Klaus Iohannis ist als hoher Favorit in die Präsidentenwahl gegangen. Foto: dpa/Vadim Ghirda

Klaus Iohannis setzt sich klar gegen seine Konkurrentin durch – und verspricht in seiner zweiten Amtszeit besser mit dem Volk zu kommunizieren.

Bukarest - Das Zeug zum Volkstribun hat Rumäniens spröder Landesvater nie gehabt. Weder ist Klaus Iohannis ein mitreißender Redner noch liebt er das Bad in der Menge. Aber dennoch wird der nüchterne Siebenbürger Sachse auch die nächsten fünf Jahre im Bukarester Präsidentenpalast Cotroceni residieren: Der bürgerliche Politiker erhielt am Sonntag bei der Stichwahl 63,1 Prozent der Stimmen, teilte die Wahlbehörde in Bukarest nach Auszählung von 99,3 Prozent der Stimmen mit. Seine Konkurrentin, die sozialdemokratische PSD-Chefin Viorica Dancila, kam auf 36,9 Prozent.

„Rumänien, Rumänien“ skandierten seine Anhänger, als der alte und neue Präsident nach Schließung der Wahllokale den „historischen Sieg gegen die PSD“ verkündete. Das „europäische und moderne Rumänien“ habe gewonnen: „Ich verspreche, dass wir gemeinsam das normale Rumänien schaffen, das sich alle wünschen“, sagte der 60-Jährige. Auch die höhere Wahlbeteiligung dürfte Iohannis geholfen haben, im Wahlfinale seinen Vorsprung aus dem ersten Wahlgang von 15 auf gut 30 Prozent zu verdoppeln: Das Wähleraufkommen in der Stichwahl lag bereits eine Stunde vor Schließung der Wahllokale über dem des ersten Wahlgangs, als nur 47,66 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch machten.

Verantwortung hatte der als verlässlich geltende Iohannis stets gesucht

Vor allem sein Pochen auf die Gewaltenteilung im Tauziehen um die von der PSD forcierten Justizreformen, aber auch die Sehnsucht vieler Rumänen nach rechtsstaatlichen Verhältnissen und einem „normalen“ Leben ohne Günstlingswirtschaft und Korruption haben Iohannis letztlich die Wiederwahl gesichert. Die jahrelange Dauerkrise, die der seit Mai inhaftierte Ex-PSD-Chef Liviu Dragnea dem Land mit dem Versuch der Selbstamnestie für korrupte Politiker bescherte, machte hingegen die Kandidatur von dessen früherer Regierungschefin Dancila von Anfang an zu einer aussichtslosen Mission.

Ob als Vorsitzender des Demokratischen Forums von Rumäniens deutscher Minderheit, als Bürgermeister von Sibiu (Hermannstadt) oder als Präsident – Verantwortung hatte der als verlässlich geltende Iohannis stets gesucht. Die ihm anvertrauten Ämter übte der frühere Physiklehrer unaufgeregt und offensichtlich zur Zufriedenheit seiner Wähler aus. Abgewählt wurde Iohannis nie – und ist nun auch als Präsident klar bestätigt worden. Ein echter Parteipolitiker ist Iohannis auch nie gewesen, obwohl der lange parteilose Pragmatiker 2014 selbst kurz die nationalliberale PNL als Parteichef führte. Kritik an seiner distanzierten Amtsführung wurde während des ersten Mandats allerdings nicht nur von Gegnern laut. „Technokrat“ Iohannis sei als Präsident in seiner ersten Amtszeit zu passiv und zu vorsichtig aufgetreten und habe sich kaum um einen echten Dialog mit den Bürgern bemüht, so seine Kritiker.

Die Kommunikation seiner Politik sei bisher „nicht optimal“ gewesen

Er habe eine andere Art von Präsident sein wollen, doch sei er von Beginn an mit einer „sehr feindlichen PSD“ konfrontiert gewesen, die Rumänien „ins Chaos gestürzt“ habe, so Iohannis rückblickend. Es sei ihm aber geglückt, Rumänien „auf dem europäischen Weg zu halten“. Der Präsident räumt allerdings ein, dass die Kommunikation seiner Politik bisher „nicht optimal“ gewesen sei: In einer zweiten Amtszeit werde er „mehr mit den Bürgern kommunizieren“.

Nicht nur, weil sich Iohannis in fünf Jahren dem Wähler nicht mehr zu stellen hat, sind nach seiner Wiederwahl Kurskorrekturen zu erwarten. Waren seine erste fünf Amtsjahre vor allem vom Abwehrkampf gegen die PSD und deren versuchten Aushebelung der Gewaltenteilung geprägt, wird Iohannis sein zweites Mandat kaum mehr nur darauf reduzieren können. Interessant dürfte auch sein, ob Iohannis nach seiner vermutlichen Wiederwahl mehr den überparteilichen Landesvater geben wird.

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