Foto: Zarya Maxim - stock.adobe.com

Der Zeitraum der Spielabsetzungen wegen der Corona-Krise ist unterschiedlich – Was geschieht mit Auf- und Abstieg in den Sportarten?

Bad Cannstatt - Die Überraschung über die Einstellung des Fußball-Spielbetriebs in Stuttgart bis (vorerst) zum 31. März auf Grund der Corona-Krise kam für viele hiesige Klubs nicht überraschend. „Damit haben wir gerechnet“, sagt Markus Treyz, der Trainer von Grün-Weiss Sommerrain. Als die Mitteilung kam, habe man sich auch entschlossen, den Trainingsbetrieb erst mal ruhen zu lassen. „Eine richtige und vernünftige Entscheidung“, sagt denn auch Michael Spörer, der Vorsitzende des Fußball-Bezirks Stuttgart. Anscheinend aber nicht für alle auf den ersten Blick nachvollziehbar, schließlich hätten den Bezirksvorsitzenden Anrufer erreicht, „die wissen wollten, ob man weiter trainieren könne“. Keineswegs em­pfiehlt dies auch der Württembergische Landessportbund. Dessen Präsident An­dreas Felchle legt den Vereinen die Einstellung des Trainingsbetriebs dringend ans Herz. „Der Schutz der Gesundheit hat oberste Priorität. Deshalb sollten alle Sportvereine einheitlich vorgehen und unabhängig von den Empfehlungen der örtlichen Behörden auch ihren Trainingsbetrieb bis zum 19. April absagen“, sagt Felchle.

Bei sämtlichen Jugendmannschaften der HSG Oberer Neckar und der HSG Cannstatt-Münster-Max-Eyth-See bleiben die Handbälle im Schrank. „Geplant ist bis zum 19. April“, sagt Joachim Hoffmann, der sportliche Leiter der HSG Ca-Mü-Max. Bei den Aktiven werde der Trainingsbetrieb für die kommenden zwei Wochen eingestellt und dann sehe man weiter. Wie Hoffman mitbekommen hat, würden dies viele Handball-Clubs so handhaben. Beim Oberen Neckar überlässt man die Entscheidung ob Training oder nicht den einzelnen aktiven Mannschaft selbst. „Aber es zeichnet sich ab, dass auch sie den Trainingsbetrieb vorerst einstellen werden“, sagt Vorstand Christian Krautberger.

Flexibilität gefragt

Der Handballverband Württemberg (HVW) hat den Aktivenspielbetrieb bis 19. April ausgesetzt. Laut Spielordnung muss die Saison am 30. Juni beendet sein. „Zeit bliebe also noch, sollte sich die Lage entspannen, zumal der Coronavirus ja ein Ausnahmezustand darstellt und deshalb Flexibilität gefragt ist – auch in Sachen Statuten“, sagt Thomas Dieterich, Verbandsmanager des HVW. Aber auch das generelle Beenden der Saison sei nicht auszuschließen, so Dieterich weiter.

Vorzeitig eingestellt wurde bereits der Jugendbetrieb. Manche Ligen sind sowieso schon beendet oder es stehen nur noch wenige Spieltage an. Doch wie wird in Sachen Meisterschaft verfahren? „Teilweise sind die Entscheidungen bereits gefallen“, sagt Dieterich. Da sei es durchaus denkbar, dem uneinholbaren Spitzenreiter den Meisterwimpel zukommen zu lassen. „Keine offizielle Übergabe, aber per Post.“ Welches Szenario sich bei offenem Ausgang des Titelrennens oder im Abstiegskampf anbiete, gelte es noch zu klären. Auch wie es in Sachen Qualifikationsrunde, die im Mai starten sollte und die Staffel-Einteilung für die Spielzeit 20/21 bedingt, weitergeht, ist unklar. Sollte nicht gespielt werden können, „sind wir auch bei der Jugend flexibel. Beispielsweise könnte die Quali im September stattfinden, die eigentliche Runde dann eben zeitlich verschoben werden“.

Geht es überhaupt weiter?

Auch beim Tischtennis wird nicht an die Tische gegangen – zumindest bis zum 17. April. Zwei Tage später stünde dann der letzte Spieltag in vielen Ligen an. „Bei den jetzigen Entwicklungen kann ich mir nur schwer vorstellen, dass wieder gespielt oder die Saison überhaupt zu Ende gebracht werden kann“, sagt Thomas Walter, Geschäftsführer des Tischtennisverbandes Württemberg-Hohenzollern. Sollte es doch noch weitergehen, drängt die Zeit. Laut Wettspielordnung muss inklusive Auf- und Abstiegsspielen am 9. Mai die Saison fertig gespielt sein. Aufgrund des Sonderfalls würde sicherlich flexibel reagiert, aber es werde dann auch eine Frage der Organisation, das Ganze noch über die Bühne bringen zu können.

Thomas Walter ist gleichzeitig auch Mannschaftsführer des DJK Sportbund Stuttgart. Sowohl die Frauen als auch die Männer führen die Regionalliga-Tabelle klar an, die Meisterschaft schien bis Mitte der Woche nur noch reine Formsache. Wie mit den Meisterschaften nun verfahren werde, sei mal dahingestellt. Als deutlich problematischer würde sich die zukünftige Spielklassen-Einteilung aufgrund von Auf- und Abstieg ergeben. Dies sei schwer zu händeln, weil die Teams teilweise unterschiedlich viele Spiele bestritten hätten. Es sei durchaus möglich, dass letztlich Juristen darüber entscheiden müssten. „Aber soweit ist es ja noch nicht.“

Auch beim Fußball ergibt sich die Frage von Auf- und Abstieg im Falle eines frühzeitigen Endes. Stuttgarts Vorsitzender Michael Spörer gibt jedoch offen zu: „Keine Ahnung, wie wir dann verfahren werden. Damit haben wir uns noch nicht beschäftigt.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: