Drei Rad-Ausfahrten der Sternkreuzung waren noch offen, seit Mittwoch ist klar: Eine davon wird nicht realisiert. Foto: Werner Kuhnle

Diskussion um die Rad-Ausfahrten an der neuen Sternkreuzung in Ludwigsburg: Eine denkbar knappe Abstimmung im Gemeinderat verhindert die geplante B 27-Leitung.

Die Sternkreuzung ist seit Jahrzehnten Thema in der Lokalpolitik und kurzzeitig schien es, als sei für einen der wichtigsten Knotenpunkte Ludwigsburgs eine Lösung gefunden. Doch in puncto Rad-Ausfahrten waren sich die Stadträte uneinig – und so wanderte die Entscheidung mehrmals zwischen Ausschuss und Gemeinderat hin und her. Seit der Gemeinderatssitzung am Mittwoch ist nun aber klar: Es kommt doch ein wenig anders als von der Stadtverwaltung geplant. Die Entscheidung hing an einer Stimme.

Rückblick: Der Mobilitätsausschuss stimmte im Februar dafür, die Sternkreuzung nach einer zweijährigen Testphase zu einem dauerhaft einspurigen Kreisverkehr mit Radring umzubauen. Auf der Wilhelm-, Schloss- und Schorndorfer Straße gibt es bevorrechtigte Busspuren, Fußgänger können alle zulaufenden Straßen über Zebrastreifen überqueren. Die Fußgängerunterführung in der Schorndorfer Straße wird verfüllt und zurückgebaut, die Schlangenskulptur ein Stück in Richtung Blühendes Barock verrückt.

Drei Ausfahrten sorgen für Diskussionen

Während der dauerhafte Umbau schnell beschlossene Sache ist, sorgen drei Ausfahrten für Radfahrer für Diskussionen – die südlich in Richtung Scala und die beiden nördlich vom Kaffeeberg hoch und runter Richtung Blüba.

Die Stadtverwaltung hat dafür folgendes vorgeschlagen: Bis zur Einfahrt Ehrenhof führt ein Schutzstreifen für Radfahrer, und für die circa 75 Meter zwischen Bärenstraße und Kreisverkehr sollen Radfahrer die Busspur nutzen dürfen. Radfahrer, die Richtung Favoritepark wollen, sollen über die derzeit gesperrte Spur auf der B 27 geleitet und noch vor der Bushaltestelle zurück auf die bestehende Radspur entlang des Blübas geführt werden. Zwischen der Rad- und Autospur würde man dafür eine Abtrennung auf dem Boden verlegen. Sicherheitsaudits zeigen: „Dieser Bereich ist sicherheitstechnisch umsetzbar“, so Mobilitätsplanerin Denise Kamp. Der Radverkehr werde durch die S-Kurve entschleunigt.

„Diese Option zu verbauen, halte ich für einen strategischen Fehler“

Gegner überzeugt das nicht. CDU und Freie Wähler, die den Beschluss im Mobilitätsausschuss mit einem Antrag in den Gemeinderat geholt hatten, bleiben bei ihren Argumenten. Guido Passaro, Stadtrat der CDU, stellt in Frage, ob Radfahrer, die bergab Tempo aufgenommen haben, für das Einfädeln auf die bestehende Fahrradspur stark genug abbremsen und bezweifelt, dass Radfahrer die Spur auf der B 27 bergab überhaupt nutzen. „Welcher Radfahrer fährt freiwillig an den Auspuffen vorbei?“

Christine Knoß befürwortet die Möglichkeit. „Es ist nicht die perfekte Lösung, aber wir nehmen einen Teil der Radfahrer von dem Weg, der für den Zweirichtungsverkehr zu schmal ist – und man nimmt den Autofahrern nichts weg.“ Auch Nathanel Maier (SPD) spricht sich dafür aus. „Wir haben hier die Möglichkeit, den schnellen Radverkehr rauszunehmen“, sagt er. Diese Option mit einem Beschluss zu verbauen, halte er für einen strategischen Fehler.

Schlussendlich stimmte der Gemeinderat für die Ausfahrt Richtung Scala – nur die FDP stimmte dagegen – und für die Nutzung der Busspur zwischen Bärenstraße und Kreisverkehr (22 Stimmen dafür, elf dagegen, drei Enthaltungen). Spannend wurde es bei der umstrittenen Radspur Richtung Blüba: Mit einem Gleichstand von 18 Stimmen wurde sie knapp abgelehnt.

Im Sommer soll nun mit dem Bau des Kreisverkehrs begonnen werden – ohne die Radspur auf der B 27. Möglichst viel soll während den Sommerferien passieren. Die Stadtverwaltung rechnet mit einer Fertigstellung im Frühjahr 2026. Wie der Verkehr bis dahin umgeleitet wird, steht derzeit noch nicht fest.