Die Banden kombinieren mittlerweile die Betrugsmaschen, gaukeln den Opfern verschiedene Rollen vor. Foto: dpa/Martin Gerten

85-Jährige hatte fünfstelligen Betrag schon aus einem Bankschließfach geholt.

Bad Cannstatt - Pflegen Sie den Kontakt zu Ihren Nachbarn – für mehr Lebensqualität und Sicherheit. Diesen Tipp gibt die Polizei zum Schutz vor Einbrechern. Dass eine aufmerksame Nachbarschaft jedoch noch weit mehr kann, zeigt der jüngste Fall aus Bad Cannstatt. Dort konnte am Montag ein Trickbetrug gerade noch verhindert werden.

Unbekannte zogen einmal mehr ihre perfide, aber mittlerweile schon übliche Masche ab und schlüpften am Telefon in verschiedene Rollen. Das Ziel: die Ersparnisse einer 85-Jährigen. Sie erhielt zunächst gegen 10.30 Uhr einen Anruf eines vermeintlichen Bankmitarbeiters. Dieser forderte die Frau auf, aus Sicherheitsgründen ihr Bankschließfach zu leeren und anschließend den Inhalt an einen „Polizisten“ zu übergeben. Wahrscheinlich um der Forderung Nachdruck zu verleihen, leitete der angebliche Bankangestellte den Anruf an einen Komplizen weiter. Dieser gab sich als Polizeibeamter aus, der die Forderung wiederholte. Die stark verunsicherte 85-Jährige ging daraufhin zu ihrer Bank und holte aus ihrem Schließfach mehrere zehntausend Euro Bargeld.

Betrüger sichern sich ab

Zuhause kamen der Frau jedoch Zweifel. Sie wandte sich daher an ihre 63 Jahre alte Nachbarin und deren Lebensgefährten. Diese erkannten den Betrug, reagierten richtig und alarmierten umgehend die Polizei. Die Beamten nahmen daraufhin die Ermittlungen auf, traten auch mit den Tätern in Kontakt, jedoch fand keine Übergabe statt. Ein Problem: Die Betrüger sichern sich ab. Eine beliebte Vorgehensweise, um nicht aufzufliegen, sei das Telefonat aufrechtzuhalten, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann. „Selbst, wenn die Angerufenen zur Bank gehen, um ihr Erspartes abzuholen, sollen sie nicht auflegen.“ Außerdem würden die Opfer eingeschüchtert. So sehr, dass sie nicht einmal mehr echten Angestellten in der Bank oder gar Polizisten Vertrauen schenken würden. „Sobald die Betrüger jedoch nur den geringsten Verdacht schöpfen, sind sie weg.“ Bevor sie etwas riskieren, würden sie ihr Opfer lieber vom Haken lassen – und sich ein neues suchen.

Rund 40 Anrufe an einem Tag

Allein im Laufe des Montags meldeten sich rund 40 Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Stuttgarter Stadtgebiet bei der Polizei und gaben an, dass sie falsche Beamte kontaktiert hätten. Etliche ähnliche Anzeigen gingen auch beim Polizeirevier Fellbach ein. Nach derzeitigem Stand blieb es in allen Fällen beim Versuch. Oft genug haben die Täter jedoch Erfolg. Im November 2019 wurde eine 85 Jahre alte Frau aus Bad Cannstatt um einen sechsstelligen Geldbetrag, Schmuck und andere Wertsachen gebracht, im vergangenen August nahmen die Betrüger einem 84 und 90 Jahre alten Pärchen aus Degerloch ebenfalls über 100 000 Euro ab. Vor zwei Wochen waren Unbekannte in Mühlhausen erfolgreich und erleichterten einen 67-Jährigen um einen fünfstelligen Geldbetrag.

„Die Zahl der Betrugsfälle war schon im vergangenen Jahr sehr hoch und wird 2020 auf einem ähnlichen Niveau sein“, sagt Ackermann. „Wenn sie nicht gar getoppt wird.“ Nach einer extremen Häufung im Januar und Februar sei im Sommer etwas Ruhe gewesen. „Derzeit muss jedoch wieder davon ausgegangen werden, dass die Anrufe auch in den nächsten Tagen anhalten werden.“ Die Polizei warnt daher eindringlich vor den Trickbetrügern.

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