Weitere 150 000 Euro werden vom Stadtplanungsamt für die Marktstraße vorgeschlagen. Quelle: Unbekannt

Erneut will das Stadtplanungsamt 600 000 für den nächsten Doppelhaushalt beantragen. Mit dem Geld soll die Altstadt sowie der Eisenbahntunnel verschönert werden.

Bad Cannstatt Der Gemeinderat hat 2017 auch für Bad Cannstatt unter dem Arbeitstitel Investitionsfonds „Lebendige Stadtteilzentren“ 600 000 Euro genehmigt. Mit dem Geld soll die Marktstraße städtebaulich aufgewertet und der Ladenleerstand bekämpft werden. Das Stadtplanungsamt, das das Projekt im Kampf gegen das sogenannte Trading Down gerne fortführen möchte, hat vor den Beratungen für den Doppelhaushalt 2020/21 wieder die gleiche Summe beantragt. Mit 600 000 Euro könnte beispielsweise in ein Lichtkonzept für die Eisenbahnunterführung in der König-Karl-Straße oder in die Verschönerung des Martin-Mayer-Stegs investiert werden.

Unter Trading-Down-Effekt verstehen Einzelhandels-Experten, wenn Wettbüros, Spielhallen, Billiganbieter oder Ladenleerstände in Fußgängerzonen und Ortszentren überhandnehmen. Seit Jahren registrieren die Stadtverantwortlichen diesen negativen wirtschaftlichen Strukturwandel auch in den Stuttgarter Stadtteilen. Allerdings mit unterschiedlichen Ausprägungen. Sorgen bereiten den Stadtplanern und -entwicklern in Untertürkheim vor allem der Leerstand (wir berichteten), in Bad Cannstatt sind dagegen die Probleme zumeist städtebaulicher Art.

Gemeinderat erhöhte Projektgeld

So jedenfalls das Ergebnis einer Studie des Büros Acocella, das die Einzelhandelssituationen in Bad Cannstatt, Untertürkheim, Weilimdorf, Zuffenhausen, Feuerbach und Vaihingen untersucht hatte. Die Vorlage „Handlungskonzepte für lebendige Stadtteilzentren“, die darauf basiert, ist rund 140 Seiten stark und wurde den betroffenen Bezirksbeiräten vor zwei Jahren präsentiert. Zwar gab es eine breite Zustimmung, jedoch wollten die Bürgergremien mehr Geld als nur 150 000 Euro für erste Maßnahmen im Kampf gegen den Trading-Down-Effekt. Die Forderung blieb nicht ungehört, 600 000 Euro sollten den Stadtbezirken zu Gute kommen.

Vor gut einem Jahr hatte der Bezirksbeirat entschieden, dass 350 000 Euro in einem ersten Schritt für die Aufwertung der Marktstraße investiert werden sollen. Weitere 200 000 Euro wurden für die Schaffung eines Stadt- und Kulturleitsystems analog zur Stuttgarter Innenstadt reserviert, die restlichen 50 000 Euro blieben für das Förderprogramm Revitalisierung von Ladenlokalen im Kampf gegen den Leerstand.

Projekt wird fortgeschrieben

„Wir wollen das Projekt natürlich fortschreiben“, sagte Hermann-Lambert Oediger, Leiter der Stadtentwicklung des Stadtplanungsamtes, im Bezirksbeirat Bad Cannstatt. Ziel sei es, dass in den anstehenden Haushaltsberatungen der gleiche Betrag wieder vom Gemeinderat zur Verfügung gestellt werde. Mit den aktuellen 600 000 Euro sei mittlerweile ein kleiner Wettbewerb für eine neue Möblierung und Schaffung einer temporären Bepflanzung in der Marktstraße gestartet. Abgabetermin für die drei beauftragten Büros sei am 7. Juni. Eine Jury unter Beteiligung des Bezirksbeirats wird dann den Gewinner küren, der dann im Herbst im Bürgergremium vorgestellt werden wird. Auch liegen erste Entwürfe für das Stadt- und Kulturleitsystem vor. „Es soll zusammen mit dem Möblierungskonzept im Bezirksbeirat diskutiert werden“, sagte Hermann-Lambert Oediger. Auch das Förderprogramm zur Revitalisierung von Ladenlokalen trage erste Früchte. Als Beispiel nannte der Stadtplaner den neuen Weltladen in der Sulzgasse.

Sofern der Gemeinderat den Investitionsfonds in Stuttgarts größtem Stadtbezirk erneut mit 600 000 Euro unterstützen möchte, hat das Stadtplanungsamt bereits weitere Ideen. „150 000 Euro sollen wieder in die Marktstraße fließen“, so Oediger, der zudem dem Bezirksbeirat erneut rät, 250 000 Euro in ein Lichtkonzept für die Bahnunterführung in der König-Karl-Straße zu investieren. Vor einem Jahr hatte das Bürgergremium diesen Vorschlag abgelehnt und stattdessen das Geld lieber in die Fußgängerzone investiert. Mit 50 000 Euro soll zudem der Martin-Mayer-Steg verschönert werden. „Allein mit etwas Farbe ist hier schon viel erreicht“, so Oediger. Allerdings ist sich das Stadtplanungsamt auch darüber im Klaren, dass für ein attraktiveres Stadtbild vor allem am Verkehrsknoten im großen Stil etwas passieren muss. „Am Cannstatter Wilhelmsplatz müssen wird langfristig mit einem zweistelligen Millionenbetrag ran“, so die realistische Einschätzung Oedigers. Dass die restlichen 150 000 Euro erneut für den Kampf gegen Ladenleerstand investiert werden sollen, wurde vom Bezirksbeirat genauso begrüßt, wie die übrigen Maßnahmen. „Eine sichtbare Qualitätsverbesserung, die wir mittragen können“, sagte Roland Schmid (CDU).

Peter Mielert (Die Grünen) hatte noch weitere Vorschläge: Das Stadtplanungsamt soll den gesamten Martin-Meyer-Steg bis zum Bahnhof bei einer Aufwertung berücksichtigen. Zudem wünscht sich der Fraktionssprecher, Geld für ein Gestaltungskonzept des Bereichs zwischen der König-Karls- und der Eisenbahnbrücke zu verwenden. „Erst dann macht ein Lichtkonzept für den Tunnel Sinn“, so Mielert. Geld für ein Konzept „zu verschwenden“, hält die CDU dagegen für falsch. Einstimmig befürwortete der Bezirksbeirat allerdings – unabhängig von dem Investitionsfonds – den SPD-Antrag, der sich mit dem „Tor zu Cannstatt“ befasst. Darin fordern die Sozialdemokraten, den Bereich Eisenbahnbrücke (vor allem innen) attraktiver, sauberer und heller (Lichtinstallation) zu gestalten und dafür ein Konzept zu präsentieren. Wichtig: Bei allen Zu- und Ausgängen soll ersichtlich sein, dass die Gehwege sowohl von Passanten wie auch von Radfahrern benutzt werden dürfen.

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