Mit dem Laptop können Seniorinnen und Senioren mit der Familie zum Beispiel über Videotelefonie sprechen. Foto: dpa/Andreas Gebert

Wegen des Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen setzen die Einrichtungen nun auf andere Wege, um Kontakt zwischen Bewohnern und Angehörigen herzustellen.

Bad Cannstatt - I m Kampf gegen das Coronavirus wurde für Alten- und Pflegeheime ein weitgehendes Besuchsverbot erlassen“ – Sätze wie dieser sind seit einer Woche auf Informationsschreiben an den Türen der Alten- und Pflegeheime in Bad Cannstatt zu lesen. Zweifellos eine noch nie dagewesene Zäsur. Doch die Maßnahme stößt auf Akzeptanz: „Noch ist das Besuchsverbot kein Problem für die Bewohner“, sagt etwa Bernd Kux, Leiter des Altenburgheims. Um die Angehörigen auch ohne persönlichen Kontakt auf dem Laufenden zu halten, informieren die Pflegekräfte die Familien derzeit telefonisch. Allerdings greifen viele der Bewohner auch selbst zum Hörer, nutzen teilweise sogar das Smartphone. Die meisten Angehörigen hätten Verständnis und seien einsichtig, sagt Kux. Weil aber trotz des Verbots, über das umfassend informiert wurde, immer wieder Besucher kamen, ist die Tür des Altenburgheims seit Montag verschlossen. „Raus kann man natürlich jederzeit. Wer rein will, muss aber klingeln“, sagt Kux. Der Heimleiter befürchtet, dass je länger das Verbot andauert, es umso schwerer für Bewohner und Angehörige werden könnte, ohne Besuch auszukommen.

„Viele fühlen sich allein gelassen“

Ähnlich sieht es auch Werner Schüle vom Stadtseniorenrat. Wenn die Leute mehrere Wochen keinen Besuch bekommen, könnte die Unzufriedenheit darüber zunehmen. „Viele fühlen sich dann vielleicht allein gelassen und leiden unter der Situation“, sagt er.

Zu schaffen macht das Besucherverbot auch den Angehörigen. „Sie gehen schwer damit um“, beschreibt Regine Fischer, Leiterin der Villa Seckendorff, die Situation. „Vor allem natürlich diejenigen, die häufig oder regelmäßig ihre Angehörigen besuchen.“ Dies sei sehr einschneidend und entsprechend werde auch reagiert. Ausnahmen beim Besuchsverbot können nur für nahe stehende Personen beispielsweise im Rahmen der Sterbebegleitung unter Auflagen zugelassen werden, heißt es im Erlass des Amtes für öffentliche Ordnung, das das Besuchsverbot am 13. März erließ.

Daher hat sich die Bruderhaus-Diakonie, die auch die Villa Seckendorff betreibt, zu einem außergewöhnlichen Schritt entschieden: Sie will die Kommunikationswege verbessern und den kontaktlosen Umgang ermöglichen. Wie? Indem die Möglichkeiten geschaffen werden mittels Skype, per Videotelefon, zu kommunizieren. „Wir sind gerade dabei, allen Angehörigen unserer Einrichtungen in Stuttgart – der Villa Seckendorff, dem Seniorenzentrum Schönberg und der Karl Olga Altenpflege – anzubieten, per Skype in Kontakt zu treten“, sagt Markus Bartl, Fachbereichsleiter Altenhilfe in der Bruderhaus-Diakonie. „Den persönlichen Besuch kann dies zwar nicht ersetzen, dennoch glauben wir, mit der Skype-Übertragung die Menschen etwas näher zusammenbringen zu können – trotz Besuchsverbots.“

Angehörige per Brief informiert

Alle Angehörigen der Einrichtungen bekommen einen Brief, in dem alles erläutert und erklärt wird, was zu tun ist und wie vorgegangen werden muss. Die Einrichtungen haben sich dazu Skype Tablets angeschafft. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter leistet dem Bewohner in der Einrichtung technische Unterstützung. Auch die soziale Betreuung wurde intensiviert. Es wird zudem arrangiert, dass Angehörige Sachen abholen oder bringen können – ohne direkten Kontakt. „Das machen wir möglich“, so Regine Fischer. Gesorgt wird auch für Menschen im betreuten Wohnen. Mit der Nachbarschaftshilfe wird Kontakt aufgenommen, um Besorgungen zu machen. „Die meisten unserer Mieter im betreuten Wohnen haben wohl schon ein privates Netzwerk gebildet, dieses Angebot zeigt die große Solidarität in diesen Zeiten“, beschreibt Bartl.

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