Autofahrer wurden am Montag von der Brückensperrung überrascht – wieder einmal. Foto:  

Arbeiten dauern bis 27. März. Ärger wegen erneut fehlender Information zur Reparaturmaßnahme

Bad Cannstatt - Etliche Autofahrer, die am Montagmorgen vom Hallschlag kommend wie gewohnt über die Wilhelmsbrücke in die Cannstatter Innenstadt fahren wollten, drehten an der Ampel wütend um. Die Neckarquerung war wegen dringender Belagsarbeiten gesperrt. „Die Baumaßnahme dauert etwa zwei Wochen“, sagt Markus Lieber vom Tiefbauamt. Betroffen sei die Seite in der Neckarvorstadt. Bei der Stahlkonstruktion, die den Fahrbahnübergang zwischen Brücke und Straße „ausgleicht“, beginnt sich ein Blech zu lösen. Das sorgt beim Drüberfahren für ziemlich laute Geräusche. Es könnte sich sogar ganz lösen und damit ein Sicherheitsrisiko darstellen. „Fußgänger und Fahrradfahrer können die Brücke jedoch weiterhin passieren“, sagt Markus Lieber. Autofahrer müssen dagegen bis 27. März einen Umweg über die Rosensteinbrücke in Kauf nehmen.

Was aus deren Sicht jedoch am Montag besonders ärgerlich war: Zwar steht die Maßnahme im offiziellen Baustellenkalender auf der Homepage der Stadt Stuttgart, aber bei einer weitreichenden Maßnahme wie einer Brückensperrung wird in der Regel ein separater Text vom Presseamt verschickt. Das wurde offenbar versäumt. Wieder einmal, denn viele Autofahrer fühlen sich an das Jahr 2019 erinnert.

Am Montag, 9. September, standen sie ebenfalls ohne Vorwarnung mit ihrem Fahrzeug vor einer gesperrten Wilhelmsbrücke. Die Bautrupps waren damals wegen der gleichen Reparaturmaßnahme am Start – nur auf der anderen Neckarseite. Die Folgen: Verkehrschaos pur in der weiteren Umgebung der Brücke, da der 9. September der erste Arbeitstag nach den Sommerferien war. Chaos gab es am gestrigen Montag zwar nicht, ärgerlich ist der „verpennte“ Hinweis jedoch allemal; vor allem die Häufung. Denn auch im Oktober 2018 mussten die Autofahrer ohne Vorwarnung lästige Umwege in Kauf nehmen, da die Wilhelmsbrücke über Nacht wegen Belagsarbeiten geschlossen wurde. „Ein Kommunikationsversäumnis wegen der Feiertage“, entschuldigte sich damals die Stadt.

An eine gesperrte Wilhelmsbrücke müssen sich die Autofahrer allerdings gewöhnen. Im September 2021 wird der Rosensteintunnel eröffnet. Dann werden auch die „verkehrstechnischen Karten“ in Bad Cannstatt neu gemischt. Denn in der Folge werden sehr viel weniger Fahrzeuge über die Rosensteinbrücke fahren. Heute werden dort täglich noch rund 21 200 Fahrzeuge gezählt, nach Eröffnung des Rosensteintunnels sollen es laut der städtischen Verkehrsplaner etwa 40 Prozent weniger sein.

Und diese freien Kapazitäten sollen genutzt werden. Eine Mehrheit im Gemeinderat träumte bereits 2018 von einer autofreien Wilhelmsbrücke. Grüne, SPD und SÖS/Linke/Plus trafen damals einen entsprechenden Beschluss im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik. Das Thema ist allerdings sehr umstritten, denn das bürgerliche Lager im Stuttgarter Rathaus und im Bezirksbeirat sowie der lokale Einzelhandel sind strikt dagegen.

Grund genug für die Initiative Schöne Straße, das Thema den Bürgern einmal vor Ort näher zu bringen. Am Sonntag, 21. Oktober 2018, war die Verbindung zwischen Neckarvorstadt und der Cannstatter Altstadt vier Stunden lang eine fahrzeugfreie Zone. Aber beileibe keine menschenleere, denn viele BürgerInnen waren der Einladung zum „Brückenfest“ gefolgt. Keine Frage, das Versprechen des damaligen Oberbürgermeisters Fritz Kuhn, aus der in weiten Teilen unzugänglichen eine erlebbare, attraktive Flusslandschaft mit hoher Aufenthaltsqualität – und dazu zählen auch Brücken – zu machen, hatte vor drei Jahren die Neugier vieler Cannstatter geweckt.

„Durch den Rosensteintunnel und der gewollten Bündelung der Automassen ist Straßenrückbau möglich“, sagte damals Matthias Busch, Sprecher der Initiative, und verwies auf die Zählungen der Stadt Stuttgart. Die ergeben regelmäßig, dass die meisten Autofahrer, die täglich durch die Schönestraße fahren, dort eigentlich nichts zu suchen hätten. Ein Fakt, der sicher auch für die Brückenstraße zutrifft. Seit Jahrzehnten gibt es in der Neckarvorstadt schon die Forderung für eine autofreie Wilhelmsbrücke.

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