„Bauleiter“ Alexander Rieß Foto: Mathias Kuhn

Der Kraftakt ist gemeistert: Die Sanierung des TBU-Umkleidetrakts ist beendet. Das Ergebnis der Grunderneuerung kann sich sehen lassen. Es ist ein „Quantensprung für die Sportler“.

Untertürkheim - Der Umkleidetrakt auf dem Sportgelände des TB Untertürkheim ist kaum wiederzuerkennen. Die Fassade strahlt in Rot-Weiß, den Farben des Traditionsvereins, Fenster und Kabinentüren sind neu. Große Buchstaben verkünden den Namen des Stadions: Gehrenwaldsportanlage. Das einladende Äußere trügt keineswegs. Auch die Innenräume der Kabinen sowie – noch wichtiger – die Leitungen und Sanitäranlagen sind erneuert worden. „Wir haben in den vergangenen sechs Monaten eine Grundsanierung vorgenommen“, sagt TBU-Vorstandsmitglied Alexander Rieß. Ein organisatorischer Kraftakt, das war den TBU-Verantwortlichen klar. „Es gab keine Alternative. Das Gebäude wird seit 50 Jahren genutzt, Fenster und Türen waren teilweise defekt, Kabinen, Duschen und sanitäre Anlagen überaltert, Wände wiesen durch Wasserschäden schimmlige Stellen auf“, zählen TBU-Vorsitzender Alwin Rieger und sein Stellvertreter Klaus Ziegler die gravierendsten Mängel auf. Als die Handwerker – und unter Koordination von Alexander Rieß auch einige Ehrenamtliche des Vereins – Anfang März mit der Entrümpelung der Kabinen und der Freilegung der Leitungen begannen, traten weitere Mängel zutage: Die Wurzel eines Baumes hatte ein Tonrohr umschlugen und es beschädigt. Rieß musste das Rohr mühsam freilegen und ersetzen. „Und bei der Anbringung einer Holzdecke wurde vor 50 Jahren eine Schraube in den Flachdachkanal getrieben. Das Löchlein von einst hat sich vergrößert“, erzählt Rieß. Die Handwerker mussten die Leckstelle mit einem Inlineverfahren schließen.

Trotz der unvorhergesehenen Maßnahmen verzögerte sich die Sanierung kaum. „So komisch es klingt, Corona hat uns dabei geholfen“, sagt Rieß. Denn ursprünglich sollte zuerst der Trakt mit den Kabinen 3 und 4 saniert und danach der linke Kabinentrakt angegangen werden. „Dadurch hätten wir für den Spiel- und Schulbetrieb immer zwei Kabinen zur Verfügung stellen können“, so Rieß. Da von Mitte März an sportliche Aktivitäten verboten waren, konnten die Handwerker beide Trakte gleichzeitig außer Betrieb nehmen. „Bis auf ein paar kleine Restarbeiten sind wir nun fertig“, freut sich Perfektionist Rieß.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Für die Sportler sind die neuen Umkleideräume ein Quantensprung“, ist Lars Köhler, der Sportlehrer des Wirtemberg-Gymnasiums, begeistert. Wie andere Schulen nutzt die Eliteschule des Sports seit Jahrzehnten das Gehrenwaldstadion. Und jetzt noch lieber. Statt verschimmelter Wände und verkalkter Armaturen werden die Schüler nun von frischen Wänden und modernen Duschen empfangen. LED- und Tageslicht erhellen die Kabinen, große Spiegel gestalten sie freundlich. Die eigentlich wichtigen Neuerungen bekommen die Nutzer nur indirekt mit. „Wichtig in Coronazeiten: Die Fenster öffnen sich automatisch regelmäßig, um einen Luftaustausch zu gewährleisten. Und jede Kabine ist jetzt mit einem eigenen Wasserkreislauf ausgerüstet. Es ist zudem gewährleistet, dass die Leitungen spätestens alle 24 Stunden durchgespült werden“, erklärt Fachmann Rieß. Der Trinkwasserverordnung wird damit genüge getan. Auch Elektrik, Heizung und Licht sind auf dem technisch neustem Stand. Zudem hat Rieß mit viel Liebe für Details einige Schmankerl wie eine in die Wand integrierte Magnetfläche, das TBU-Wappen und kleine Lautsprecher in der Kabine der TBU-Kicker einbauen lassen.

„Dies war der vierte Abschnitt unserer Sanierungsmaßnahmen. Zuerst haben wir das Flachdach modernisiert, dann die Heizung erneuert, als drittes die Stadiontreppe gerichtet sowie den Weinberg angelegt und nun die Sanierung der Innenräume gestemmt“, sagt Rieß. „Ohne das Engagement von Alex als ehrenamtlicher Bauleiter und Koordinator hätten wir die Sanierung nicht in dem Zeitraum und unter Einhaltung des Kostenrahmens geschafft“, dankt Rieger seinem Vorstandskollegen. Für den TBU bleibt es dennoch ein finanzieller Kraftakt. Die Verantwortlichen rechnen mit Kosten in Höhe von knapp 400 000 Euro. Nach Abzug der Zuschüsse durch die Stadt und des Württembergischen Landessportbund muss der Verein noch 120 000 Euro schultern. Er hat eine Spendenaktion gestartet. „Wegen Corona halten sich Unternehmen zwar mit Spenden zurück, aber viele unserer Mitglieder, Sportler, Freunde und Besucher der TBU-Gaststätte haben sich bereits beteiligt“, sagt Geschäftsführerin Hannelore Gundlach. Weitere Aktionen sollen Geld in den Spendentopf bringen.

Am Freitag, 16. Oktober, hat der TBU seine Hauptversammlung geplant und am Freitag, 23. Oktober, ab 16 Uhr soll der Umkleidetrakt mit einem Tag der offenen Tür offiziell eingeweiht werden. „Alles gemäß den Corona-Bedingungen“, sagt Rieger. Spenden können überwiesen werden auf das Spendenkonto bei der Volksbank am Württemberg, IBAN: DE 72 6006 0396 0000 5870 10. BIC: GENODES1UTV.

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