Nach dem Umzug der Schwerlastfirma Hermann Paule wurde eine riesige Fläche frei. Die Hallen und das ehemalige Verwaltungsgebäude sind bereits abgerissen. In den kommenden Jahren soll hier ein Mix aus Wohnen und Arbeiten entstehen. Foto: Elke Hauptmann

Das bislang industriell geprägte Gesicht Obertürkheim verändert sich. So wird derzeit die städtebauliche Entwicklung der Brachfläche neben dem Bahnhof geplant. Entstehen soll ein Mix aus Wohnen und Arbeiten.

Obertürkheim - D e r Ortskern von Obertürkheim wird i n den kommenden Jahren sein Gesicht verändern. Heute befindet sich direkt neben dem Bahnhof eine Industriebrache, künftig soll es dort Wohnungen, Läden, Büros und Gewerbe geben. Zusammen mit dem Eigentümer des Grundstücks, der Aurelis Real Estate aus Eschborn, plant die Stadt Stuttgart auf dem bis vor kurzem noch als Abstellfläche für Kranfahrzeuge genutzten Areal ein urbanes Stadtviertel.

Durch den Umzug der Schwertransportfirma Hermann Paule nach Esslingen Ende vergangenen Jahres stehen zwischen dem Bahnhofsgebäude und der Post – beide im frühen 20. Jahrhundert nach Entwürfen von Architekt Martin Mayer erbaut und als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt – sowie den Bahngleisen und der Augsburger Straße ganze 2,63 Hektar Fläche für eine städtebauliche Neuordnung zur Verfügung. Das entspricht gut dreieinhalb Fußballfeldern. Die von Paule genutzten alten Lagerhallen sowie das kleine Bürogebäude wurden bereits abgerissen, ein Baustellenzaun umgrenzt das Areal.

Wettbewerb im zweiten Quartal 2021

Doch bis die Bagger anrollen, wird noch einige Zeit vergehen. Derzeit werde der Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan vorbereitet, heißt es im Rathaus. Der ist notwendig, weil das Gelände im Flächennutzungsplan bislang als gemischte Baufläche ausgewiesen ist. Erklärtes Ziel der Stadtverwaltung ist es jedoch, es einer hochwertigen Nutzung zuzuführen. „Der Aufstellungsbeschluss ist im ersten Quartal 2021 vorgesehen“, teilt Stadtsprecherin Jasmin Bühler mit. Als Grundlage für die Bebauung soll ein Gutachterwettbewerb dienen. Geplant sei, diesen parallel zum Bebauungsplanverfahren durchzugeführen, so Bühler. Das Preisgericht solle „voraussichtlich im zweiten Quartal 2021“ entscheiden.

Wie viele Wohnungen entstehen könnten, ist noch völlig unklar. Auch ein Zeitplan liegt noch nicht vor. Bislang gibt es nur grobe Pläne für die künftige Nutzung: So soll die gesamte Fläche in drei Teile aufgeteilt werden. Auf dem Bereich direkt am Obertürkheimer Bahnhof soll ein Mix aus Wohnen und Arbeiten entstehen, der mittlere Teil als Gewerbegebiet entwickelt werden, auf dem südlichen Teil ist eine Grünfläche vorgesehen.

„Hammerwerk“ zum Jahresende bezugsfertig

Mit dem Projekt betritt die Aurelis Real Estate keinesfalls Neuland. Dem Unternehmen gehört im Stadtbezirk bereits das frühere Firmengelände der General Electric (vormals Alstom) an der Augsburger Straße 708-712, vermietet dort Flächen für Büro, Produktion, Lager und Technik. Nur wenige Meter weiter, Augsburger Straße 744, wird derzeit das „Hammerwerk“ realisiert – auf d 11 000 Quadratmetern entsteht ein „urbaner Mikrokosmos zum Denken, Produzieren und Tüfteln“, heißt es. Das einst vom Nürnberger Bund genutzte Gebäudeensemble am Ortsrand besteht aus einer denkmalgeschützten Gründerzeitvilla ebenfalls aus den 1920er-Jahren und alten Lagerhäusern, die kernsaniert werden. „Ende des Jahres werden die Arbeiten abgeschlossen sein“, berichtet eine Unternehmenssprecherin. 60 Prozent der Fläche seien inzwischen vermietet – die Corona-Krise habe sich bemerkbar gemacht: „Anmietungsentscheidungen sind teilweise aufgeschoben worden. Die Nachfrage zieht jetzt aber wieder an.“

Ein großer Mieter steht fest: Die Niederlassung Südwest der neuen Autobahngesellschaft des Bundes wird ihren Sitz in Obertürkheim haben. Die rund 250 Mitarbeiter sind für Planung, Bau und Instand haltung von circa 1060 Kilometer Autobahn in Baden-Württemberg zuständig.

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