An der Küste von Lesbos türmen sich die Schwimmwesten der Geflü Foto: privat

Marion Hermann-Röttgen setzt sich für Geflüchtete ein und hat Kontakt zu Helfern vor Ort. Benefizkonzert am vergangenen Sonntag im Kursaal.

Bad Cannstatt - Seit dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos am 9. September hat sich die ohnehin schon verheerende Lage der Menschen dort verschlimmert. Als „miserabel und unzumutbar für Geflüchtete und Einheimische“, beschreibt die Literaturwissenschaftlerin und Logopädin Marion Hermann-Röttgen die Situation auf Lesbos. Um auf das Schicksal der Menschen aufmerksam zu machen und sie zu unterstützen, hat die Cannstatterin in Kooperation mit dem Förderverein für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart am vergangenen Sonntag im Kursaal ein Benefiz-Konzert veranstaltet. Durch Vorträge, Rezitationen griechischer Autoren wie Konstantinos Kavafis, Giorgos Seferis und Giannis Ritsos sowie Musik wurde die aktuelle Lage auf Lesbos sowie die Kunst- und Kulturgeschichte Griechenlands dargestellt.

Hermann-Röttgen war im Frühjahr 2019 im Rahmen eines Forschungsprojekts auf Lesbos, konnte sich ein Bild vor Ort machen. Untergebracht waren die Wissenschaftler in einem Hotel östlich der Hafenstadt Mytilini. Dort, wo 2015 Tausende Geflüchtete am Tag angekommen sind. Einige von ihnen wurden im Lager im Ortsteil Moria untergebracht. „Angesichts des Leides der ‚Fremden’ und der durch den Zusammenbruch jeden Tourismus‘ entstandenen Not, haben die Einwohner von Lesbos alle Kraft verloren und fühlen sich von Europa verlassen“, sagt Hermann-Röttgen.

Die Zustände im Lager in Moria seien im Frühjahr 2019 sehr schlecht gewesen. Die Menschen lebten auf engstem Raum, hätten keine Aufgabe und erhebliche Verständigungsprobleme. Denn sie sprechen häufig weder Englisch noch Griechisch, sondern Arabisch, das wiederum die Einheimischen nicht sprechen.

Zugleich seien aber auch die Griechen bis an die Grenze „ihrer psychischen, physischen und finanziellen Kräfte“ gegangen. Seit etwa fünf Jahren versuchen sie, den Geflüchteten zu helfen. „Die Griechen sind ein ungewöhnlich gastfreundliches Volk, für das es unerträglich ist, aus eigener Not die ‚Fremden’ in einem Lager von sich fernhalten zu müssen“, sagt Hermann-Röttgen. Trotz ihrer eigenen, schwierigen Lage, gebe es zahlreiche Einheimische, die Geflüchtete unterstützen. Die Besitzer des besagten Hotels etwa hätten es sich zur Aufgabe gemacht, den Bewohnern des Camps in Moria zu helfen. Vor Ausbruch der Corona-Pandemie hätten sie Kinder aus dem Lager einmal in der Woche mit einem Kleinbus an den Strand gefahren, um für Abwechslung zu sorgen. Seit ihrem Aufenthalt hat Hermann-Röttgen Kontakt zu Einheimischen, die sich für die Geflüchteten einsetzen. Etwa der Verein Lesvossolidarity, der das Pikpa-Camp in der Nähe von Mytilini gegründet hat. Hier sind besonders Schutzbedürftige in Holzhütten untergebracht. Das Camp soll jedoch bis 31. Oktober geschlossen werden. Auch ein anderes Projekt des Vereins liegt Hermann-Röttgen am Herzen: das Mosaik Support Center, das unter anderem Sprachunterricht in Englisch oder Griechisch anbietet. Diese Projekte möchte sie mit den Spenden, wie denen aus dem Benefizkonzert, unterstützen.

Spendenkonto: Förderverein für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart IBAN DE78 6009 0100 0154 1440 02.

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