Im Hauptklärwerk Mühlhausen wirt eine vierte Reinigungsstufe bis 2028 für 85 Millionen Euro eingerichtet. Im Bild OB Kuhn, Wolfgang Schanz, Franz Untersteller und Boris Diem (von links) Foto: Landeshauptstadt Stuttgart/Ferd - Landeshauptstadt Stuttgart/Ferdinando Iannone

Das Land fördert mit einem Zuschuss von 2,9 Millionen Euro Maßnahmen im Hauptklärwerk, damit das Abwasser sauberer und auch der Neckar entlastet wird. Gestern besuchter der Umweltminister das Klärwerk.

MühlhausenAllerorten wird über die große Umweltbelastung durch Pflanzenschutzmittel, Chemikalien oder auch Medikamente als Rückstände im Wasser gesprochen. In Mühlhausen wurde gestern ein weiterer Baustein dafür gesetzt, damit das Hauptklärwerk die vierte Reinigungsstufe in den nächsten Jahren erweitern kann: Umweltminister Franz Untersteller übergab an Oberbürgermeister Fritz Kuhn den Förderbescheid des Landes Baden-Württemberg.

Das Land fördert das Vorhaben in der größten Kläranlage Baden-Württembergs mit knapp drei Millionen Euro. Untersteller verwies auf die besondere Stellung des Klärwerks, welches als eines der ersten in Deutschland eine Kläranlage betrieben hat, nämlich seit dem Jahr 1916. Täglich werden in Mühlhausen 220 Millionen Liter Abwasser gereinigt, so Untersteller. Das Kanalnetz umfasst 1700 Kilometer. Den Einbau einer vierten Reinigungsstufe sieht er als „ganz erheblichen Beitrag für den Gewässerschutz im Land“. Die Maßnahme komme sowohl den Bürgern als auch der Tier- und Pflanzenwelt zugute. So sollen in der Kläranlage Pulveraktivkohle-Silos aufgestellt werden und Dosierstationen an der Biologie Nord und Süd. Auch wird eine Energiezentrale errichtet.

Gesamtanlage 2028 fertig

Oberbürgermeister Fritz Kuhn erklärte, dass die Stadt bis zum Jahr 2028 rund 85 Millionen Euro investiere. Er nahm den Förderbescheid über 2,9 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt entgegen. Die Inbetriebnahme der ersten Silos und Dosierstationen auf dem Stuttgarter Klärwerk ist für das Frühjahr 2021 vorgesehen. Die Gesamtanlage zur Spurenstoffelimination soll bis zum Jahr 2028 fertiggestellt sein.

Die Verbesserung der Abwasserreinigung in Mühlhausen soll auch den Neckar entlasten, wenn die Qualität des Abwassers auf diese Weise verbessert wird. Damit hoffen auch diejenigen Bürger und Vereine, die gerne den Neckar zum Schwimmen oder zum Surfen mit der sogenannten Neckarwelle nutzen wollen, auf Verbesserungen. Bislang hat die Stadt die Surfwellen-Aktivitäten untersagt aufgrund gesundheitlicher Bedenken durch die mangelnde Wasserqualität.

Erst kürzlich hatte die Initiative Neckarfreude, ein überparteiliches Netzwerk aus Bürgern, mit einer Schwimm-Aktion im Neckar in Bad Cannstatt darauf aufmerksam gemacht, dass sie gerne den Neckar nutzen möchten. Bislang ist Schwimmen im Neckar in Stuttgart verboten.

Außerdem beschäftigt sich derzeit auch eine Arbeitsgruppe für die Internationale Bauausstellung IBA 27 mit den Möglichkeiten der Freiraumnutzung und dazu gehört auch der Neckar. OB Kuhn erklärte gestern im Hauptklärwerk: „Die Investition ist eine bedeutende umweltpolitische Maßnahme. Die Qualität des Abwassers wird so verbessert und damit der Neckar entlastet.“ Kuhn stellte klar, dass trotz aller Erfolge bei der Abwasserreinigung konventionelle Verfahren problematische Spurenstoffe nicht oder nur teilweise aus dem Wasser filtern können. Bei der geplanten vierten Reinigungsstufe komme dafür Pulveraktivkohle zum Einsatz.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn hofft, dass das Land auch in den kommenden Jahren den Klärwerkausbau finanziell unterstützen werde. Die Arbeiten werden in insgesamt drei Bauabschnitte gegliedert. Sie beginnen noch in diesem Herbst. An den Belebungsbecken wird dabei zuerst die Aktivkohldosierung errichtet. Außerdem soll die Sandfilteranlage erneuert und ausgebaut werden. Auch wird die gesamte Elektro- und Maschinentechnik überholt.

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