Nicht aus Angst vor dem Gegner, sondern aufgrund der Corona-Regeln wird mit riesigem Abstand geboxt – und das auch noch auf dem Fußballplatz. Foto: /Torsten Streib

Die Box-Abteilung des ESV Rot-Weiß Stuttgart hat das Training wieder aufgenommen und trainiert auf dem Fußballplatz. Abteilung wächst stetig.

Bad Cannstatt - Es ist einmal mehr viel los auf dem gemeinsamen Gelände von ESV Rot-Weiß Stuttgart und VfL Stuttgart an der Benzstraße. Auf dem hinteren Kunstrasenplatz tummeln sich um die 25 Personen. Doch anders als in jüngster Vergangenheit häufig der Fall, befinden sie sich nicht widerrechtlich auf der Anlage (wir berichteten). Vielmehr halten sie streng die Corona-Regeln für Sporttreibende ein, halten Sicherheitsabstand – meist deutlich mehr als die vorgeschrieben 1, 5 Meter. Jedoch handelt es sich nicht um Fußballer – sondern Ring frei ist auf dem Sportplatz angesagt: Die Box-Abteilung des ESV trainiert dort vier Mal die Woche.

Wie bei vielen anderen Verantwortlichen von Sportvereinen beziehungsweise Abteilungen war vor der Wiederaufnahme ihres Sports auch bei den Rot-Weiß-Boxern tüfteln und ausarbeiten eines Konzeptes erforderlich, um wieder gemeinsam auf der Anlage trainieren zu können. „Wir haben bei anderen Vereinen und auch unserer Basketball-Abteilung etwas gespickelt und darauf aufbauend ein Konzept erarbeitet, damit wir wenigstens etwas tun und uns treffen können“, sagt Trainer und Rot-Weiß-Vorstandsmitglied Alexander „Bubi“ Butz, der mit seinen Trainerkollegen während des Shutdowns Online-Training angeboten hat.

Auf dem Fußballplatz werden pro Trainingseinheit zahlreiche Hütchen aufgestellt, die mehrere 1000 Quadratmeter große Felder abgrenzen, auf denen fünf Personen Sporttreiben dürfen. „Bei uns bekommen immer vier Personen ein Feld zugeteilt, denn auch die Trainer müssen dazugerechnet werden“, sagt Abteilungsleiter Uwe Butz, Vater von Trainer Alexander. Man sei froh, dass das Training wieder aufgenommen werden konnte, so der Abteilungsleiter, gleichwohl die Kernelemente wie das Gelernte am Sandsack oder im direkten Duell gegen einen Gegner auszuprobieren und Sparring nicht erlaubt sind. „Ich glaube, daran müssen wir uns noch eine längere Zeit gewöhnen. Ich hoffe aber, dass wir zeitnah, dann mit eingeschränkter Teilnehmerzahl, wieder in unsere Halle können“, so Uwe Butz.

An diesem Abend scheint das Fehlen der Kernelemente des Boxsports die Sportler und Sportlerinnen nicht zu stören. Ohne Murren und kaum Unterbrechungen setzen sie die Anweisungen von Uwe Butz und Trainer Ibrahim Rekan um, machen Liegestütze oder beispielsweise Sit-ups. Kondition, Kondition und nochmals Kondition sowie etwas Schattenboxen sei derzeit angesagt. Gemeinsame Duelle deutlich außerhalb der Reichweite finden aber auch statt. Die einen setzen irgendwelche Schläge an, der mehr als zwei Meter entfernte „Kontrahent“ erwidert mit einer Defensivhandlung, also der passenden Abwehraktion als würden sich die Boxer Körper an Körper gegenüberstehen.

Die Begeisterung an Boxen hat in der Vergangenheit bei Rot-Weiß deutlich zugenommen. „Pro Jahr verzeichnen wir einen Zuwachs von zehn Sportlern, sind mittlerweile mit 140 Mitgliedern die größte Abteilung innerhalb des Rot-Weiß“, weiß Alexander „Bubi“ Butz. Neben zahlreicher Mitglieder, die zum Teil am Olympischen Boxen, wie Wettkampf-Boxen genannt wird, teilnehmen, erfreut sich die Box Academy Stuttgart immer größerer Beliebtheit. „Dabei handelt es sich um Boxen für jedermann zum Zweck der Fitness.“

Über all die Jahre haben Athleten von Rot-Weiß auch erfolgreich die Fäuste im Ring fliegen lassen. Der mittlerweile 33-jährige Alexander Butz war selbst Deutscher Jugendmeister, derzeit sind Dion Shabani und Amsal Mujovic die Aushängeschilder des Klubs. Shabani war bereits Deutscher Meister, wurde im Vorjahr in der Altersklasse U-17 Dritter, Mujovic sicherte sich in derselben Altersklasse den Titel. „Wir haben es immer wieder geschafft, erfolgreiche Boxer herauszubringen“, sagt Uwe Butz. Der 59-Jährige muss es wissen, schließlich gehört er schon seit 1975 der Abteilung an.

Nach 90 Minuten ist das Training vorbei, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben ordentlich geschwitzt und die Hütchen auf dem Fußballplatz werden wieder eingesammelt.

Wer Lust hat, bei den Rot-Weiß-Boxern mal reinzuschnuppern, soll einfach im Training vorbeischauen. Training des Olympischen Boxens ist dienstags und freitags jeweils von 18.45 bis 20.15 Uhr und sonntags von 10.30 bis 12 Uhr, Fitness-Boxen dienstags und donnerstags von 20.30 bis 21.45 Uhr. Wer Fragen zum Olympischen Boxen hat, wendet sich an Esv.rotweiss.stuttgart@t-online.de, zum Fitnessboxen an Boxacademystuttgart@web.de.

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