Carolin Patzak und Lisa Veyhl (rechts) wollen mit ihrer Aktion „#0711BonusChallenge“ unter anderem Gastronomen in Stuttgart unterstützen. Foto: (z)

Carolin Patzak und Lisa Veyhl wollen Stuttgarter animieren, ihre Bonuszahlungen zu spenden.

Bad Cannstatt - Am 22. März 2020 wurde vielen Künstlern, Kulturschaffenden und Gastronomen in Deutschland der Stecker gezogen. Von heute auf morgen brach ihnen die Existenzgrundlage weg. Mehr als ein Jahr später hat sich die Lage nicht verbessert. Ganz anders sieht es in großen Unternehmen aus. Nach der kurzen Unterbrechung im ersten Lockdown brummt die Wirtschaft mittlerweile wieder. Egal ob Bosch, Porsche oder Daimler – auch in der Krisenzeit erhalten MitarbeiterInnen Bonuszahlungen.

Bei einem Corona-Spaziergang durch den Rosensteinpark haben Carolin Patzak und Lisa Veyhl über die aktuelle Lage, die entstandenen Nöte und eben über diese Diskrepanz diskutiert. „Wir teilten das frustrierende Gefühl, nichts beitragen zu können.“ Je länger sie durch die Grünanlage gingen, umso mehr wuchs der Gedanke in ihnen, es nicht dabei belassen zu wollen.

Herausgekommen ist die „#0711BonusChallenge“. Die beiden Cannstatterinnen rufen MitarbeiterInnen großer Unternehmen dazu auf, ihre Bonuszahlungen oder einen Teil ihrer Erfolgsprämie zu spenden. „Aktuell gibt es viele tolle Initiativen aus der Zivilgesellschaft, die sich für ein lebenswertes Stuttgart einsetzen. Mit den überraschend ausgezahlten Bonuszahlungen sehen wir großes Potenzial, um diesem Engagement einen kräftigen Schub zu verleihen“, sagt Lisa Veyhl. „Wir haben das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Stuttgart schon viele Jahre in vollen Zügen genossen und möchten gerne weiterhin in einer vielfältigen Stadt leben und mit dieser Aktion dazu aufrufen, gemeinsam für unsere Stadt Verantwortung zu übernehmen. Lasst uns zusammen ein Zeichen setzen für die Lebendigkeit und den Zusammenhalt in unserer Stadt“, so die 35-Jährige weiter.

Fünf Organisationen zur Auswahl

Mittlerweile haben Lisa Veyhl und Carolin Patzak eine Homepage aufgesetzt, auf der fünf verschiedene Organisationen berücksichtigt sind. Eine weitere könne noch vorgeschlagen werden. „Wer mitmachen will, kann sich dort seine Lieblingsinitiative raussuchen. Über den jeweiligen Button gelangt man direkt auf die Website der entsprechenden Organisation, um dort zu spenden.“ Wichtig sei, dass bei jeder Unterstützung auf die „#0711BonusChallenge“ verwiesen wird – im Verwendungszweck oder als Mitteilung. „Die Organisationen werden uns regelmäßig die eingegangenen Gesamtsummen zurückmelden“, sagt Patzak, die betont, dass kein Geld bei den beiden Initiatorinnen der Challenge landet. „Wir agieren als Privatpersonen, haben die Aktion komplett ehrenamtlich auf die Beine gestellt.“

216 600 Euro anvisiert

Besonder schwergefallen sei den Initiatorinnen die Auswahl der vorgestellten Organisationen. Letztlich seien die beiden Aspekte „Lebendigkeit“ und „Zusammenhalt“ besonders wichtig gewesen. „Kulturangebote, Bars, Cafés und Kinos machen unsere Stadt lebenswert und wir wollen, dass sie uns auch weiterhin das Leben versüßen. Außerdem möchten wir StuttgarterInnen unterstützen, die die aktuelle Situation besonders schwer getroffen hat“, sagt Lisa Veyhl, die selbst im gemeinnützigen Sektor arbeitet und gerne auch noch KrankenpflegerInnen in die Liste aufgenommen hätte. „Sie sind zurzeit schließlich Tag und Nacht für uns im Einsatz. Leider ist es uns in der Kürze der Zeit nicht gelungen, einen Weg zu finden, diese Gruppe einzubeziehen“, fügt Carolin Patzak hinzu, die betont, dass die Challenge vorerst bis zum 6. Juni laufen soll. „Wir hoffen, dass wir bis dahin unser gesetztes Spendenziel erreichen.“ 216 600 Euro sind anvisiert. Diese ungewöhnliche Gesamtsumme habe man absichtlich ausgewählt „Sie stellt ein kleines Rätsel dar, das wir im Verlauf der Challenge auflösen wollen.“ Einen Lösungshinweis gibt es auf der Homepage.

Eine erste Spenderin haben sie indes schon gefunden: Carolin Patzak selbst. Die 30-Jährige arbeitet beim Industrieunternehmen Trumpf in Ditzingen und hat im April einen Corona-Bonus bekommen. „Das war auch Ausgangspunkt dieser Challenge. Ich denke, für uns alle ist es ein positives Zeichen, dass die Wirtschaft wieder überwiegend optimistisch in die Zukunft blickt. Schließlich hängt der materielle Wohlstand unserer Gesellschaft stark davon ab. Nach wie vor ist aber die Situation für viele in unserer Region finanziell kritisch und schwer tragbar. Mit meiner Spende möchte ich zeigen, dass ich dies wahrnehme und ihnen meine Wertschätzung ausdrücken. Denn nur wir alle zusammen, als Gemeinschaft, können eine lebendige und lebenswerte Stadt gestalten. Daher: Macht mit, mein Bonus ist schon verteilt!“

www.0711bonuschallenge.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: