Vorsichtig gießt Pfarrer Andreas Krause das Sauerwasser auf die Stirn von Aurora Mia Graziella Di Franco. Foto: Andreas Rosar

Andreas Krause führt Ritus in der Liebfrauenkirche erstmals mit einer Cannstatter Kanne durch.

Bad Cannstatt - Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Während Andreas Krause, Pfarrer der katholischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Neckar, am Samstagnachmittag in der Liebfrauenkirche die Taufformel spricht, gießt er dreimal ganz vorsichtig Wasser über das kleine Köpfchen von Aurora Mia Graziella Di Franco – damit ist sie Mitglied der Kirche und gehört der Gemeinschaft der Gläubigen an.

Mehr als 160 000 Kinder werden jährlich in Deutschland durch die Taufe in die katholische Kirche aufgenommen, auch Krause führt den Ritus regelmäßig durch, dennoch stellt er dieses Mal etwas ganz Besonderes für den 50-Jährigen dar. Denn erstmals hat er zu Cannstatter Quellwasser gegriffen – und einer Cannstatter Kanne.

Zuständig für 14 000 Katholiken

Die Idee dazu kam Krause, der in der Sauerwasserstadt aufgewachsen und heute für die Gemeinden St. Martin, St. Peter und Liebfrauen mit insgesamt 14 000 Katholiken zuständig ist, schon als er noch in der Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal predigte. Bei Besuchen in der Heimat sei ihm immer wieder die Kanne aufgefallen, die auch auf dem Wappen Cannstatts zu sehen ist. Insbesondere drei Buchstaben, die auf ihr zu lesen sind – i, h und s. Drei Buchstaben, die auch in vielen Bibeln des Mittelalters zu finden sind. Kein Wunder: Das Monogramm „i h s“ hat seinen Ursprung im Griechischen und steht im Deutschen für „Jesus, Retter der Menschen“.

Cannstatter Kanne ist Abendmahlkanne

Doch warum taucht dieses Symbol auf dem Cannstatter Wahrzeichen auf? Der Grund ist simpel. Es handelt sich um eine Abendmahlkanne, in die man am Gründonnerstag nicht gesegneten Wein einfüllt. „Zu diesem Zweck habe ich sie auch gekauft“, sagt Krause, der im Zinnlädle in der Seelbergstraße gleich zwei verschiedene Exemplare erstanden hat. „Leider konnte ich sie wegen des Gottesdienst-Verbots an Ostern nicht einsetzen. Aber auch für eine Taufe sei die Kanne aufgrund ihrer Größe ideal geeignet. „Sie fasst zwei Liter, somit kann man auch mehrere Kinder hintereinander taufen, ohne unterbrechen zu müssen.“ Üblich seien zwei in einem Gottesdienst, doch erneut mache das Coronavirus dem normalen Ablauf einen Strich durch die Rechnung.

Strenge Corona-Auflagen

Aurora Mia Graziella Di Franco ist aufgrund der damit verbundenen Auflagen das einzige Kind, das an diesem Samstagnachmittag in der Liebfrauenkirche getauft werden darf. Es ist jedoch nicht die einzige Einschränkung. Damit der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten wird, ist auch die Besucherzahl abhängig von der Größe des Gotteshauses begrenzt. „Statt 400 Plätzen stehen in der Liebfrauenkirche nur 78 zur Verfügung. Sie sind entsprechend markiert“, so der Pfarrer, der schon als Jugendlicher in der Liebfrauenkirche gesungen hat und normalerweise zweimal im Monat zum Taufstein schreitet. „Zurzeit finden jedoch weniger Taufen statt. Viele Familien warten ab, bis die Corona-Beschränkungen wieder gelockert werden, weil sie die Taufe auch entsprechend feiern wollen.“

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