Einiges ist auf der Neckarinsel schon vorhanden: etwa eine Wiese mit schattenspenden Bäumen. Foto: /Sebastian Gall

Mit dem Masterplan „Erlebnisraum Neckar“ hat die Stadt vor einiger Zeit die Entwicklung des Neckars zu einem nutzbaren Raum für die Bürger angestoßen. Der Verein Stadtlücken plant einen neuen Vorstoß: Sie wollen die Neckarinsel – die Mittelmole der Schleuse unter der König-Karls-Brücke – der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Bad Cannstatt - Der Neckar ist in der Sauerwasserstadt zwar allgegenwärtig, so richtig zugänglich ist er allerdings nicht. Mit dem Masterplan „Erlebnisraum Neckar“ hat die Stadt vor einiger Zeit die Entwicklung des Neckars zu einem nutzbaren Raum für die Bürger angestoßen. Manche Projekte, wie etwa der Hechtkopf, befinden sich schon in Arbeit, andere werden erst im nächsten Jahrzehnt realisiert. Manchen dauert das zu lange. Der Verein Stadtlücken, der sich für die Entwicklung des Österreichischen Platzes unter der Paulinenbrücke in der Stuttgarter Stadtmitte verantwortlich zeigt, plant einen neuen Vorstoß. Sie wollen die Neckarinsel – die Mittelmole der Schleuse unter der König-Karls-Brücke – der Öffentlichkeit zugänglich machen.

„Ich bin über mein Architekturstudium mit dem Neckarknie und dadurch auch mit der Neckarinsel in Berührung gekommen“, sagt Christine von Raven, Stadtlücken-Mitglied und Initiatorin der Idee innerhalb des Vereins. Sie habe an einem freien Entwurf gearbeitet und dabei viele coole Orte entdeckt – auch über Google-Maps-Recherchen. Im Verein hat sich direkt ein Team gebildet, das Lust hatte, mitzumachen. In der Zwischenzeit habe sie das Areal schon besucht und auch mit vielen involvierten Akteuren gesprochen. Dazu gehören das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) – da der Neckar eine Bundeswasserstraße ist – sowie das Stuttgarter Stadtplanungsamt. „Bei den zuständigen Stellen ist man schon sehr offen gegenüber unserer Idee“, so von Raven. Aus dem Schifffahrtsamt habe sie zudem gehört, dass sich schon viele Leute bezüglich der Mole gemeldet hätten. Auch beim Stadtplanungsamt sei man von der Idee angetan. „Sie fänden es spannend, wenn dort etwas passieren würde.“ Das Amt habe die Insel auch selbst schon in ihre Planungsideen bezüglich des Neckarknies miteinbezogen.

Eine der schwierigsten Aufgaben bei der Nutzbarmachung der Insel wird sein, einen Zugang zu schaffen. „Da können wir uns eine provisorische Treppe von der König-Karls-Brücke hinunter vorstellen“, sagt die Architektin. Bisher ist sie nur über einen Steg von der Schleuse aus zugänglich. Eine weitere Idee: Sollte die Rosensteinbrücke im Jahr 2021 aufgrund der Fertigstellung der neuen Neckarbrücke ihren Dienst aufgeben, und, wie unter anderem vom Cannstatter Grünen-Bezirksbeirat Peter Mielert befürwortet, als Fuß- und Radweg sowie als Parkanlage dienen, könnte auch von dort ein Zugang geschaffen werden. Zudem müssten rund herum Geländer angebracht werden, um die Gäste vor dem Schleusenverkehr zu schützen.

„Wir hätten gerne schon erste kleine Aktionen auf der Neckarinsel gestartet, leider ist das derzeit nicht möglich“, sagt von Raven. Corona macht den Planungen auch hier einen Strich durch die Rechnung. Was man plant: Eine „Critical Boat Mass“. Angelehnt an die Critical Mass, bei der im monatlichen Rhythmus Tausende Fahrradfahrer gemeinsam durch die Stadt fuhren, sollen Ruderer, Kanuten und sonstige Bootfahrer zusammen kommen. Denn Ruderer und Kanuten sind die einzigen, die die Mole bisher betreten dürfen. Sie überwinden die Schleuse darüber. Außerdem ist die offene Gesprächsreihe „Einmal im Monat“, die auch schon im Stadtteilzentrum auf dem Hallschlag stattfand, dort geplant. „Ein Träum wäre es, wenn die Neckarinsel ein Ort werden könnte, wo alle Institutionen und Einzelpersonen, die sich zum Neckar informieren oder ein eigenes Projekt dort starten wollen, zusammen kommen und sich austauschen können.“