Trister Anblick: die Umspannstation in der Bergstaffelstraße. Foto: Elke Hauptmann

Stuttgart Netze will in diesem Jahr die Umspannstation in der Bergstaffelstraße mit Graffiti aufwerten. Es ist eins von vier geplanten Verschönerungsprojekten.

Obertürkheim - Der Strom kommt aus der Steckdose. Doch bis damit Handys geladen und Kaffeemaschinen bedient werden können, durchläuft er ein komplexes System mit mehreren Spannungsebenen. Die meisten privaten Gebäude und kleinere Gewerbeeinheiten in Stuttgart werden im Niederspannungsnetz über Umspannstationen, im Volksmund als Trafohäuschen bezeichnet, versorgt. In diesen wird elektrische Energie aus dem Mittelspannungsnetz mit einer elektrischen Spannung von 10 000 Volt auf 400 Volt transformiert, von dort aus der Strom dann weiter in Richtung der Haushalte geleitet.

Im öffentlichen Stromnetz der Landeshauptstadt gibt es nach Angaben der Stuttgart Netze rund 1000 dieser Trafohäuschen. Sie prägen damit auch das Stadtbild – sind aber oft kein echter „Hingucker“. Entweder stechen sie unangenehm ins Auge, weil sie mit wilden Kritzeleien beschmiert sind. Oder sie werden gar nicht mehr wahrgenommen, weil sie sich grau in grau hinter Büschen verstecken – so wie das Trafohäuschen in der Obertürkheimer Bergstaffelstraße 33. Es soll nun aber aus dem „Dornröschenschlaf“ erweckt werden.

Kooperation mit Jugendhausgesellschaft

Wie Moritz Oehl, Sprecher der Stuttgart Netze GmbH mitteilt, plant das kommunale Unternehmen in diesem Jahr „an mindestens vier neuen Standorten im Stadtgebiet Umspannstationen mit Graffiti gestalten zu lassen“. Neben Obertürkheim seien dafür Trafohäuschen in Vaihingen (Herrenberger Straße 38), Zuffenhausen (Haldenrainstraße 23) und Feuerbach (Linzer Straße 9) vorgesehen. Der Energieversorger setze damit die im Jahr 2017 begonnene Kooperation mit der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft (Stjgs) fort. Zuletzt seien mit ihr Technikgebäude in den Stadtbezirken Nord, Süd, Zuffenhausen, Münster, Heslach und Riedenberg von verschiedenen Stuttgarter Szenekünstlern verschönt worden, die vom Graffitibeauftragten der Jugendhausgesellschaft, Florian Schupp, an den Stromnetzbetreiber vermittelt wurden.

Dessen erklärtes Ziel ist es, dass sich die bemalten Stationen über das gesamte Stadtgebiet verteilen. „Wir suchen die zu gestaltenden Umspannstationen nach festgelegten Kriterien aus“, sagt Oehl und fügt hinzu: „Über Hinweise von Bürgern auf potenzielle neue Stationen freuen wir uns.“ Bislang würden die Stuttgart Netze aber nur selten Umgestaltungswünsche aus den Stadtbezirken erreichen.

Schmuddelecken aufwerten

Die Graffiti-Aktionen, deren Kosten je nach Größe, Komplexität und Aufwand der Gestaltung unterschiedlich hoch ausfallen, sind nicht ganz uneigennützig, räumt man bei der Stuttgart Netze ein: Erstens sei es gut fürs Image, wenn städtische Schmuddelecken etwas freundlicher würden. Zweitens schrecke eine ansprechende Fassadengestaltung schwarze Schafe ab: Ein gut gemachtes Graffiti verhindere über Jahre unerwünschte Schmierereien, ist die Erfahrung. Bislang sei jedenfalls keine der gestalteten Trafostationen wieder verschandelt worden, berichtet Oehl. „Die Kunstwerke werden generell positiv aufgenommen.“ Illegale Graffiti hingegen seien nicht willkommen: „Wenn es sich um politische oder vulgäre Ausdrücke handelt, entfernen wir diese zeitnah.“

Neben der Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern geht die Stuttgart Netze noch einen weiteren Weg, der Verschandelung ihrer Gebäude entgegenzuwirken: In der Ostendstraße hat sie die Trafostation durch die Firma ART-EFX aus Potsdam verschönern lassen, die sich auf fotorealistische Graffiti spezialisiert hat.

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