Stuttgart Netze will durch den Einbau von Messtechnik in Kabelverteilerschränken Stromausfällen auf die Schliche kommen. Foto: Stuttgart Netze GmbH

Zwei Stromausfälle innerhalb von 24 Stunden hatten die Hedelfinger jüngst erlebt. Um solche Fehler zu vermeiden, betreibt der Versorger Stuttgart Netze in einem Pilotprojekt Ursachenforschung.

Hedelfingen - R ein rechnerisch ist jeder Stuttgarter gerade mal zehn Minuten pro Jahr ohne Strom. Über diese statistische Zahl können die Hedelfinger nur schmunzeln: Ende August ist es innerhalb von 24 Stunden gleich zu zwei Stromausfällen in weiten Teilen des Stadtbezirks gekommen – am 30. August saßen die Einwohner spätnachts gut 30 Minuten lang im Dunkeln, am A bend des 31. August noch einmal zweieinhalb Stunden. In beiden Fällen sei ein defektes Betriebsmittel Ursache gewesen, berichtet ein Sprecher der Stuttgart Netze GmbH und betont: „Die beiden Störungen stehen in keinem unmittelbaren Zusammenhang.“

Ein ärgerlicher Zufall – nicht nur für die Hedelfinger, sondern auch für den Stromnetzbetreiber, der eigenem Bekunden nach zahlreiche Maßnahmen unternimmt, um die Versorgungssicherheit zu verbessern. Unter anderem läuft derzeit ein Projekt, um mehr über die Gründe für Stromausfälle zu erfahren. Die Ursachenforschung klingt einfacher als sie tatsächlich ist.

Komplexes System

Dass Strom aus der Steckdose kommt, weiß jedes Kind. Doch bis damit Handys geladen und Kaffeemaschinen bedient werden können, durchläuft er ein komplexes System: Ganze 5400 Kilometer lang ist das Stromnetz in Stuttgart. Die meisten privaten Gebäude und kleinere Gewerbe werden im Niederspannungsnetz (400 Volt) über Umspannstationen und Kabelverteilerschränke versorgt. In der Landeshauptstadt zeichnet sich diese Spannungsebene dadurch aus, dass ein Verbraucher fast immer von zwei Seiten mit Strom versorgt werden kann. Fällt ein Kabel beispielsweise aufgrund einer Störung aus, bekommt der Kunde davon nichts mit. Was dem Verbraucher Vorteile bringt, ist für die die Stuttgart Netze jedoch eine große Herausforderung – defekte Kabel können so möglicherweise lange unentdeckt bleiben. Wenn dann noch die zweite Zuleitung ausfällt, sitzt gleich eine Vielzahl an Kunden im Dunkeln. In diesem Fall ist die Fehlersuche enorm zeit- und arbeitsaufwendig.

Ausweitung auf weitere Stadtbezirke

Um Stromausfällen auf die Schliche zu kommen, führt die Stuttgart Netze gemeinsam mit einem Dienstleister für Datenanalysen seit Jahresbeginn ein Pilotprojekt durch: In einem klassischen Wohngebiet im Stadtteil Bergheim hat der Stromversorger in mehrere Kabelverteilerschränke und Umspannstationen spezielle Messtechnik eingebaut. Mithilfe eines Algorithmus werden die Daten der Sensoren kontinuierlich online erfasst und verarbeitet. Damit will man herausfinden, ob einzelne Kabel aufgrund eines Fehlers im Stromnetz anders als üblich belastet werden.

Mit den Messungen in Kabelverteilerschränken gehört die Stuttgart Netze, ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Stuttgart und der Netze BW, eigenen Angaben zufolge in Deutschland zu den Vorreitern. Stellt sich das Projekt als erfolgreich und für die Monteure als praktikabel heraus, könnten schon bald an anderen Stellen des Stromnetzes in der Landeshauptstadt Sensoren zur Messung der Stromstärke eingebaut werden. „Es ist angedacht, auch andere Bezirke zu betrachten“, sagt der Unternehmenssprecher. Welche das sein könnten, ist noch offen.

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