CO2-Ampeln sollen anzeigen, wie gut die Luft in einem Raum ist. In der Bildergalerie zeigen wir Ergebnisse einer Simulation der Uni Stuttgart. Foto: factum

Eine Modellrechnung der Uni Stuttgart zeigt, wie schwierig es ist, Innenräume Corona-konform zu lüften. Wo genau liegt das Problem? Und: Können CO2-Ampeln helfen?

Stuttgart - Carsten Mehring war eigentlich froh. Bevor der Teil-Lockdown Präsenzveranstaltungen unmöglich machte, hatte der Professor für seine Vorlesung einen Hörsaal zugeteilt bekommen: Das sogenannte Provisorium in der Breitscheidstraße, das viele Studierende der Uni Stuttgart kennen dürften. Ehe Mehring sich mit den 32 unter Corona-Bedingungen zugelassenen Studierenden in die Vorlesung begab, wollte der Leiter des Instituts für Mechanische Verfahrenstechnik wissen, wie es um die Frischluftzufuhr im Hörsaal beschaffen ist. Also tat der Professor, was er sonst auch tut – und erstellte gemeinsam mit drei Kollegen ein virtuelles Rechenmodell, mit dem er die Luftströmung im Hörsaal simuliert.

Der ausgewiesene Raum hat kein Fenster, die frische Luft fällt aus Düsen gewissermaßen von der Decke. So wird die Luft im Hörsaal aber eher verwirbelt: Die Simulation der Uni Stuttgart zeigt, dass Aerosole sich über den ganzen Raum verteilen – und damit möglicherweise auch Coronaviren.

Corona-konforme Veranstaltungen – schwierig

Die Ergebnisse werfen kein gutes Licht auf Corona-konforme Veranstaltungen in geschlossenen Räumen – zumindest sofern sie kein modernes Belüftungssystem haben. Untersuchungen der TU Berlin zum selben Thema gehen genau davon aus. Die dortigen Forscher hatten im Sommer gezeigt, dass die Luft etwa in Kinosälen mit einer sogenannten Quellbelüftung relativ gut ist, weil dort frische Luft am Boden einströmt und die wärmere Atemluft nach oben abzieht.

„Die Abstandsregeln einzuhalten und Angaben zur Luftumwälzung reichen nicht aus, um zu beurteilen, ob ein Raum für Corona-konforme Veranstaltungen geeignet ist“, interpretiert Carsten Mehring seine Ergebnisse, „man muss wissen, wie sich die Luft im Raum verteilt“. Der Stuttgarter Forscher hat in diesem konkreten Fall zwar einen geschlossenen Raum ohne Fenster betrachtet. Grundsätzlich gelte die Aussage aber beispielsweise auch für Klassenzimmer.

Schulen: CO2-Ampel als Hilfsmittel

Nun kann man nicht für jeden Raum eine Strömungssimulation erstellen. Im laufenden Schuljahr behelfen sich Lehrer mit selbst gebauten CO2-Ampeln oder entsprechenden Geräten kommerzieller Hersteller. Sie ermitteln den CO2-Gehalt der Luft, der auch Hinweise auf die Aerosolbelastung und damit wiederum die Ansteckungsgefahr liefert.

Es sei gut möglich, dass über geöffnete Fenster ein guter Luftaustausch erzeugt wird, sagt Carsten Mehring. CO2-Ampeln können helfen, das zu überprüfen. Sofern nicht mehrere Geräte zur Verfügung stehen, sollte der Ort im Raum gesucht werden, wo die Luft auch bei geöffnetem Fenster am schlechtesten ist. An dieser Stelle, empfiehlt Mehring, müsste die CO2-Ampel aufgestellt werden. Dasselbe gelte für die ebenfalls in einigen Räumen eingesetzten mobilen Luftfilter. Das sei zwar keine ganz neue Erkenntnis. aber von den Herstellern teilweis gegebene Hinweise „werden nicht unbedingt von den Nutzern berücksichtigt“.

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