die Fahrbahn in Richtung Kelterplatz überqueren wollten. Oftmals konnten Autofahrer erst in letzter Sekunde auf die Bremse steigen. Da der Überweg auch Teil des Schulwegs zur Wilhelmsschule ist, drängten die Lokalpolitiker auf mehr Sicherheit.

Die Lösung: Eine Gehwegnase auf der Seite des Kinder- und Kulturtreffs im Julius-Lusser-Haus soll die Situation entschärfen. Erstens sind die Kinder auf der Aufstellfläche besser zu sehen, zweitens ist der Fußgängerüberweg kürzer und drittens nehmen Autofahrer den Bereich optisch als Engstelle wahr und verlangsamen die Fahrt eher – so die Überlegungen. Da die Strümpfelbacher Straße in dem Bereich eh sanierungsbedürftig war, ließ das Tiefbauamt nicht nur die Gehwegnase installieren, sondern auch die Fahrbahn erneuern und neu markieren. Letzteres führte zu Irritationen – vor allem bei Autofahrern. Denn nicht nur der Gehwegvorsprung am Übergang engt die Fahrbahn nun ein.

Auf etwa 70 Meter Länge wurde auch eine Radverbindung eingerichtet. Oberhalb der Beutelsbacher Straße beginnt plötzlich ein weißer Strich. Fahrrad-Piktogramme weisen den rechten Fahrbahnbereich als Radweg aus, der an der Gehwegnase wieder endet. „70 Meter Radweg ins Nirgendwo. Vermutlich der kürzeste Stuttgarts. Was für ein Schwabenstreich“, schimpft ein Anwohner. „Unnötig, zumal die Situation nun noch unübersichtlicher wird“, erbost sich ein Autofahrer aus Untertürkheim. Denn nicht nur für die SSB-Busse wird es nun eng.

Auch die Bezirksbeiräte wurden vom Fahrradstreifen überrascht. Aus Sicht der Stadtplaner macht das Stück Radweg durchaus Sinn. „Für die gesamte Strümpfelbacher Straße, von der Augsburger Straße bis zur Schnaiter Straße, ist eine Radwegverbindung geplant. Die Pläne sind vorbereitet, müssen mit dem Bezirksbeirat aber noch diskutiert und dann umgesetzt werden“, sagt Christoph Schmid vom Tiefbauamt. Wann dies finanziert und dann realisiert werden könne, sei noch unklar. Aber deswegen sei es sinnvoll gewesen, auf dem im August umgestalteten Abschnitt die Radwegverbindung bereits auszuweisen. Sicherer ist im Zuge dieser Umgestaltung auch der Kelterplatz gemacht worden. Der Belag auf dem zentralen Platz galt als glitschig. Fußgänger waren bei Nässe ausgerutscht. „Mit einer Spezialkehrmaschine haben wir den Kelterplatz und die angrenzenden Fahrbahnen in der Großglockner- und in der Strümpfelbacher Straße aufgeraut“, berichtet ein Mitarbeiter des Tiefbauamts.

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