Astrid M. Fünderich macht das Kreuz in Berlin.Katrin Steinhülb-Joos wird in Berlin für Frank-Walter Steinmeier stimmen. Foto: Yannik Michael (z)

Die Schauspielerin Astrid M. Fünderich sowie die Landtagsabgeordneten Katrin Steinhülb-Joos (SPD) und Petra Olschowski (Grüne) reisen am Wochenende in die Bundeshauptstadt, um den neuen Bundespräsidenten zu wählen.

Bad Cannstatt - Überrascht spielen, kann Astrid M. Fünderich. Seit mehr als 13 Jahren verkörpert sie in der ZDF-Krimiseriereihe Soko Stuttgart – fester Sendeplatz ist am Donnerstag um 18 Uhr – die Erste Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert. Wenn es das Drehbuch erfordert, schwenkt ihre Stimmung auch mal wie auf Knopfdruck um. Als sie jedoch erfuhr, dass sie in die 17. Bundesversammlung berufen wurde und am Sonntag, 13. Februar, mitbestimmen darf, wer der kommende Bundespräsident wird, musste sie sich nicht spontan verstellen. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagt die Schauspielerin. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Ich bin sehr stolz, dass mich die SPD-Landtagsfraktion in dieses hohe Verfassungsorgan entsendet.“ Als eine von 736 „normalen“ Bürgerinnen und Bürgern dabei zu sein, sei etwas sehr Besonderes. Sie habe schon die eine oder andere Auszeichnungen erhalten, die sie sehr geehrt hätten. Dass sie jetzt aber zur Bundesversammlung fahren darf, sei aber schon etwas anderes.

Die Wahl ist „frei und geheim“

Wem sie ihre Stimme geben wird, verrät die 58-Jährige nicht. Mit einem Augenzwinkern verweist das SPD-Mitglied – sie trat vor vier Jahren in die Partei ein und hat auch im Bundeswahlkampf an verschiedenen Stellen geholfen, die Werbetrommel zu rühren – darauf, dass die Wahl „frei und geheim“ sei. Gleichzeitig macht sie jedoch keinen Hehl daraus, dass sie es begrüßt, dass Frank-Walter Steinmeier wohl erneut Bundespräsident werden wird. Die Ampel-Parteien, die in der 17. Bundesversammlung die absolute Mehrheit stellen, haben sich bereits klar zu ihm bekannt. „Wir unterstützen gern und überzeugt die Kandidatur von Frank-Walter Steinmeier“, sagt dementsprechend auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Olschowski, die den Stuttgarter Neckarwahlkreis vertritt und eine der 94 Delegierten ist, die vom baden-württembergischen Landtag nach Berlin entsendet werden. „Frank-Walter Steinmeier hat sich immer wieder für Diversität in der Gesellschaft und demokratische Werte eingesetzt und sich eindeutig gegen Hetze von Rechts gestellt“, sagt Olschowski, die sich sicher ist, dass „er in seiner zugewandten Art, mit seiner klaren Haltung und Erfahrung das Amt weiter in diesem Sinn ausfüllen wird“.

Astrid M. Fünderich wegen sozialem Engagement ausgewählt

Aus Sicht von Astrid M. Fünderich wirkt „Steinmeier als Bundespräsident im Inland verbindend und im Ausland verbindlich und zuverlässig demokratisch.“ Dass ausgerechnet sie von den Sozialdemokraten als Delegierte ausgewählt wurde, begründet sie zum einen mit ihrer Rolle in der ZDF-Krimireihe, schließlich sei die „Soko Stuttgart“ so etwas wie eine Kulturbotschafterin für Stuttgart und Baden-Württemberg. „Zusammen mit meinem politischen und sozialen Engagement bin ich wohl aufgefallen.“ Die SPD-Landtagsabgeordnete Katrin Steinhülb-Joos konkretisiert diese Aussage noch etwas. „Astrid M. Fünderich setzt sich seit vielen Jahren für chronisch kranke Kinder und deren Familien ein, außerdem ist sie Mitglied im Kuratorium der Deutschen Kinderkrebsnachsorge und im Kuratorium der Olgäle-Stiftung“, so die 55-Jährige, die in Berlin ebenfalls an die Wahlurne treten wird.

Kein Galadiner in Berlin

Sowohl die Schauspielerin als auch die Politikerin bedauern es, dass das Rahmenprogramm coronabedingt deutlich abgespeckt worden ist und man auch keine Begleitung mitnehmen darf. „Normalerweise gibt es ein gemeinsames Abendessen und einen großen Empfang mit allen Delegierten nach der Wahl,“ sagt Katrin Steihülb-Joos. „Dieses Mal fällt das leider aus.“ Astrid M. Fünderich hätte sich indes gefreut, wenn die Wahl mit allen Beteiligten im Plenarsaal des Deutschen Bundestags stattgefunden hätte. „Mitten im Herz unserer Demokratie. Nun geht das aus coronatechnischen Gründen natürlich nicht. Ich bin gespannt, wie alles in dem riesigen Paul-Löbe-Haus nebenan ablaufen wird.“

