Das Wegenetz im Oberen Kurpark soll in den kommenden Jahren für rund 200 000 Euro erneuert werden. Foto: Uli Nagel - Uli Nagel

Die Stadt Stuttgart hat jahrelang ihre großen Parkanlagen eher stiefmütterlich behandlet. Auch den Kurpark. Das ändert sich. So sollen in den kommenden Jahren Gehwege, Leitungen und die Bepflanzung auf Vordermann gebracht werden.

Bad CannstattDer Kurpark ist weit mehr als nur die grüne Lunge Bad Cannstatts. Das Herzstück von Stuttgarts größtem Stadtbezirk ist auch ein Spiegelbild der historischen Entwicklung des Neckarvororts zur internationalen Bädermetropole bis hin zu seinem Wandel in eine Fabrikstadt. Die unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen haben natürlich dem Park ihren Stempel aufgedrückt, was an dem denkmalgeschützten Kursaalensemble oder der Wandelhalle, die um 1860 für Kurgäste entstanden ist, offenkundig wird. Doch auch Gottlieb Daimler hat mit seiner gläsernen Tüftlerwerkstatt und dem Turm seine markanten Spuren hinterlassen. Heute dient die Grünanlage mit ihren 15 Hektar Fläche vor allem der Naherholung und sorgt für naturnahe, innerstädtische Lebensqualität.

Doch der Kurpark ist wie andere große Parkanlagen (Stadtgarten bei der Uni, Parkanlage Villa Berg oder Weissenburgpark) in die Jahre gekommen, ohne das hier im größeren Stil etwas gerichtet worden wäre. Der Grund: Was Sanierungsmaßnahmen angeht, so standen beim Garten-, Friedhofs- und Forstamt (GFF) in den vergangenen Jahren kleine Grünbereiche im Fokus der Arbeit. „Das ändert sich in absehbarer Zeit“, sagt Amtsleiter Volker Schirner. Zunächst gibt es eine Bestandsanalyse einiger ausgewählter Parkanlagen, wobei auch Bürger zu Wort kommen sollen und ihre Wünsche äußern können. In Absprache mit dem Arten- und Denkmalschutz sollen dann Neukonzeptionen entwickelt und umgesetzt werden. Natürlich müssen wegen der Verkehrssicherheit einige Maßnahmen sofort erledigt werden.

Sehr altes Wegesystem

So etwa im Kurpark, wo die Beläge im Umfeld des Kursaalgebäudes bereits 2014 für 370 000 Euro erneuert wurden. Die gleiche Summe floss 2018 in die Sanierung erster Parkwege im Bereich der Gedächtnisstätte. Kein Wunder, der Großteil des Wegesystems ist bis zu 60 Jahre alt. Die unteren, eher symmetrischen Kursaalanlagen wurden dabei zwischen 1958 und 1962 hergestellt, der Daimlergarten im Jahr 1974; und die Wege in den oberen Ablagen sind sogar noch älter.

In einem zweiten Abschnitt sollen weitere, stark rissige Asphaltflächen und unebene Pflasterflächen erneuert werden. Hierbei gab es in der Vergangenheit immer wieder Kritik, denn ebene, gut begehbare Beläge werden insbesondere von älteren Bürgern, Müttern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrern eingefordert. Diese Maßnahmen bilden den Schwerpunkt für den nächsten Haushalt. Laut GFF sind hierfür Mittel in Höhe von 200 000 Euro nötig.

Doch in den folgenden Jahren sind weitere Aufgaben anzugehen, um den Kurpark zukunftsfähig zu entwickeln. Dazu soll der alte Baumbestand schrittweise durch Neupflanzungen „verjüngt“ werden. Auch sind viele Beete überaltert. Durch neue, standortgerechte Staudenpflanzungen soll mehr Artenvielfalt hergestellt werden.

Ebenfalls auf der Agenda steht der Spielplatz beim Daimlerturm. Das Großspielgerät ist mehr als 20 Jahre alt und soll in zwei bis drei Jahren ersetzt werden. In diesem Zusammenhang soll der viel besuchte Spielplatz auch neu konzipiert werden. Auch die Metallzäune, insbesondere im Bereich des Daimlergartens, müssen gerichtet werden.

Parkpflegewerk überarbeiten

Für den Kurpark wurde im Jahr 1992 ein Parkpflegewerk gefertigt (siehe Infokasten). Einige der darin getroffenen Aussagen zu den Ausstattungen und Parkelementen haben zwar noch Gültigkeit. Dennoch wird es laut der GFF-Verantwortlichen erforderlich sein, nach fast drei Jahrzehnten dieses Werk fortzuschreiben.

In die Technik muss ebenfalls investiert werden, an den rund 60 Jahre alten Wasserleitungen gab es öfter Rohrbrüche. Hier gilt es in den kommenden zehn Jahren, das Leitungsnetz nach und nach auszutauschen. Geld für dieses Maßnahmenpaket soll jedoch erst im Doppelhaushalt 2022/23 beantragt werden.

Zu guter Letzt muss sich das GFF auch auf der Ostseite des Kurparks jenseits der Bahngleise der im Jahr 1962 hergestellten Wulfilaanlage mit Pergolen, Prachtbeeten und Plattenwege mit großformatigen Platten widmen. Unebene Wege, marodes Holz und veraltete Vegetationsflächen wurden hier schon öfters von Parkbesuchern bemängelt. Rund 85 000 Euro will hier die Stadt investieren. Allerdings erst in acht Jahren. Ob so lange jedoch die rückwärtige und mit Graffiti übersäte Mauer an der Pergola noch hält? Die Haltbarkeit der Ziegel hat durch die Witterung doch erheblich gelitten.

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