Der hohe Lebensstandard, die gute Gesundheitsversorgung und die lange Friedenszeit seit Ende des Zweiten Weltkriegs tragen zu hohem Alter bei. Foto: dpa/Oliver Berg

Neugeborene Jungen haben eine Lebenserwartung von 80,5 Jahren, Mädchen von 84,9 Jahren.

Bad Cannstatt - Die Menschen in Stuttgart werden immer älter. Im November hat beispielsweise eine Dame ihren 106. Geburtstag gefeiert. Wie alt die älteste Stuttgarterin oder der älteste Stuttgarter genau ist, kann aus Datenschutzgründen von der Verwaltung nicht bekannt gegeben werden. „Das Statistische Amt ist an das Landesstatistikgesetz gebunden. Auskünfte zu Einzelfällen sind demnach nicht möglich“, sagt Anna Sendler, Sprecherin der Stadt.

Die Anzahl der Menschen, die mindestens hundert Jahre alt sind, steigt, wie ein Blick auf die Statistik zeigt: Ende 2019 waren 126 Einwohner im Alter von 100 Jahren oder älter in Stuttgart gemeldet, mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2000. Darunter waren Ende vergangenen Jahres 88 Prozent Frauen. Der hohe Frauenanteil hängt zwar auch mit einer insgesamt höheren Lebenserwartung von Frauen zusammen, hat aber noch andere Ursachen: Zwei Weltkriege haben deutlich mehr männliche als weibliche Todesopfer gefordert. Der Anteil der über 100-Jährigen an der Gesamteinwohnerzahl liegt in Stuttgart über dem internationalen Durchschnitt. Gründe dafür sind der hohe Lebensstandard, die gute Gesundheitsversorgung und die lange Friedenszeit seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Der Altersdurchschnitt der Stuttgarter Bevölkerung beträgt 42,2 Jahre. Dieser Wert ist in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls angestiegen. 1975 betrug das Durchschnittsalter der Stuttgarter Bevölkerung 38,8 Jahre, im Jahr 2000 waren es 41,7 Jahre.

Angesichts der beschriebenen Entwicklung ist es naheliegend, dass auch die statistisch ermittelte, durchschnittliche Lebenserwartung von Neugeborenen steigt: Ein Junge, der heute in Stuttgart auf die Welt kommt, kann auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von 80,5 Jahren hoffen, ein neugeborenes Mädchen auf 84,9 Jahre. Dies geht aus Berechnungen des Statistischen Landesamts für den Zeitraum 2017 bis 2019 hervor. Die Landeshauptstadt belegt damit innerhalb Baden-Württembergs den 6. Platz. Die höchste Lebenserwartung haben Neugeborene in Heidelberg.

In Baden-Württemberg insgesamt beträgt die statistisch ermittelte Lebenserwartung bei neugeborenen Jungen 79,8 Jahre, die von Mädchen 84,2 Jahre. Damit liegt die Lebenserwartung Neugeborener heute um knapp zehn Jahre bei den Frauen – beziehungsweise um gut elf Jahre bei den Männern – höher als Anfang der 1970er-Jahre. Damals betrug die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt 68,5 Jahre für Jungen und 74,5 Jahre für Mädchen. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich der Unterschied bei der Lebenserwartung zwischen Frauen und Männern verringert. Damals lebten die Frauen im Schnitt 6,4 Jahre länger als Männer, derzeit sind es 4,4 Jahre.

Die steigende Lebenserwartung ist auch auf die deutlich verringerte Säuglingssterblichkeit zurückzuführen. Diese ist auf etwa ein Siebtel des Standes von 1970/72 zurückgegangen.

Baden-Württemberg hat seit Beginn der 1970er-Jahre im bundesweiten Vergleich regelmäßig die höchste Lebenserwartung Neugeborener. Im Zeitraum 2017 bis 2019 lag die Lebenserwartung neugeborener Mädchen in Deutschland bei 83,4 Jahren, die der Jungen bei 78,6 Jahren. Damit haben baden-württembergische Jungen bei der Geburt die Aussicht auf eine um 14 Monate höhere Lebenserwartung als im Bundesdurchschnitt, bei den Mädchen sind es 10 Monate mehr. Verglichen mit den Bundesländern mit der geringsten Lebenserwartung leben Baden-Württembergerinnen im Schnitt 2 Jahre länger. Frauen aus dem Saarland dagegen haben mit 82,2 Jahren die im bundesweiten Vergleich geringste Lebenserwartung. Baden-Württemberger leben 3 Jahre und 5 Monate länger als Männer aus Sachsen-Anhalt, deren Lebenserwartung beträgt 76,4 Jahre.

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