Viele interessante Persönlichkeiten

Die Wahl findet dort auf fünf Stockwerken statt, wird mit Blick auf die Pandemie bewusst entzerrt. Die „Soko Stuttgart“-Darstellerin hofft dennoch, den einen oder anderen Delegierten zu treffen. Mit dem Astronauten Alexander Gerst und der Ökonomin Maja Göpel würde sie beispielsweise gerne mal einen Kaffee trinken. „Der Raumfahrer beeindruckt mich durch sein authentisches, vielseitiges Engagement.“ Und seine musikalische Einlage mit der Band Kraftwerk, live aus der Erdumlaufbahn, 2018 bei den JazzOpen in Stuttgart sei einfach umwerfend gewesen. „Maja Göpel finde ich auch sehr interessant. Sie ist eine wichtige, klare, wissenschaftlich fundierte Stimme für die nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft. Seit ihrer Tätigkeit als Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung, für Globale Umweltveränderungen, horche ich sofort auf, wenn sie wieder etwas Kluges und Richtungsweisendes zu sagen hat.“

Dank an Christian Drosten

Steinhülb-Joos sei indes sehr gespannt auf die Mannheimerin Karla Spagerer, die zu den wenigen noch verbliebenen Zeitzeugen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges gehört. „Es ist unglaublich, wenn sie mit Leib und Seele über die schrecklichen Ereignisse berichtet. Das würde ich gerne persönlich einmal von ihr hören.“ Sollte sie dem Virologen Christian Drosten im Paul-Löbe-Haus über den Weg laufen, werde sie ihm auf jeden Fall für seine Arbeit danken. Als sie noch Schulleiterin der Altenburgschule in Bad Cannstatt war, sei sein Corona-Podcast eine wichtige Orientierungshilfe gewesen. „Es war in der Anfangsphase der Pandemie schwierig, verlässliche Infos und Handlungsempfehlungen zu bekommen. Er hat die Lage einfach unprätentiös dargestellt. Nicht überzogen und ohne Panikmache.“

Bundespräsident in Heilbronn getroffen

Darüber hinaus fiebert sie einem Treffen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier entgegen. Sein Amt sei für sie kein machtloser Posten. „Ganz im Gegenteil. Als Staatsoberhaupt repräsentiert er die Bundesrepublik, sendet Signale aus, ist eine Art Notar.“ Im Jahr 2019 habe sie ihn schon auf der Bundesgartenschau in Heilbronn – damals war sie noch Rektorin – kurz kennenlernen dürfen – und war sehr beeindruckt „Er ist unglaublich offen, bürgernah und sehr vertrauenswürdig gewesen.“ In dieser schwierigen Corona-Zeit brauche man Menschen, die Verlässlichkeit ausstrahlen und mit ihrer Geduld deeskalierend wirken.

Aufholbedarf im Bereich Bildung

„Denn es läuft gerade viel aus dem Ruder“, sagt Steinhülb-Joos. Die Pandemie habe dabei wie ein Brennglas gewirkt.„Es sind ernst zu nehmende Entwicklungen, dementsprechend liegt viel gesellschaftspolitische Arbeit vor uns.“ Man müsse die Leute, die teilweise Existenzängste haben, abholen, den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken. Großen Aufholbedarf habe man im Bereich Bildung, so die Cannstatter Landtagsabgeordnete, die aus ihrem früheren Beruf die Sorgen und Nöte der Eltern noch bestens kennt. „Diese Probleme werde ich auch in Berlin ansprechen.“ Akuter Handlungsbedarf vonseiten der Landesregierung bestehe im Bereich der Fachkräftegewinnung für den Schuldienst. Die Schülerinnen und Schüler würden ganz besonders nach der schwierigen pandemiebedingten Unterrichtssituation seit mehr als zwei Jahren dringend kontinuierliches und verlässliches Lehrpersonal benötigen. Des Weiteren müsse man die Digitalisierung weiter vorantreiben – „konkurrenzfähig werden“. Und vor allem: „Wir dürfen nach Corona nicht einfach weitermachen, wie bisher.“

Zu undiplomatisch für die Politik

Wäre Astrid M. Fünderich in die Politik gegangen, würde sie sich ebenfalls mit „vollem Herzen für Bildung, Kinder- und Jugendförderung einsetzen“. Bei diesen Themen sei in den vergangenen Jahrzehnten viel versäumt worden. Dass Katrin Steinhülb-Joos in absehbarer Zeit eine neue Mitstreiterin bekommt, ist unwahrscheinlich. „Mit einem Bürgerauftrag in verantwortlicher Position, etwas zu bewegen, ist bestimmt erfüllend. Die Wege dahin erfordern aber strategisches Denken und diplomatisches Geschick. Beides liegt mir leider nicht wirklich“, sagt Fünderich mit einem Lachen. „Fragen Sie mal meinen Mann!“ Sollte sie wieder eine Politikerin spielen müssen, könnte sie sich aber vorstellen, dem einen oder anderen Amtsinhaber mal ein paar Tage über die Schulter zu schauen. „Das sollte ich vielleicht auch einfach mal so machen. Genau hinzuschauen, fördert immer den Respekt!“

Wer mit Katrin Steinhülb-Joos in Kontakt treten will, erreicht sie telefonisch unter 504 70 470 oder im Wahlkreisbüro in Bad Cannstatt, Spreuergasse 25. Infos gibt es im Internet unter www.steinhuelb-joos.de/meine-bueros.