Auf dem Friedhof Obertürkheim gibt es nur ein öffentliches WC – und das ist ziemlich in die Jahre gekommen. Foto: Elke Hauptmann

Die Toilette auf dem Friedhof in Obertürkheim ist in die Jahre gekommen und nicht behindertengerecht. Seit Jahren fordern die Bürger eine Modernisierung. Ihr Wunsch wird nun auch von den Freien Wählern im Gemeinderat unterstützt.

Obertürkheim - S chon vom Tal aus ist sie zu sehen: Seit mehr als 500 Jahren erhebt sich die Petruskirche über Obertürkheim. Das kleine Kirchlein am Rande der Weinberge, das auf eine bereits im Jahr 1285 erwähnte Wallfahrtskirche zurückgeht, ist ein bekanntes und beliebtes Wahrzeichen des Stadtbezirks – und ein gefragter Veranstaltungsort. Dort findet zum Beispiel die Reihe Obertürkheimer Spazierwegkonzerte statt, die sich in mehr als 30 Jahren zu einem festen Termin im Kulturleben Stuttgarts entwickelt hat. Neben Konzerten und Gottesdiensten werden in der Petruskirche auch viele Hochzeiten und viele Trauerfeiern verschiedener Konfessionen abgehalten. Wie in früheren Zeiten üblich, wurde um die Kirche herum ein Friedhof angelegt. Rund 1200 Grabstätten fasst das etwa drei Hektar große Areal an der Kirchsteige, das noch immer als Beerdigungsstätte genutzt wird.

Auf heutigen Stand bringen

Unbefriedigend ist nach Einschätzung der Freien Wähler im Stuttgarter Gemeinderat die Toilettensituation vor Ort – die unter Denkmalschutz stehende Petruskirche selbst verfüge nicht über ein WC, berichtet der Obertürkheimer Stadtrat Konrad Zaiß. Im nahe liegenden Leichenhaus des Friedhofs sei zwar eine einfache Toilette vorhanden, die von den Besuchern des Friedhofs und der Kirche genutzt werden könne. „Diese Toilette ist aber schon sehr in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen und Standards“, kritisieren der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und seine Mitstreiter in einem Antrag an die Stadtverwaltung. Darin fordern sie das Garten-, Friedhofs- und Forstamt dazu auf, die Toilette „zeitnah zu erneuern und, soweit möglich, auf den heutigen Stand zu bringen“.

Wenig attraktiv

In der Tat ist die Anlage wenig einladend. Es gibt nur ein einziges öffentlich zugängliches WC für alle Geschlechter – da kann es schon mal zu Wartezeiten kommen, wenn Besucher vor oder nach dem Kirchenkonzert das Örtchen aufsuchen wollen. Ganz abgesehen davon müssen sie bei Wind und Wetter, im Winter teilweise auch in der Dunkelheit, etwa 100 Meter über den Friedhof zur Toilette laufen. Der Sanitärraum selbst ist ziemlich beengt und nicht behindertengerecht. Gereinigt wird zwar regelmäßig, aber es kommt häufig zu Beschwerden über die Sauberkeit – kein Wunder bei der regen Nutzung.

Freiwillige Leistung

Große bauliche Veränderungen sind wohl nur schwer möglich – das kleine Leichenhaus, in dem auch das Büro des Friedhofsverwalters untergebracht ist, bietet kaum Platz für eine Erweiterung. Mit Spannung warten die Freien Wähler nun auf Lösungsvorschläge der Stadtverwaltung. Und nicht nur sie, sondern auch viele Obertürkheimer, die seit Jahren auf den Missstand aufmerksam machen. Der Bezirksbeirat hatte bereits im Sommer 2017 auf Initiative der Grünen-Fraktion in einem entsprechenden Antrag gefordert, die Besuchertoilette zu vergrößern und behindertengerecht zu gestalten – auch, weil es in der näheren Umgebung keine weitere öffentliche Toilette gibt. Getan hat sich seither jedoch nichts. Das zuständige Amt verweist darauf, dass die Verwaltung nicht verpflichtet sei, öffentliche Toiletten auf Friedhöfen zur Verfügung zu stellen. Wo es sie gebe, sei das eine zusätzliche Leistung für die Friedhofsbesucher. Vereinzelt habe man Toiletten auf Friedhöfen auch wegen massiver Beschädigungen geschlossen. Diese stehen nur noch während Beerdigungen zur Verfügung.

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