Die Wälder in Stuttgart sind ausgetrocknet. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Drei Sommer in Folge hat es zu wenig geregnet. Kiefern, Fichten und Buchen leiden unter Trockenheit.

Hedelfingen - Temperaturen über 30 Grad Celsius, seit Tagen kein Tropfen Regen, Winde trocknen die Böden aus und es ist keine Besserung in Sicht: Auch im September scheint die Sonne die Oberhand zu behalten. Die Spuren des trockenen Sommers werden jetzt vor allem in den Wäldern sichtbar und bereiten den Forstwirten Sorgen: Bäche führen kaum Wasser, Bäume zeigen sichtbare Schäden, manche sterben langsam ab.

„In den Monaten April, Mai und Juli dieses Jahres hat es teilweise nicht mal die Hälfte des langjährigen Niederschlagsmittels in Stuttgart geregnet. Somit befinden wir uns im Jahr 2020 bereits im dritten Hitzesommer in Folge. Hier kann man schon von chronischem Wassermangel im Forst sprechen“, sagt ein Mitarbeiter der Stuttgarter Forstamts. Die Trockenheit der vergangenen Jahre mache sich besonders bei Fichten, Kiefern und Buchen bemerkbar. „Fichten sind an manchen Standorten sehr flach wurzelnd und somit bei Trockenheit im Oberboden relativ schnell von Wassermangel betroffen“, nennt er den Hauptgrund für das schleichende Verdursten der Nadelbäume. Doch auch die Kiefern sind offensichtlich gefährdet. „Kiefern sind zwar recht trockentolerant, aber hitzeempfindlich“, erklärt der Forstexperte. Der sonst grüne Stuttgarter Wald ist an einigen Stellen grau, manche Fichten und Kiefern sind kahl, Gerippe ohne Nadeln.

Wa s Forstexperten vor Jahren nicht vermutet hätten: Selbst Laubbäume leiden unter den veränderten Klimabedingungen. „Buchen haben vor allem an südlich exponierten Lagen, beispielsweise an Waldrändern oder auf Kuppenstandorten im Zusammenspiel mit flachgründigen Böden häufig mit Trockenproblemen zu kämpfen“, sagt der Mitarbeiter des Garten-, Friedhof- und Forstamts. Der chronische Wassermangel bei Bäumen führe in der Folge oft zu einer verstärkten Anfälligkeit gegenüber Schädlingen.

Bei der gewöhnlichen Rosskastanie führt seit Anfang der 2000er-Jahre die Kastanienminiermotte beispielsweise zu frühzeitigen Blattverfärbungen. In den 2000er-Jahren hat sie den „Sprung“ über die Alpen geschafft und ist seitdem auf dem Vormarsch noch Norden und bei der Esche führt das Eschentriebsterben vermehrt zu trockenen Spitzen, dem Absterben von Ästen und ganzer Bäume. Egal ob Eschen, Fichten oder Kiefern – aus Verkehrssicherheitsgründen müssen die Forstmitarbeiter deswegen vermehrt Bäume fällen. Beispielsweise in Sillenbuch, auf der Waldebene Ost oder rund um den Fernsehturm. „Hierbei handelte es sich um eine dringend erforderliche Verkehrssicherungsmaßnahme. Bäume, die aufgrund der Trockenheit oder anderer Schäden verkehrsunsicher geworden waren, wurden entnommen.“ Forstwirtschaftler gehen davon aus, dass sich der deutsche und damit auch der Stuttgarter Wald wegen der Klimakrise verändern werden.

Die Verantwortlichen des Stuttgarter Forstamts richten sich auf die Veränderungen ein. Seit langem plane die aktuelle Forsteinrichtung deswegen den Waldumbau. Wie geht das? Prinzipiell könne man im Forst auf die Wahl geeigneter, trockenstresstoleranter Baumartenmischungen in Abhängigkeit des Standortes zurückgreifen. „Auf Standorten, die einen chronischen Wassermangel aufweisen und deren derzeitige Baumartenzusammensetzung immer wiederkehrende Trockenschäden aufweisen, müssen andere, trockenresistentere Bäume gefördert werden“, erklärt Anna Sendler, Pressesprecherin der Stuttgarter Stadtverwaltung.

Falls eine Naturverjüngung mit entsprechenden Baumarten vorhanden sei, setze man auf diese, weil sie schon an den spezifischen Standort angepasst sei. „Falls keine Naturverjüngung vorhanden ist, müssen andere trockenresistentere Baumarten gepflanzt werden. Welche das sind, ist vom jeweiligen Standort abhängig.“

Doch nicht nur einige Pflanzenarten werden in Stuttgarts Wäldern rarer. „Gefährdet sind alle Lebewesen, die am und im Wasser leben“, sagt ein Mitarbeiter des Umweltamts. „Die letzte Untersuchung zum Steinkrebsvorkommen wurde 2013 durchgeführt. Die Bestandsdichten im Lindenhalden- und Krebsbach waren gering“, berichtet Sendler. Abhilfe könnten renaturierte Bachbetten schaffen. Sie bieten einen größeren Lebensraum mit mehr Möglichkeiten für Flora und Fauna. In ihnen ist die Fließgeschwindigkeit des Wassers in der Regel viel langsamer als in einer Betonrinne. Dort könnten tiefere Bereiche geschaffen werden, in die sich Fische und andere Lebewesen bei Niedrigwasser zurückziehen können.

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