Peter Vetter (links) hält den Entwurf des neuen Kirchen- und Kunstführers in den Händen, Pfarrer Martin Hug das alte Büchlein. Deutlich größer und dicker wird das Nachschlagewerk, das Anfang nächsten Jahres erhältlich sein wird. Foto:  

Nach der Renovierung erstrahlt die evangelische Stadtkirche St. Germanus in neuem Glanz. Das hat die Gemeinde zum Anlass genommen, den alten Kirchen- und Kunstführer von Gustav Zmaila komplett zu überarbeiten. Neue Erkenntnisse fließen in das Buch ein.

Untertürkheim - D ie evangelische Stadtkirche St. Germanus in Untertürkheim wurde zwischen 2017 und 2019 umfassend renoviert. Repariert wurden nicht nur die kaputte Fußbodenheizung, bröckelnde Fresken, Macken in der Grieshaberwand sowie nicht bespielbare Orgelregister. „Wir haben die gesamte Kirche den Erfordernissen der heutigen Zeit angepasst“, berichtet Pfarrer Martin Hug voller Stolz. Dazu gehörte unter anderem ein Anbau mit Küche und behindertengerechter Toilette. Der Kirchenraum präsentiere sich nun, dank neuer Beleuchtung und nach dem Entfernen der dunklen Holzdecke, viel heller und freundlicher. Kein Vergleich mit dem Gotteshaus der vergangenen Jahrzehnte.

Neuauflage nach 17 Jahren

Obgleich die Kirche stilgetreu und denkmalgerecht erhalten blieb, habe St. Germanus ihr Aussehen doch verändert, stellt Peter Vetter vom Bürgerverein Untertürkheim fest. Das habe man zum Anlass genommen, den bisherigen Kirchen- und Kunstführer von Gustav Zmaila komplett zu überarbeiten. Das kleine Büchlein hatte die Stadt- und Wallmerkirchengemeinde im Jahr 2003 herausgegeben, weil die Stadtkirche mit ihren Kunstwerken, allen voran der Josefswand von HAP Grieshaber, viele Menschen anzieht. Doch die Idee umzusetzen, gestaltete sich schwieriger als gedacht. „Es gab keine Unterlagen mehr. Im Prinzip musste der Führer neu erarbeitet werden“, erzählt Vetter, der zusammen mit Stefan Glöckler, dem Vorsitzenden des Kirchengemeinderates, die Erstellung der zweiten Auflage koordiniert. Allein 126 Fotos mussten eigens für das Buch geschossen werden.

Fresken offenbar viel älter

„Ein Geschenk für uns ist es, dass wir auch dieses Mal Pfarrer Gustav Zmaila für die inhaltliche Gestaltung gewinnen konnten“, betont Hug. Obwohl schon 80 Jahre alt, habe der „ausgewiesene Kenner der Untertürkheimer Geschichte und der Geschichte der Stadtkirche“ seinen ersten Führer um neue Erkenntnisse, die sich aus der jüngsten Renovierung ergeben hätten, ergänzt. So habe sich nämlich herausgestellt, dass die bei der Sanierung 1968 bis 1970 freigelegten Wandgemälde nicht aus der gleichen Epoche stammen können. Bislang hatte man angenommen, sie sind im 17. Jahrhundert entstanden. „Schauen Sie, Matthaeus steht quasi in der Wolke des ‚Vater unser’“, sagt der Pfarrer und zeigt auf das Bild des Apostels an der Wand. „Das hätte man nicht gemacht, wenn die Fresken zur gleichen Zeit gemalt worden wären.“ Die Apostel-Reihe sei offenbar jüngeren Datums, meint Hug. Vermutlich stamme die Darstellung der Tugenden aus dem 15. Jahrhundert. Die Frauenfiguren seien wohl schon einige Zeit übertüncht gewesen, als die Apostel hinzugefügt wurden. Die Stadtkirche wurde 1289 erstmals urkundlich erwähnt.

Größeres Format, mehr Bilder

Der aktualisierte Kirchen- und Kunstführer wird ein anderes Buchformat erhalten – und um die 160 Seiten umfassen, 50 mehr als der Vorgänger, erzählt Vetter. Natürlich würden darin die Erläuterungen zu Grieshaberwand und Fresken wieder breiten Raum einnehmen, doch gleichzeitig Aspekte aufgegriffen, die im alten Büchlein nicht enthalten seien. Vorgestellt wird nun auch der vor 50 Jahren freigelegte Beinkeller, in dem Vetter ein kleines Museum zur Geschichte der Stadtkirche eingerichtet hat – mit Infotafeln und Fotos, Fundstücken sowie zwölf kleinen Kunstwerken. Denn: „Die Stadtkirche und die engen Gässle davor waren ein beliebtes Motiv Untertürkheimer Künstler.“ Eine Auswahl der schönsten Motive in unterschiedlichen Stilrichtungen findet in der Neuauflage daher ebenso Platz.

Vorverkauf startet

3000 Exemplare soll die zweite Auflage des Kirchen- und Kunstführers umfassen, der voraussichtlich Ende Februar erhältlich sein wird. „Leider hat es uns nicht mehr bis Weihnachten gereicht“, bedauert Vetter, der das hochwertig gestaltete Werk voller Stolz als „historisch-theologisches Lesebuch“ bezeichnet. Schon jetzt wird der Verkauf angekurbelt: Ab sofort kann man Gutscheine im Pfarrbüro erwerben. „Bis zum 15. Februar ist der Führer zum Subskriptionspreis von zehn Euro erhältlich“, so Vetter. Danach wird er 15 Euro kosten. Wichtig sei der Kirchengemeinde, dass die Unkosten gedeckt werden, betont der Pfarrer. Die Herstellung wird mit rund 18 000 Euro zu Buche schlagen, der Bezirksbeirat Untertürkheim hat jüngst 5000 Euro aus seinem Budget beigesteuert. Hug ist bereits voller Vorfreude. „Ich bin überzeugt, dass die Besucher mit diesem Buch unsere Stadtkirche neu kennenlernen werden.“

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