Winteridylle in Stuttgart: die Grabkapelle, der Schlossplatz und das Alte Schloss. Foto: Behr

Die gebürtige Cannstatterin Angelika Behr sorgt mit ihren Bildern für Weihnachtsstimmung. Sie hat auch einen Kalender für 2021 herausgebracht. Ihre Bilder erfreuen derzeit im Karl-Olga-Krankenhaus.

Stuttgart-Ost - Die Corona-Pandemie hat sehr viel in diesem Jahr durcheinander gewirbelt. Auch im Ausstellungswesen. Zur Weihnachtszeit haben seit fast 20 Jahren die Berger Kinder von der Förderschule nebenan ihre Bilder für eine Ausstellung ins Karl-Olga-Krankenhaus gebracht. In diesem Jahr war das nicht möglich. Dennoch gibt es Kunst im Karl-Olga-Krankenhaus und bei den Olga-Schwestern, die dort Beschäftigte und Patienten erfreut. Die gebürtige Cannstatterin Angelika Behr hat es möglich gemacht.

Und so gibt es vielerlei winterlich-weihnachtliche Motive. Zum einen vom kreierten Stuttgart-Kalender mit Bildern von Behr durch das Jahr. In ihrer unnachahmlichen Weise hat sie Stuttgart und Bad Cannstatt, aber auch Rotenberg als Malmotiv genommen mit ihrer Perspektive und eigenen Interpretation, lasierend gemalt, mit Schneeflocken im Winter als weiße Tupfer etwa beim Alten Schloss, der historischen Straßenbahn und der Grabkapelle und den Weinbergen. Das Schloss Solitüde ist von kunstvoll-zarten Blautönen umgeben und die Stiftskirche bei Nacht erstrahlt mit blitzenden Lichtkegeln. Der Cannstatter Kursaal mit Reiterdenkmal in Frühjahrskleid und bunteren Farben, leuchten dann wiederum fröhlich rot die Hausdächer am Fuße von Rotenberg. Der Schlossplatz erstrahlt einmal mehr in weihnachtlichem Zauber mit Schneeflocken, ebenso der Pavillon.

Ganz weihnachtlich wird es dann in der Ausstellung mit Engelsmotiven, die im Speisesaal zu sehen sind. Die Engel verkörpern für die Kuratorin die Leichtigkeit und Fröhlichkeit, aber auch zugleich die Ernsthaftigkeit dieser Begleiter, dort, wo wir sie brauchen und rufen. „Behr holt uns mit ihren Bildern aus der Enge des Lockdowns heraus“, hatte Renate Gebeßler bei der Eröffnung der Ausstellung im engen Kreis unter strengen Auflagen gesagt.

Angelika Behr hat ursprünglich Modedesign in Wien studiert. Gebeßler bescheinigt der Künstlerin einen guten Umgang mit Material und Technik und ihre absolute Sicherheit im Umgang mit Farben. „Sie setzt sie so gekonnt zu- und gegeneinander, dass es eine Freude war, beim Hängen solche Klangfolgen oder Farbfamilien zu suchen und an den Wänden zueinander zu bringen“, so Gebeßler.

Behr, die auch in Bad Cannstatt mit ihren „Samstagsmalern“ im vergangenen Jahr im Historischen Rathaus ausgestellt hat, malt seit über 45 Jahren. Gebeßler weiß um das „gekonnte Umgehen mit Farbe und Wasser, ihr genaues Gespür für die Freiheit, die die Aquarellfarbe in besonderem Maße für sich beansprucht und die Notwendigkeit des rechtzeitigen Eingreifens, das ist schon sehr außergewöhnlich“.

Die Kuratorin blickt auf das Bild vom Schlossplatz und interpretiert dazu ihre weihnachtlichen Gedanken: Der Schlossplatz, der Pavillon rechts im Bild überschneidet sich mit der alten Kanzlei, im Hintergrund der dominante Turm der Stiftskirche und dahinter der Turm der Leonhardskirche – das wäre die einfache Aufzählung der Gebäude, die jedes für sich schon fast ein Wahrzeichen für Stuttgart sind, dazwischen ein paar kahle Bäume und nur angedeutet: Konturen menschlicher Figuren. „Ich vermute, den Standpunkt vor Ort, von dem man all dies so komponiert wahrnehmen kann, gibt es nicht, sondern hier hat die Künstlerin ihr eigenes Bild vom Schlossplatz und seiner Gebäudeumgebung komponiert – so zusammengesetzt und einander zugeordnet, dass ein Bild daraus wird – das ist ja der große Vorteil des Malers gegenüber dem Fotografen, dass er sich die Objekte so arrangieren kann, wie er sie nebeneinander und zueinander zeigen möchte, während der Fotograf die Wirklichkeit als Vorlage akzeptieren muss“, so Gebeßler.

So sei eine Art Kulisse zu sehen, zusammengefügt aus den prägnanten Baudenkmalen der Innenstadt. Und gerade dieses Kulissenhafte sei ein wichtiger Träger der Atmosphäre, die von diesem Blatt ausgehe. Am entscheidendsten ist für Gebeßler die Beleuchtung, die Lichtverteilung im Bild. Über den Gebäuden liege ein graudunkler Himmel, der allerdings an der Oberkante des Bildes aufgehellt erscheint, so als reflektiere er darunter ausgebreitete Lichter und der in weißen Flocken fallende Schnee und die weißen Dächer und Wege machen die Stimmung dieses Bildes nicht düster bedrohlich, sondern eher heimelig einladend. Es ist, als trete man in den Dezember der Kindheit ein, wo es – zumindest in der verklärenden Erinnerung – im Dezember natürlich immer geschneit hat. „Für mich liegt in diesem Bild jenes Versprechen auf Weihnachten, das einen als Kind durch die ganze Adventszeit begleitet hat, auf eine ‚heile’ Welt, in die das Christkind einzieht, geborgen in den alten Gemäuern der Stadt.“

Im Diakonissenmutterhaus hängen rund 50 Bilder nur von Angelika Behr, dazu gehören auch Radierungen von Engeln und Engel in Acryl gemalt. Im Karl-Olga-Krankenhaus hängen Bilder von Behr und von den beiden Samstagsmalerinnen Renate Sorg und Dagmar Adam. Die beiden waren auch an einer Ausstellung im Cannstatter Rathaus beteiligt. Sie zeigen Blumen und Landschaftsbilder, ebenfalls winterlich geprägt.

Die Bilder Behrs sind bei den Olga-Schwestern im Diakonissen-Mutterhaus in der Hackstraße zu sehen. Und wegen der Pandemie die der drei Künstlerinnen derzeit nur für die Patienten und Beschäftigten im Karl-Olga-Krankenhaus. Sie sind noch bis mindestens Februar zu sehen. Ein Termin für eine öffentliche Vernissage steht nicht fest.

Der Kalender von Angelika Behr mit Motiven von Stuttgart kostet 35 Euro. Angesichts des totalen Lockdowns kann der Kalender bei Angelika Behr direkt bestellt werden per E-Mail an a.m.behr@t-online.de oder unter Telefon 0162 673 7534.

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