Auf dem Güterbahnhof entsteht der neue Abstellbahnhof für Stuttgart 21, der Lärm verursachen wird. Foto: Mathias Kuhn - Mathias Kuhn

Stadtverwaltung und Bezirksbeiräte bezogen Stellung zu den von der Bahn eingereichten Pläne für den Abstellbahnhof. Es werden bessere Lärmschutzmaßnahmen und Ausgleichsprojekte vor Ort gefordert.

UntertürkheimAuf dem Güterbahnhof in Untertürkheim soll der neue Abstellbahnhof für Stuttgart 21 entstehen. Die Deutsche Bahn legte vor wenigen Wochen die überarbeiteten Pläne für den Umbau des derzeitigen Geländes vor. Der neue Abstellbahnhof umfasst Abstellgleise, eine Außen- und eine Innenreinigungsanlage der Züge sowie Technikgebäude. Auf dem Untertürkheimer Areal werden künftig Nah- und Fernverkehrszüge „geparkt“, gewaschen und die Innenräume gereinigt. Bestehende Gebäude werden abgerissen und durch neue Anlagen ersetzt. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens wird die Landeshauptstadt gehört. Am Dienstag gaben die betroffenen Ämter der Stadtverwaltung ihre Stellung zu den Plänen ab und diskutierten diese mit den Bezirksbeiräten.

Dabei ernten die Pläne der Deutschen Bahn vor allem in Sachen Lärmschutz erheblichen Widerspruch. „Generell geht es darum, ob die Maßnahmen als wesentliche Änderungen in Form eines erheblichen baulichen Eingriffs gesehen werden, oder ob es sich um einen kompletten Umbau handelt, der einem Neubau gleichzusetzen ist“, erklärte Alberto Gutierrez vom Umweltamt der Stadt. Für die betroffenen Anwohner würde die Einstufung als Neubau bessere Schallschutzmaßnahmen auslösen. Der Unterschied in der Beurteilung würde auch dazu führen, dass damit die dem Grunde nach zu gewährenden Schallschutzmaßnahmen bis in die Stadtteile Flohberg und Gehrenwald reichen müssten, also weit über das im Gutachten ermittelte Maß hinaus, heißt es in der Stellungnahme der Stadt.

Die Bezirksbeiräte beziehen dazu eine eindeutige Position. „Die Bahn baut auf dem Gelände des stillgelegten Güterbahnhofs einen neuen Abstell- und Wartungsbahnhof für die Herstellung der Funktionstüchtigkeit des Ringschlusses bei Stuttgart 21. Dies unterscheidet sich fundamental von der Zweckbestimmung des Güterbahnhofs. Deswegen besteht ein Anspruch auf Lärmvorsorge nach den strengeren Richtlinien des Bundes-Immissionsschutzgesetzes“, heißt es in der einstimmig verabschiedeten Stellungnahme der Bezirksbeiräte. Die letzte Entscheidung über die Sichtweise und damit auch über die Art der Schallschutzmaßnahmen treffe das Eisenbahnbundesamt, so Gutierrez.

Neue Zufahrt aufs Areal

Zudem bemängeln sowohl die Bezirksbeiräte als auch die Experten der Stadt vehement, dass exakte Fakten zum künftigen Betriebskonzept fehlen. So sei nicht ersichtlich, wann und wie lange die Wertstoffpresse in Betrieb ist. Auch werde weder die von der Politik gewünschte Steigerung des Güter- und Personenzugaufkommens bis 2030 noch der Lärm durch die Stadtbahn im Gutachten berücksichtigt. Der Bezirksbeirat fordert deswegen die Bahn auf, umweltverträglich zu bauen, damit sich die Lebensqualität der Anwohner nicht maßgeblich verschlechtere.

Gerhard Rotermund vom Tiefbauamt dringt zudem auf eine sichere Anbindung des künftigen Abstellbahnhofs ans Verkehrsnetz. Bereits heute führe die Abbiegesituation auf Höhe des Eszet-Stegs von der Augsburger Straße aufs Güterbahnhof-Areal und umgekehrt zu gefährlichem und illegalem Verkehrsverhalten. „Die Zufahrt hat sich zu einem Unfallbrennpunkt entwickelt“, so Rotermund. Die Folgerung daraus: Das Tiefbauamt schlägt einen durch Lichtsignalanlagen geregelten Anschluss am Knotenpunkt Augsburger-/ Dietbachstraße vor. Zudem müsse die Entwässerung durch bestehende Dolen unter dem Gelände weiterhin gewährleistet bleiben.

Ein weiteres Ärgernis für Untertürkheims Bezirksbeiräte ist, dass die ökologischen und naturschutztechnischen Ausgleichsmaßnahmen, zu der die Deutsche Bahn verpflichtet ist, nur minimal in Untertürkheim zum Einsatz kommen. Die Bahn will Eidechsen-Ersatzhabitate entlang der Bahnböschungen in Unter- und Obertürkheim sowie in Münster schaffen. Das verbleibende Öko-Defizit soll dann durch Maßnahmen in einer ehemaligen Munitionsanstalt bei Schwäbisch Hall kompensiert werden. „Die Belastung liegt im Raum Stuttgart, der Ausgleich findet einmal mehr im Umland statt“, monierte Stadtplaner Wolfgang Maier. Die Bezirksbeiräte schlugen deswegen Kompensationsflächen auf Untertürkheimer Gemarkung vor: beispielsweise entlang des Neckars am Lindenschulviertel oder entlang des Inselbades.

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