Spontan die Wilhelma besuchen, ist zurzeit nicht drin. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Trotz Jahreskarte wurde die Rentnerin zunächst abgewiesen, weil sie nicht online reserviert hatte.

Bad Cannstatt - Knapp zwei Monate hatte die Wilhelma aufgrund der Corona-Pandemie im Frühjahr geschlossen – erstmals in der Geschichte des zoologisch-botanischen Gartens. Mit den Lockerungen kehrte langsam wieder Normalität im Tierpark ein, Einlass wird Besuchern aber nach wie vor nur nach vorheriger Online-Anmeldung gewährt.

Ende der Ferien abgewartet

Doch was tun, wenn man über kein Internetzugang verfügt und dennoch den Zoo besuchen will? Genau diese Frage stellte sich eine 90 Jahre alte Frau vor wenigen Tagen. „Ich besitze kein Smartphone oder Computer, habe auch keine Enkel, die für mich ein Ticket reservieren könnten.“ Um dennoch mal wieder in die Wilhelma zu kommen und einen Blick auf ihre Lieblingstiere zu bekommen, habe sie bewusst abgewartet, bis die Ferien zu Ende sind. „Außerdem bin ich unter der Woche hin, dann ist ja weniger los.“ Was sie dann erlebte, verschlug der Seniorin, die seit drei Jahrzehnten eine Jahreskarte hat, die Sprache. „Insgesamt standen fünf Wilhelma-Mitarbeiter am Eingang und teilten mir mit, dass sie nicht reinkommt, da ich mich vorher nicht angemeldet habe.“

Große Verärgerung

Ihre Jahreskarte sei zwar überprüft worden, den Eintritt habe man ihr dennoch zunächst verwehrt. Erst als sie drohte, diesen Vorfall der Zeitung zu melden, durfte sie die Wilhelma betreten. Sie entschloss sich schließlich dennoch zu dem Schritt. „Meine Verärgerung ist einfach zu groß. Ich finde es diskriminierend, wie Personen meines Alters abgewiesen werden“, sagt die Rentnerin.

Florian Pointke, Sprecher des zoologisch-botanischen Gartens, bedauert, dass sich die Frau falsch behandelt gefühlt hat. „Wir haben allerdings aktuell keine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung für dieses Problem. Es ist für uns zwingend erforderlich, im sehr beengten Eingangsbereich keine Menschenansammlungen zu generieren. Aktuell steigen die Corona-Zahlen wieder und es steht deswegen auch noch nicht in Aussicht, wann wir wieder eine Kasse öffnen können.“

Besucher kommen geballt

Im Gegensatz zu manch anderer Kultureinrichtung sei das Besucheraufkommen in der Wilhelma oftmals sehr hoch. „Unsere Besucher kommen zudem in der Regel geballt, weswegen wir die Zeitfensterregelung einführen mussten. Das Online-Ticketing auch für Jahreskartenbesitzer ist deswegen leider nicht zu umgehen. Bisher halten sich auch die Fälle, die an uns herangetragen werden, in Grenzen. In der Regel versuchen wir hier zu beraten und auch gemeinsam Lösungen zu finden. Oftmals gibt es Verwandte und Bekannte, die helfen können und ein Ticket für einen Besuch in der Wilhelma reservieren“, so Poinkte. Wie es sich in diesem konkreten Fall zugetragen habe, könne er natürlich schlecht beurteilen. „Im Grunde ist dies als Ausnahme zu sehen, dass die Frau dennoch eingelassen wurde. Selbstverständlich sind wir auch weiterhin auf der Suche nach einer praktikablen Lösung und prüfen zudem noch, wie und unter welchen Umständen sich eine Kasse öffnen ließe.“

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