Foto: Jürgen Feld (z)

Schäferhündin Joy soll für den Zoll am Flughafen zukünftig Geldscheine erschnüffeln.

Stuttgart - Die junge Hündin sprintet über den Platz, schnappt sich ihr Plastikspielzeug und rennt zur freudig klatschenden Mittzwanzigerin in Zolldienstkleidung herüber. Noch ist das für alle beide ein Spiel. Für die einjährige Deutsche Schäferhündin Joy und für Zollobersekretärin Annica Dommer, die gemeinsam über das Trainingsgelände flitzen. Für Joy soll das auf jeden Fall auch so bleiben. Für die 24-jährige Zollbeamtin ist es ein neuer Bestandteil ihres Berufes, ein Bestandteil der anstrengend sein kann oder wie jetzt gerade auch richtig Spaß macht.

Es ist Annica Dommers erster Diensthund und ein Traumjob, auf den sie eine ganze Weile hingearbeitet hat. Die 24-Jährige hat von 2013 bis 2015 eine Ausbildung im mittleren Dienst beim Zoll absolviert und danach bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit in Karlsruhe gearbeitet. Seit 2020 ist die Zollobersekretärin am Stuttgarter Flughafen in der Reisendenabfertigung tätig und hat hier schon mit anderen Zollhundeteams zusammengearbeitet. Als sich dann die Möglichkeit ergab, selbst in die Ausbildung als Zollhundeführerin einzusteigen, musste die gebürtige Badenerin nicht lange nachdenken. „Schon beim Abschicken meiner Bewerbung damals nach der Schule hatte ich das Bild im Kopf, vielleicht einmal mit einem Zollhund arbeiten zu dürfen“, erklärt Dommer mit strahlenden Augen.

Training mit druckfrischen Geldscheinen

Jetzt ist es so weit: Ihre Hündin hat diese Woche die „Aufnahmeprüfung“ beim Zoll bestanden und soll in den nächsten Monaten zur Bargeld-Spürhündin ausgebildet werden. Ein gewisser Spieltrieb ist bei der Auswahl der Zolldiensthunde eine wichtige Charaktereigenschaft, welche die Tiere mitbringen müssen. Hinzu kommt noch eine besondere Menschenbezogenheit und natürlich eine absolute körperliche Fitness. Joy soll schließlich noch viel lernen und vielleicht schon in einem Jahr für die Beamten am Flughafen Nasenarbeit leisten. Um den „richtigen Riecher“ zu bekommen wird der Neuzugang dann mit druckfrischen Geldscheinen trainieren, welche die Deutsche Bundesbank dem Zoll hierfür zur Verfügung stellt. „Die Bargeldhunde schnüffeln nicht nach irgendwelchen Gerüchen, wie zum Beispiel Drogen, die an gebrauchten Geldscheinen haften, sondern können den Geruch der Druckfarbe und des Papiers der Banknoten verinnerlichen“, erklärt Pressesprecher Thomas Seemann den Ansatz der Suche.

Wenn Joy ihren „Zielgeruch“ findet, ist Aufregung und Gekratze an der Geruchsquelle absolut unerwünscht. Schließlich soll Joy im Grunde genommen eine Spezialausbildung bekommen und später speziell an Personen nach großen Bargeldbeträgen suchen können.

40 000 Euro im BH erschnüffelt

Eine Fähigkeit die gebraucht wird, wie ein Fall aus dem ersten Quartal dieses Jahres zeigt. Eine Reisende wollte in ihrem BH fast 40 000 Euro außer Landes schmuggeln. Reisende sind gesetzlich verpflichtet, mitgeführtes Bargeld ab einem Betrag von 10 000 Euro oder mehr beim Zoll anzumelden, wenn sie aus einem Drittland kommen oder dorthin reisen wollen. „Viele kriminelle Geschäfte funktionieren nur mit Bargeld“, erklärt Seemann. „Mit unseren Kontrollen gehen wir gegen Geldwäsche und die Finanzierung terroristischer Organisationen vor.“

Joy und ihr Frauchen sind aber noch nicht soweit. Sie haben den ersten Schritt gemacht und gehören nun zu den insgesamt rund 350 Hundeteams, die in den Reihen des Zolls bundesweit tätig sind. Es folgen tägliches Training und Lehrgänge bei der zolleigenen Hundeschule, die jeweils mit entsprechenden Prüfungen abschließen. Bis zur erfolgreichen Bargeld-Spürhündin ist es also noch ein weiter Weg.

„Immer schön entspannt bleiben“, ruft ein erfahrener Kollege Annica Dommer zu, als Joy doch lieber zu den anderen Zollhunden auf dem Trainingsplatz rennen möchte, anstatt neben Frauchen sitzen zu bleiben. Aber auch die Veranlagungen der Hündin stimmen ganz augenscheinlich oder wie Seemann es zum Ausdruck bringt: „Ich bin mir sicher, wir werden mit Joy noch ganz viel Freude haben!“

Zum Einsatz kommen die Bargeldspürhunde übrigens nur bei dienstlichen Einsätzen des Zolls oder der Polizei. Dazu zählen Kontrollen am Flughafen, Einsätze an Fahrzeugen bei Kontrollen auf der Autobahn oder Wohnungsdurchsuchungen mit richterlichem Beschluss. Die Anfrage einer Dame, die in einem geerbten Haus noch Bargeldversteckte vermutete und deshalb einen Bargeldhund des Zolls für die Suche in Anspruch nehmen wollte, mussten die Beamten ablehnen.

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