Neuer Glanz, alte Pracht: die Treppenhalle der sanierten Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin. Foto: epd/Juergen Blume

Nach 15-jähriger Sanierung unter Federführung des in Stuttgart und Berlin ansässigen Büros HG Merz hat die Berliner Staatsbibliothek Wiedereröffnung gefeiert – pandemiegerecht nur digital.

Berlin - Nach jahrzehntelangen Sanierungsarbeiten ist am Montag das Stammhaus der Berliner Staatsbibliothek Unter den Linden wiedereröffnet worden. Die Eröffnung fand pandemiebedingt im kleinen Rahmen statt. Aufgrund der Corona-Pandemie bleibt das neu eröffnete Haus allerdings vorerst für die Öffentlichkeit geschlossen. Auch die Eröffnungszeremonie fand lediglich online statt. „Sobald es die Pandemiebestimmungen erlauben, werden die Tore zum Gebäude geöffnet“, erklärte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Wolfgang Schäuble als Festredner

Die Festrede hielt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Er hob die wichtige Funktion von Bibliotheken auch im digitalen Zeitalter hervor. Gerade in einer digitalisierten Öffentlichkeit würden neutrale und verlässliche Institutionen gebraucht, die Wissen dokumentieren, zugänglich machen und auch filtern, sagte Schäuble. Heute sei es auch Aufgabe der Bibliotheken, kommerzielle Wissens- und Informationsmonopolisten wie beispielsweise Google zu verhindern und die Leser in die Lage zu versetzen, Informationen kritisch zu hinterfragen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte, in neuem Glanz und alter Pracht biete die Staatsbibliothek Unter den Linden einen unvergleichlichen Zugang zu einzigartigen Kostbarkeiten des Menschheitswissens, der Geschichte und der Kunst. Sie vermittle einen Eindruck von der „unendlichen Welt der Bücher“ und sei eine Art „Weltgedächtnis“.

HG Merz – Spezialist für denkmalgeschützte Bauten

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, zu der die Staatsbibliothek gehört, erklärte, die historische Mitte Berlins gewinne eine Kathedrale des Wissens zurück. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte in einer Erklärung, die Wiedereröffnung sei ein Meilenstein für die Forschungs- und Wissenschaftsstadt sowie für die Kulturmetropole Berlin. Auch im digitalen Zeitalter seien Bibliotheken und ihre Sammlungen zentrale Orte des Studiums und der Forschung.

Das 1914 in Betrieb genommene und im Zweiten Weltkrieg teils schwer beschädigte Gebäude war seit 2005 für 470 Millionen Euro durch das Architekturbüro HG Merz (Stuttgart, Berlin) bei laufendem Bibliotheksbetrieb saniert, erweitert und modernisiert worden. HG Merz gilt Spezialist für den Umgang mit denkmalgeschützten Bauten. Zuvor waren bereits das Fundament erneuert und die 2700 maroden Holzgründungspfähle des Bauwerks ersetzt worden.

Seit mehr als einem Jahr geschlossen

Es entstanden 663 Arbeitsplätze für Besucher, ein allgemeiner Lesesaal, sechs Sonderlesesäle und rund 18 000 Quadratmeter Magazinfläche. Eineinhalb Kilometer Lieferband durchziehen nun außerdem die historische Bibliothek, um Bücher schnell durch das Gebäude transportieren zu können. Die Kosten trug komplett der Bund. Mit der Fertigstellung im November 2019 erfolgte die Schließung des Hauses wegen der Umzüge der umfangreichen Bestände. Wegen der Corona-Pandemie war die Wiedereröffnung mehrfach verschoben worden.

Die Staatsbibliothek zählt mit etwa 33 Millionen Einheiten, darunter mehr als zwölf Millionen Bücher und zahlreiche Sondersammlungen, zu den bedeutendsten Bibliotheken weltweit und ist die größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum. Ab 2025 soll auch das Gebäude der Staatsbibliothek am Berliner Kulturforum in der Nähe des Potsdamer Platzes saniert werden.

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