In der Stauffenberg-Erinnerungsstätte in Stuttgart geht es nicht nur um den Hitlerattentäter, so zeigt eine Führung. Man sieht auch, was ihn prägte.
Die junge Frau kennt ihn nicht. „Erst in Berlin angekommen“, sagt sie in die Kamera. Ein wohl Enddreißiger hat den Namen dank des Tom-Cruise-Films „Valkyrie“ gehört. Ein älterer Herr weiß um die Geschichte. Die Straßeninterviews, in der Bundeshauptstadt gefilmt, zeigen die Bandbreite des Wissens über Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Zu sehen sind sie in der Stauffenberg-Erinnerungsstätte im Stuttgarter Alten Schloss. Dort kann man sich an interaktiven Stationen und mit persönlichen Objekte dem Mann nähern, der am 20. Juli 1944 im Führerhauptquartier Wolfsschanze eine Sprengladung deponierte, um Adolf Hitler zu töten. Bekanntlich überlebte dieser die Explosion leicht verletzt. Noch in der Nacht wurden Stauffenberg und einige Mitattentäter – am Umsturzplan Operation Walküre waren vor allem hochrangige Wehrmachtsangehörige beteiligt – im Hof des Bendlerblocks erschossen.
Wo heute das Bundesverteidigungsministerium sitzt, befanden sich damals das Allgemeine Heeresamt und der Befehlshaber des Ersatzheeres im Oberkommando des Heeres (OKH). Doch weniger das Attentat steht an diesem Sonntagmittag im Mittelpunkt einer Führung als die Sozialisation von Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seinem Bruder Berthold.
Aus altem Adel in den Widerstand
Wie kam jemand aus altem Adel, der zunächst für den Nationalsozialismus war, zum Widerstand? Geboren auf Schloss Jettingen, aufgewachsen in Stuttgart im Alten Schloss, als jüngster Sohn von Graf Alfred Schenk von Stauffenberg, Oberhofmarschall des württembergischen Königs Wilhelm II., war Claus von Stauffenberg konservativ. Im traditionsreichen Eberhard-Ludwigs-Gymnasium hatte er Kontakt zu Bürgerlichen, als hervorragender Reiter unterrichtete er jung bei Königs Trab und Galopp.
Musische Mutter
Mutter Caroline habe wiederum dafür gesorgt, dass ihre Söhne sich „gründlich“ mit Literatur, Musik und Theater beschäftigten. „Die anderen Soldaten zogen während der Militärausbildung in Bamberg abends los, Stauffenberg übte Violoncello“, so Historikerin Anja Trakje. Auch liebte Stauffenberg Gedichte, bewegte sich im Kreis des symbolistischen Lyrikers Stefan George, wo elitäre, ritterliche Ideale gepflegt wurden: der Versuch, die Kultur der griechisch-römischen Antike und deutsche Geschichte des Mittelalters zu verbinden, um Deutschland geistig zu erneuern.
Zunächst offen für den Nationalsozialismus
Das machte ihn zunächst offen für die Zukunftsversprechen der nationalsozialistischen Bewegung. Noch nach dem Überfall auf Polen, schreibt Stauffenberg im Brief, dass die Gefangenen, „Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk“ der Landwirtschaft recht guttun würden. Als er sich indes im Herbst 1943 nach Berlin versetzen ließ, kontaktierte er Hitlergegner; kein kleines Netzwerk, wie in der Erinnerungsstätte zu sehen ist.
Der engere Verschwörerkreis legte einen Eid im George’schen Sinne ab. „Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt“, man verachte aber die Gleichheitslüge, fordere Anerkennung „naturgegebener Ränge“. Gleichheitslüge? Was damit genau gemeint war, sei unklar, sagt die Historikerin. „Mann und Frau? Stände? Nationen?“
Auch Frauen im Widerstand
Klar sei, auch Frauen waren im Widerstand dabei. „Margarethe von Oven war Sekretärin im Bendlerblock, Mitwisserin, hat Pläne getippt.“ Nach dem Scheitern des Attentats wurde sie für zwei Wochen inhaftiert, kehrte an ihre Dienststelle zurück. „Man traute Frauen solche Attentate nicht zu.“