Wird’s zum Ende noch zynischer, grotesker und brutaler? An diesem Freitag ist die dritte Staffel des südkoreanischen Serienhits „Squid Game“ bei Netflix gestartet.
In einem kunterbunten Labyrinth aus Räumen, Gängen und Türen, das so aussieht, als ob sich M. C. Escher auf LSD ein Kinderparadies ausgedacht hätte, spielen ein paar Dutzend Menschen in grünen Trainingsanzügen Verstecken. Die einen tragen geometrische Schlüssel um den Hals, die geheime Räume öffnen, hinter denen irgendwo der Ausgang aus dem Irrgarten verborgen ist. Sie sind die, die sich verstecken sollen. Die anderen tragen rote Leibchen und haben Messer. Sie sind die, die nach den Versteckten suchen. Und wenn sie sie gefunden haben, klatschen sie sie nicht ab, sondern müssen sie umbringen. Wenn sie das nicht tun, werden sie disqualifiziert – und das heißt in diesem Fall: Sie werden erschossen.
„Squid Game“ Staffel 3: Härtere Spiele
Willkommen bei einer neuen Runde von „Squid Game“. Weiterhin kämpfen hier hoch verschuldete Menschen in zynisch-grotesken Kinderspiel-Variationen ums Überleben. Nach diesem Versteckspiel, das die vierte Runde der aktuellen Partie darstellt, werden nur noch 25 Menschen am Leben sein, die als nächstes zum Seilhüpfen antreten müssen. Zwar wird ihr Anteil am Preisgeld – 45,6 Milliarden koreanische Won (rund 30 Millionen Euro) – immer höher. Dafür wird das Spiel aber auch immer schwieriger und gemeiner und der Umgang unter den Teilnehmenden grausamer.
Die dritte, finale Staffel des südkoreanischen Netflix-Hits „Squid Game“ macht da weiter, wo die zweite aufgehört hat. Diese endete damit, dass der von Teilnehmer Nr. 456 (Lee Jung-jae) angezettelte Aufstand niedergeschlagen wurde. Jetzt geht es weiter, als ob nichts geschehen wäre. Wie Shakespeare, der in „Wie es euch gefällt“ Jacques sagen lässt: „Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler“, interpretiert „Squid Game“-Erfinder Hwang Dong-hyuk das gesellschaftliche Miteinander als perfide Spielanordnung.
Gladiatorenkämpfe für dekadente Superreiche
Dies macht die dritte Staffel noch einmal drastisch deutlich, indem sie zum einen von Menschen wie der hochschwangeren Jun-hee (Jo Yu-ri) oder dem Muttersöhnchen Yong-sik (Yang Dong-geun) erzählt, die in den Spielarenen gegeneinander antreten müssen, und zum anderen von den VIPs, die dekadent-amüsiert auf Großbildschirmen diese postmodernen Gladiatorenkämpfe verfolgen, darauf wetten, wer am Ende übrig bleibt, und sich auch selbst mal als maskierte Vollstrecker ins Getümmel stürzen.
Als im September 2021 die erste Staffel von „Squid Game“ auf Netflix erschien, verwandelte sich die Serie in wenigen Tagen vom Geheimtipp zum Internet-Hype. Mit 265 Millionen Abrufen ist die erste Staffel die erfolgreichste Netflix-Serie aller Zeiten.
Die Gründe für den Serienhype
Dafür gibt es viele Gründe: „Squid Game“ ist ein atemberaubend inszenierter Survival- Thriller, eine großartig verzerrte Spieleshow, ein detailverliebtes ästhetisches Meisterwerk, eine böse Parabel auf den Kapitalismus und eine psychologische Versuchsanordnung, die auf einem bizarren Spielplatz vorführt, zu welchen Grausamkeiten die menschliche Psyche in der Lage ist, wenn die Wahl lautet: Ich oder die anderen.
Abgesehen davon, dass dieser Mix nun noch durch einen Krimiplot erweitert wird, der davon handelt, wie das von Teilnehmer 456 angeheuerte Team parallel versucht, die Spielarena zu finden und die Drahtzieher zu entlarven, und zudem zeigt, dass es immer noch einen Tick brutaler und nihilistischer geht, hält sich die dritte „Squid Game“-Staffel brav ans Erfolgsrezept der Serie – weil das aber so gut ist, stört das kein bisschen.
Squid Game. Alle sechs Episoden der dritten und letzten Staffel sind am Freitag, 27. Juni, ab 9 Uhr deutscher Zeit, beim Streamingdienst Netflix verfügbar.