Die Sternwarte auf der Uhlandshöhe: Gut sieben Monate nach dem Brand soll die Einrichtung wieder für Besucher zugänglich sein - allerdings nur eingeschränkt.Archiv Foto: Klenk Quelle: Unbekannt

Von Sebastian Steegmüller

Stuttgart - Im vergangenen November hat in der Sternwarte Stuttgart ein Feuer gewütet. Unter anderem wurde die Bibliothek vollständig zerstört. Im vergangenen Sommer musste zudem das historische Teleskop zur Reinigung nach Jena gebracht werden. Noch immer befindet sich der denkmalgeschützte Turm auf der Uhlandshöhe im Rohbau, dennoch ist Licht am Ende des Tunnels. Ab Juli soll der Blick in die Sterne wieder regelmäßig möglich sein.

„Baulich hat sich in den vergangenen Monaten nicht viel getan“, sagt Andreas Eberle, der Vorsitzende des Vereins „Schwäbische Sternwarte“. Das Problem: Jeder Schritt der Generalsanierung müsse mit den Versicherungen, der Feuerwehr und dem Amt für Denkmalschutz abgestimmt werden. „Der Kontakt ist gut. Dennoch ist es für uns schwierig, finanziell in Vorleistung zu gehen.“ Etwas planen, das dann später nicht bezahlt wird oder gar umgesetzt werden darf, mache keinen Sinn. „Das ist gefährlich. Wir können das Geld nur einmal ausgeben.“

Besonders knifflig sei der Brandschutz in dem Turm beziehungsweise dem darin gedreht verlaufendem Treppenhaus. Eberle ist der Meinung, eine elegante Lösung gefunden zu haben. „Eine Schiebetür, die die entsprechenden Normen erfüllt, könnte den oberen unteren Teil des Turmes trennen.“

Solch eine Absicherung hätte im vergangenen Jahr wohl Schlimmeres verhindern können. Am Dienstag, 10. November 2015, gab es sie jedoch noch nicht. Damals ist in den Morgenstunden in einem Schulungsraum im Erdgeschoss ein Feuer ausgebrochen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, einen Tatverdächtigen gibt es jedoch nicht. Der größte Schaden, der sich wohl im Bereich von einer Viertelmillion Euro bewegt, liegt offenbar im Hochparterre. Der PVC-Boden und die Fußbodenheizung in der Bibliothek haben den Brand nicht überlebt. Vom einstigen Schulungsraum mit Regalen, Tischen, Stühlen sowie Lehrmaterial und Dia-Leinwand ist nichts mehr übrig geblieben. Er erinnert mit offenen Stahlträgern und unverputzten Wänden heute eher an einen Keller. Durch die starke Rußentwicklung wurden aber auch weitere Teile des historischen Bauwerks in Mitleidenschaft gezogen. „Der Rauch ist wie in einem Kamin durch alle Kabelkanäle und das Treppenhaus aufgestiegen. Es ist alles schwarz“, sagte Eberle kurz nach dem Brand.

Das soll künftig natürlich verhindert werden. Vor allem, um die wertvollen Teleskope in der Spitze des Turmes zu schützen. Unter anderem den historischen Zeiss-Refraktor mit einer Öffnung von sieben Zoll. „Er wird gerade in Jena von einer Spezialfirma gereinigt und anschließend lackiert“, so Eberle. Ein notwendiger Schritt, denn das Rauchgas sei unter den Lack gekrochen und würde langfristig zu Korrosion führen. „Ich rechne damit, dass wir das Teleskop erst im kommenden Jahr zurückerhalten. Momentan ist mir das gar nicht unrecht. Während der Sanierung würde es eher stören. So müssen wir uns in der Kuppel keine Sorgen um Staub und Dreck machen.“

Parallel zum Umbau will die „Schwäbische Sternwarte“ ab Juli wieder Führungen für kleinere Gruppen anbieten. „Allerdings nur sehr eingeschränkt“, so Eberle. Dazu werde man zwei Teleskope auf der Terrasse aufbauen und sie „fliegend“ verkabeln. Bis der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden könne, wird es noch einige Zeit dauern. Unterstützung erhält der Verein dabei vonseiten der Stadt. „Wir sind im Kontakt mit dem Kulturamt und den Gemeinderatsfraktionen.“ Solange jedoch noch nicht klar sei, was die Versicherung am Ende exakt abdeckt, könne die Verwaltung nicht eingreifen. „Die Ausgaben müssen eben rechtfertigt werden.“

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