Das Kopfsteinpflaster wurde 1987 installiert und sollte den Durchgangsverkehr ausbremsen. Foto: /Edgar Rehberger

Die Anwohner der Jagststraße monieren seit vielen Jahren die Situation der steilen Straße. Trotz Verbotes fahren Lastwagen durch, spielen sich abenteuerliche Szenen ab. Geändert hat sich nichts.

Münster - Die temporäre Sperrung der Löwentorstraße in den Ferien hat das Problem wieder verdeutlicht. Die Jagststraße wird immer wieder von Fahrzeugen genutzt, die dafür nicht zugelassen sind. Die steile Straße mit Kopfsteinpflaster ist für Lastwagen gesperrt. Was aber viele nicht daran hindert, dennoch hochzufahren. Zum Leidwesen der Anwohner. Denn dann spielen sich die abenteuerlichsten Szenen ab. Weil es eng zugeht, gab es bereits Schäden an geparkten Fahrzeugen – ohne sich darum zu kümmern. Halsbrecherische Wendemanöver werden absolviert, um in die Schussengasse zu gelangen. Und nicht zu vergessen die Lärm- und Feinstaubbelastung. Denn es wird mächtig Gas gegeben, um die Steigung zu bewältigen. Bei Nässe kommen die schweren Fahrzeuge auf dem Kopfsteinpflaster ins Rutschen, im Winter drehen die Reifen durch. Im Kopfsteinpflaster lösen sich einzelnen Steine, entstehen Löcher. Eine Anwohnerin, die seit 1987 in der Jagststraße wohnt, hat schon mehrfach Beschwerde eingelegt, bei der Stadt angerufen. Ihr ist auch aufgefallen, dass die Grünphase in der Neckartalstraße an der Kreuzung in Richtung Rathaus länger Grün anzeigt als bisher. Das animiere wieder zum Durchfahren durch die Jagststraße. Sie hat auch schon die Firma in der Nagoldstraße darauf hingewiesen, dass Lastwagen Waren verbotenerweise über die Jagststraße anlieferten.

Bemühungen reichen bis 1973 zurück

All dies ist nicht neu und schon mehrfach moniert worden. Die Bemühungen reichen bis ins Jahr 1973 zurück. In den 1990er Jahren wurde sogar der Petitionsausschuss des Landtages bemüht. Eine Bürgerinitiative hatte gehörig Alarm gemacht, was nicht alle im Ort unterstützten. Sie galten als Unruhestifter und Rebellen. Dabei wollten die Anwohner lediglich, dass ihre Häuser so geschützt sind, dass keine Risse entstehen, Ortsunkundige mit ihren Lastwagen nicht im Labyrinth stecken bleiben und der Verkehr im Ort gerecht verteilt wird. Sie nannten auch den Grund für die Probleme: das Kopfsteinpflaster. Dieses wurde 1987 installiert, um den Durchgangsverkehr auszubremsen. Statt einer Beruhigung vergrößerte sich aber der Lärm. Ein Autotransporter, beladen mit sechs Fahrzeugen, musste rückwärts die Jagststraße hinuntergelotst werden. Nahezu jeder Anwohner kann solche Geschichten erzählen. Immer wieder wurden die Gebäude renoviert, die Risse kamen wieder.

Stimmung aufgeheizt

Der damalige Bezirksvorsteher Roland Schäfer war alles andere als begeistert von den protestierenden Anwohnern. Für das Altenheim müssten Notfahrzeuge passieren können, die Geschäftswelt im oberen Teil des Ortes beklage sich, weil Kunden Umwege fahren müssten, führte Schäfer an. Die Stimmung seinerzeit war aufgeheizt, auch in den Bezirksbeiratssitzungen ging es hoch her. Die Hoffnungen der Anwohner ruhten im Verkehrsstrukturplan, der Verbesserungen für Alt-Münster vorsah. Doch daraus wurde nichts. 1995 wurde die Vorlage derart zusammengestrichen, dass lediglich die Einengung der Kreuzung Jagst-/Austraße übrig blieb. Die Anwohner waren enttäuscht, reichten eine Petition beim Landtag ein. Im Mai 1997 kam es zu einer Begehung mit der Kommission des Petitionsausschusses. Der Verkehr in Münster soll gerecht verteilt werden, forderten die Anwohner.

Keine befriedigende Lösung

1998 gab es die schriftliche Antwort des Ministeriums für Umwelt und Verkehr des Landes. Es empfahl der Stadt, die ursprünglich im Verkehrsstrukturplan vorgesehenen Maßnahmen für die Jagststraße umzusetzen. Dies hieße, die signalgeregelte Zufahrt an der Kreuzung Neckartalstraße aufzugeben und den oberen Bereich des Ortes über die Freibergstraße zu erschließen. Der Durchgangsverkehr habe in der Jagststraße nichts verloren. Das sei keine befriedigende Lösung. Vorschreiben könne man der Stadt aber nichts. Die Verkehrsregelung sei nämlich Sache der Kommune und örtlichen Verkehrsbehörden. Die Anwohner ahnten aber damals bereits, was passieren würde: nichts. Heute ruhen die Hoffnungen der Anwohner auf der Sozialen Stadt. Denn einer der Handlungsfelder des Förderprogramms lautet „Wohnen, Wohnumfeld und öffentlicher Raum“.

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