Trotz „Büro-Isolation“ noch gut gelaunt: Geschäftsführer Dominik Hermet hält die Stellung in den Räumen des Sportkreis Stuttgart im Haus des Sports. Foto: /Torsten Streib

Neue Herausforderungen für Dominik Hermet, den Geschäftsführer des Sportkreis Stuttgart, und seine Mitarbeiter in Zeiten der Corona-Krise.

Bad Cannstatt - Wie es sich für ein Gebäude mit dem Namen Haus des Sports gehört, ist viel Bewegung unterm Dach. Für gewöhnlich herrscht wuselige Betriebsamkeit in und um den Gebäudekomplex im Fritz-Walter-Weg in Bad Cannstatt. In diesen Tagen ist dies anders – das Coronavirus sorgt für Stillstand im Sporthaus. Der Bau ist größtenteils verwaist. Verwaist ist auch das Büro des Sportkreis Stuttgart im dritten Stock. 22 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit sind dort im Normalfall tätig, nehmen die Anrufe entgegen, beantworten die Fragen der Vereine oder bereiten Veranstaltungen vor. Doch aktuell kann man sozusagen die Stille hören – die Schreibtische sind leer, einzig Geschäftsführer Dominik Hermet hält die Stellung. „Zum Schutz habe ich meine Mitarbeiter nach Hause geschickt und lasse sie von dort aus arbeiten“, so Hermet. Vorerst begrenzt auf 14 Tage. Einige würden auch Überstunden und den Resturlaub abfeiern, so Hermet.

Veranstaltungen dennoch planen

Für gewöhnlich steht im März beim Sportkreis die Organisation von Veranstaltungen an- unter anderem der 24-Stunden-Lauf (11./12. Juli) und das Kinder- und Jugendfestival in der Innenstadt mit bis zu 60 000 Teilnehmern. Letzteres am 4.und 5. Juli soll in diesem Jahr zum 18. Mal stattfinden und „feiert somit seine Volljährigkeit“. Ob es zur ‚Mündigkeit’ kommt, bleibt abzuwarten. „Wir wissen nicht, wie sich die Lage entwickelt. Doch vorbereitet müssen wir sein. Deshalb werden die Veranstaltungen wie sonst auch geplant. Aber eben nicht beworben.“

Darüber hinaus gibt es für den Sportkreis als Vertreter der insgesamt 300 Vereine in der Landeshauptstadt knifflige Fragen zu klären. Zum Beispiel: Wer bezahlt den Lohn für die festangestellten Mitarbeiter diverser Vereine? Auf Anordnung der Stadt Stuttgart wurden Ende vergangener Woche sämtliche Sportstätten geschlossen und der Trainingsbetrieb untersagt – der Sport ruht komplett, viele Mitarbeiter und Trainer haben keine Aufgaben mehr. Gehaltsfortzahlungen ohne Einnahmen könnten zu existenziellen Problemen für manche Vereine führen. „Mit diesem Problem sind wir auch mit dem Württembergischen Landessportbund als Dachorganisation in ständigem Kontakt.“ Doch ein Patentrezept hat auch der Dachverband noch nicht parat, das Coronavirus bedeutet ein Novum. „Keiner weiß genau, wie damit umzugehen ist und welche Möglichkeiten auch rechtlich bestehen. Es wird noch viel Arbeit auf die Juristen zukommen.“

Solidarität ist gefragt

Aber auch Mini-Jobbern auf 450-Euro-Basis oder Honorartrainern bricht nach Absetzen diverser Kursangebote oder Trainingseinheiten der Verdienst weg. Sie hätten zwar in den meisten Fällen voraussichtlich keinen Anspruch auf finanzielle Entschädigung, bräuchten aber auch eine Absicherung. Deshalb sei es nur fair, sich auch um ihre Belange zu kümmern.

Apropos fair. Dominik Hermet hofft auf die Solidarität der Sportfamilie. Soll heißen: Aufgrund des ausgesetzten Sportbetriebs haben Vereine aktuell die Befürchtung, dass Beitragsrückerstattungen auf sie zukommen werden. Geld, das sie dringend benötigen. Deshalb appelliert der Sportkreis an die Mitglieder der Vereine. „Das ist eine Ausnahmesituation. Ich hoffe, dass alle zusammenstehen werden und auf die paar Euro verzichten. Zum Wohle der Allgemeinheit“, so Hermet. Ähnliches gelte für bereits geleistete Zahlungen für Kurse mit beschränkter Laufzeit. Vielleicht könnten Mitglieder ein Auge zudrücken.

Bei Nichtmitgliedern stelle sich das anders dar. Sie zahlen für gewöhnlich auch einen höheren Preis. Der Sportverein tritt in diesem Fall als Dienstleister auf.

Der Sportkreis Stuttgart ist von Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 0711/28077-654 erreichbar.

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