Zwei Foto: dpa/Uwe Anspach

Trotz leichtem Anstieg der Deliktzahlen, zeigte sich Cannstatts Polizei-Chef Jörg Schiebe bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik zufrieden mit der Entwicklung der Zahlen.

Bad Cannstatt - Nach einem leichten Rückgang 2018 hat die Anzahl der Straftaten in Bad Cannstatt im vergangenen Jahr wieder zugenommen. Mit insgesamt 99 Delikten allerdings in einem ziemlich überschaubaren Rahmen. „Die Zahl ist nicht besorgniserregend“, sagte Revierleiter Jörg Schiebe, als er die Kriminalitätsstatistik dem Bezirksbeirat präsentierte. Aus seiner Sicht sei positiv, dass sich seit einigen Jahren die Zahl der Straftaten auf einem konstanten Niveau eingependelt habe. „Was nicht heißen soll, dass es nicht sehr viel weniger sein dürften.“ Waren es 7581 im Jahr 2017, 7500 im Jahr 2018, so registrierte die Polizei im vergangenen 7599 Straftaten. Zum Vergleich: 2013, 2014 und 2015 lagen die Zahlen über der Marke von 9000 Delikten. „Die Entwicklung zeigt, dass die Arbeit der Polizei in vielen Bereichen Früchte trägt“, so Schiebe.

Die Schwerpunkte liegen laut dem Revierleiter ganz klar im Innenstadtbereich; und im Neckarpark, der jedes Jahr von etlichen Millionen von Menschen besucht wird. Bundesligaspiele, Konzerte, dazu noch das Volks- und das Frühlingsfest. „Das strahlt natürlich auch negativ auf die benachbarten Wohngebiete Veielbrunnen und Seelberg aus“, betont Jörg Schiebe. Und dass im Zentrum von Bad Cannstatt mehr Straftaten als in den Wohngebieten am Rande verübt werden, liege auf der Hand. Unterm Strich gut die Hälfte der fast 7600 Delikte wurden deshalb auch im Wasengebiet, dem Veielbrunnen und Seelberg sowie in Cannstatt-Mitte verzeichnet. In den übrigen 14 Cannstatter Stadtteilen gehe es – mehr oder weniger – ruhig zu. Wobei es immer wieder zu Ausreißern kommen würde – im positiven wie im negativen Sinn.

Zunahme bei Betrugsdelikten

Gab es beispielsweise im Muckensturm (minus 38 Prozent) und im Bereich der Pragstraße (minus 31 Prozent) jeweils einen großen Rückgang der Straftaten, so wurden in den eher beschaulichen Wohngebieten Steinhaldenfeld (plus 31 Prozent), Winterhalde (plus 32 Prozent) und Burgholzhof (plus 27 Prozent) ordentlich zugelegt. „In der Winterhalde gab es eine Serie von Fahrraddiebstählen und in Steinhaldenfeld viele Sachbeschädigungen an Fahrzeugen und etliche Betrugsdelikte“, sagte Schiebe, den eine Zahl aus seiner Statistik besonders freue. Und die betrifft den Themenkomplex Diebstahl und Einbruch. Hier trägt offenbar die massive Aufklärungsarbeit der Polizei Früchte, denn hier konnte die Gesamtzahl um 110 auf 1874 gesenkt werden. „Allerdings wird der Ton insgesamt rauer“. Und das nicht nur bei den sogenannten Rohheitsdelikten, die insgesamt gestiegen sind und mittlerweile bei 1565 Straftaten liegen.

Mehr Beamte werden beleidigt

Auch der Umgang mit den Polizeibeamten habe sich negativ entwickelt. 2019 insgesamt 518 Mal so übel, dass es zu einer Anzeige kam. Die Zahl wäre sogar noch viel höher, wenn sie nicht immer einmal in Auge zudrücken würden. Eine Zunahme mit 160 Straftaten gab es auch im Betrugsbereich, wo besonders eine Masche auf dem Vormarsch war: falsche Polizisten. „Keiner meiner Mitarbeiter würde jemanden darum bitten, ihm Geld, Schmuck oder andere Wertgegenstände auszuhändigen – aus welchen Gründen auch immer“, betonte der Revierleiter. Man könne es nicht oft genug sagen, doch leider fallen immer wieder – besonders ältere Menschen auf diesen üblen Trick herein. Während die Zahl der Drogendelikte ebenfalls zugenommen hat, so gab es weniger sexuelle Übergriffe. Dennoch liege die mit 133 immer noch sehr hoch.

Angesichts der Zahlen zeigte sich auch keine der Bezirksbeiratsfraktionen dazu verpflichtet, für eine Bereich Alarm zu schlagen. Zumal es laut Jörg Schiebe keine ausgemachten, neuen Hotspots gibt. Mit Spannung, so der Tenor, blicke man jetzt auf die Kriminalitätsbilanz für das Jahr 2020, denn das laufende Jahr steht wegen der Coronapandemie natürlich unter gänzlich anderen Vorzeichen. Vor allem was den Veranstaltungsort Neckarpark betrifft. So gut wie keine Großveranstaltungen mussten von der Polizei begleitet oder überwacht werden. Und dann, so das Meinungsbild des Bezirksbeirats, habe man endlich einmal ein realistisches Kriminalitätsbild von Bad Cannstatt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: