Viele Hallen im Kreis sind in die Jahre gekommen, Sanierung und Neubau sind teuer. Ludwigsburg hat bereits zwei Projekte gestrichen. Der Sportkreis warnt vor langfristigen Folgen, sollten Hallenflächen fehlen.
Markgröningens Bürgermeister Jens Hübner hat ein Problem – die Sporthallen sind knapp. Zwar hat die Stadt in diesem Jahr ihre 50 Jahre alte „Sporthalle 1“ saniert, doch das war lediglich ein Etappenerfolg. Denn während die Hallenkapazitäten auf Kante genäht sind, wird die Anzahl der Einwohner und Schüler in den kommenden Jahren steigen. Die Verwaltung und der Gemeinderat hätten schon über vielen Ideen gebrütet, wie die Hallenflächen vergrößert werden können – bisher sei aber nichts dabei herausgekommen, sagt Hübner. „Und ein Neubau ist in keiner Weise vorstellbar.“ Es fehlt schlicht das Geld dafür.
Die Förderung fiel kleiner aus
Markgöningen steht nicht alleine da, auch in Ludwigsburg und Asperg gibt es einen Sanierungsstau. Viele Hallen, die während des wirtschaftlichen Aufschwungs der 1960er und 1970er Jahre gebaut wurden, erreichen langsam ihr Lebensende. Ausgerechnet in einer Zeit der knappen Kassen. Es wächst die Sorge, dass sich Hallenflächen im Kreis so Stück für Stück verringern – mit Folgen für die Gemeinschaft und die Gesundheit.
Die Hallen-Frage treibt den Verwaltungen die Sorgenfalten in die Stirn. Die Sanierung der „Sporthalle 1“ in Markgröningen hat beispielsweise rund fünf Millionen Euro gekostet. Die Kosten seien trotz Baukrise zwar nicht explodiert, dennoch sei das Projekt teurer gewesen als erwartet, sagt Hübner. Besonders ärgerlich: Die erwartete Förderung aus Bundes- und Landesmitteln fielen kleiner aus als geplant – der Fördertopf war überzeichnet: „Jede 100 000 Euro schmerzen ungemein.“
Projekte in Oßweil und Poppenweiler liegen auf Eis
Auch in Ludwigsburg sind die Hallen ein großes Thema. 25 von ihnen gibt es in der Stadt, die Hälfte davon ist gut 50 Jahre alt, mindestens fünf sind sanierungsbedürftig. „Wir sind finanziell nicht in der Lage, das in dem Tempo umzusetzen, wie es eigentlich notwendig wäre“, gesteht Baubürgermeisterin Andrea Schwarz. Und Neubauten? Auch in Ludwigsburg sind die ein rotes Tuch. Zwar wurde der Bau der Sporthalle-Oststadt nach langem Hin und Her für 16,6 Millionen Euro beschlossen – die Neubauprojekte in Oßweil und Poppenweiler wurden dafür aber auf Eis gelegt. Die Stadt kann nur versuchen, die vorhandenen Hallen in den zwei Stadtteilen irgendwie in Schuss zu halten.
Die Ausgabenseite steigt, die Einnahmen stagnieren
In Asperg ist es die alte Rundsporthalle, die ersetzt werden muss. Ein Neubau ist fix, im Januar soll ein Architekt feststehen. Doch schon jetzt sorgt sich der Bürgermeister um die Kosten.„Das wird locker ein zweistelliger Millionenbetrag“, sagt Christian Eiberger. Die Herausforderungen an die Tribüne und die Energieeffizienz treiben die Kosten in die Höhe. Eine Alternative gibt es aber nicht. Die Hallen am Fuße des Hohenaspergs seien nahezu zu 100 Prozent belegt. „Die Frage nach der neuen Halle stellt sich aber gar nicht“, sagt Eiberger. „Wenn wir nicht bauen, können wir nicht mal den Schulsport umsetzen.“
Vor zehn Jahren wären der Sanierungsstau von Hallen wohl kein Thema gewesen. Die öffentlichen Aufgaben waren damals übersichtlicher, der Haushalt etwas lockerer. Die Rahmenbedingungen haben sich jedoch stark geändert. Während die Ausgabenseite wegen steigender Gehälter, Energiekosten, Flüchtlingsunterbringung und der bloßen Fülle an Aufgaben stetig steigt, bleibt die Einnahmenseite vieler Kommunen gleich. Der Frust in den Rathäusern steigt ebenso. Laut Hübner und Eiberger wird es immer schwerer, grundlegende und gesellschaftsrelevante Aufgaben einer Kommune umzusetzen. Wie eben beispielsweise genug Hallenfläche bereitzustellen.
Sport tut auch der Gemeinschaft gut
Auch der Sportkreis Ludwigsburg beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Im Winter erwarte er wieder mehr Spannungen wegen der Hallenzeiten, sagt Sportkreis-Präsident Matthias Müller. „Wir sind im Kreis zu 85 Prozent gut abgedeckt“, sagt Müller – schlechter dürfe die Situation nicht werden. Denn bereits durch die Pandemie hätten Kinder und Jugendliche erkennbare, motorische Defizite. Bewegung spielt eine immer kleiner Rolle, digitale Medien eine immer größere. Wenn sich dazu noch Hallenflächen reduzieren würden, habe das auch Auswirkungen auf die Gesundheit der breiten Bevölkerung, warnt Müller.
Es gib jedoch noch eine weitere Sorge: Denn an den Hallen hänge auch die Stadt-Gemeinschaft, sagt Jens Hübner. Sport und Vereine sind Begegnungspunkte für Kinder, Jugendliche, aber auch für Eltern, „die am Heimspieltag gemeinsam Kuchen und Brötchen verkaufen“, sagt Hübner. Auch für Christian Eiberger sind die Funktionen der Sporthallen ein „hohes Gut“, das sich seine Stadt einfach leisten muss. „Wir dürfen das nicht so weit kommen lassen wie bei den Bädern“, sagt Eiberger. Man brauche sich nicht wundern, dass immer mehr Grundschüler nicht schwimmen können, wenn Flächen wegfallen.
31 Milliarden Euro-Sanierungsstau in Deutschland
Alte Sportstätten
Der Sportausschuss des deutschen Bundestags beschäftigte sich 2021 mit dem Sanierungsstau der Sportstätten. Laut Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) beläuft sich der Sanierungsbedarf in Deutschland – über alle
Fördertopf
Der Bund reagierte mit dem Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Bis 2027 stehen insgesamt 476 Millionen Euro für die Sanierung von Sportstätten in Deutschland zur Verfügung. „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, Christian Siegel, Ressortleiter Sportstätten, Umwelt und Nachhaltigkeit beim DOSB.