Foto: Uli Nagel

Am Donnerstag wird der Marga-von-Etzdorf-Platz, der zwischen dem Alten Zollamt und dem Stadtarchiv liegt, eingeweiht. Er gilt als Bürgertreff und Zentrum des Quartiers.

Bad Cannstatt - Die Aufsiedelung des ehemaligen Güterbahnhof-Areals ist bald um einen Meilenstein reicher. Am Donnerstag soll der neue Quartiersplatz zwischen Altem Zollamt und Stadtarchiv offiziell eingeweiht werden. Seinen Namen hat er schon vor zwei Jahren erhalten. Patin stand die einstige Pilotin Marga von Etzdorf (siehe Hintergrund). Während der benachbarte Veielbrunnenpark, der bereits 2016 eröffnet wurde, vornehmlich zur Naherholung gedacht ist, hat der künftige Quartiersplatz andere Funktionen. Hier sollen einmal Veranstaltungen stattfinden. Zusammen mit Schule, Kita, Bürgertreff – alle Einrichtungen entstehen in der Nachbarschaft – wird der Platz das künftige Zentrum des neuen Cannstatter Wohn- und Gewerbequartiers.

Allein die Fläche vor dem Stadtarchiv misst an der breitesten Stelle etwa 70 Meter und ist 6300 Quadratmeter groß. Der nördliche Teil beim sogenannten Seelbergdurchlass umfasst etwa 2100 Quadratmeter, der geplante Bolzplatz unterhalb des Grünzugs entlang der Bahngleise rund 1700 Quadratmeter. Diese Freizeit und Sportfläche muss allerdings erst noch gebaut werden.

Drei Bereiche sind vorgesehen: einmal der Bolzplatz mit Toren, zwei Basketballkörben, Sitzgelegenheiten und einem fünf Meter hohen Ballfangzaun an drei Seiten, die Seite zum Bahndamm bleibt offen. Dann eine Spiellandschaft mit Kletterfelsen, Sport- und Fitnessgeräten für mehrere Generationen und schließlich Grünflächen. Vereinzelt platzierte Bäume sollen den Nutzern im Sommer Schatten spenden. Die Kletterfelsen sind aus Beton und werden vor Ort gestaltet. Als Sportgeräte sind eine Hangelleiter, ein Barren und eine Hochsprungstation vorgesehen. Die Spielgeräte sind laut Stadtverwaltung mit dem Kinder- und Familienzentrum sowie der Bürgerinitiative abgestimmt.

Kosten in Höhe von mehr als vier Millionen Euro

Gut 4,1 Millionen Euro hat die Stadt für den neuen Quartiersplatz in die Hand genommen. Da das Sanierungsgebiet Veielbrunnen jedoch nachträglich erweitert worden ist, erhält die Stadt Stuttgart Fördermittel für ein Projekt, das insgesamt mehr als sechs Millionen Euro kostet. Der Grund: die neu gebaute Hanna-Henning-Straße (eine Million Euro), Maßnahmen für die Abwasserwärmegewinnung (rund 390 000 Euro) und Kanalbauten (760 000 Euro). Was bei diesem Bauvorhaben positiv war: Die Bewohner des Veielbrunnens waren erneut sehr eng in die Planung eingebunden und etliche Ideen und Wünsche sind in das Platzkonzept eingeflossen. Auch der Vorschlag, an dieser Stelle einen multifunktionalen Platz zu bauen, der von den Anwohnern „bespielbar“ ist.

Ein Problem ist jedoch seit 13 Jahren ungelöst: der Seelbergdurchlass. Pesch & Partner, Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs für das Güterbahnhof-Areal, hatten 2007 vorgeschlagen, auf Höhe der Wendefläche einen neuen Durchgang durch den Bahndamm zu bauen. Doch eine erste Machbarkeitsstudie zeigte damals schnell: Ein neuer Tunnel ist nicht nur bautechnisch schwierig, sondern auch teuer. Wie teuer, das wurde dem Bezirksbeirat 2009 durch einige Studentenentwürfe aufgezeigt. Denn zwei Varianten befassten sich ebenfalls mit einer neuen, gut 110 Meter langen Röhre. Allein die Vortriebskosten würden mit fünf Millionen Euro zu Buche schlagen. Alles in allem haben die Studenten für einen Tunnelneubau elf Millionen Euro berechnet.

Problem mit der Anbindung an die Deckerstraße

Der damalige Stadtplaner Heinz Sonntag ging sogar noch einen Schritt weiter und sprach von mindestens 20 Millionen Euro. Denn allein eine barrierefreie Anbindung an der Deckerstraße, heute gibt es dort eine Treppe und eine etwa 40 Meter lange, steile Rampe, könne mit dem Bau eines Aufzuges schnell einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen. Doch von einem Aufzug rät die Stadtverwaltung mittlerweile ab, es fehle die „soziale Kontrolle“ an dem abgelegenen Ort und es bestehe die Gefahr, dass der Aufzug öfters defekt als funktionstüchtig wäre. Die Stadt Stuttgart weiß um die Problematik und hat eine weitere Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. In welcher Form die Bahn mit ins Boot genommen werden kann und muss, steht ebenfalls noch in den Sternen. Denn ihr gehören die Gleisanlagen über dem „fürchterlichen Tunnel“.

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