Glücklich über das Open Piano: das Stuttgarter Ehepaar Regina und Rudolf Gläsche Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Regina und Rudolf Gläsche haben mitgeholfen, das Open Piano am Charlottenplatz zu retten. Sie finden, ihre Geldspende könnte kaum besser angelegt sein.

Dass Spenden glücklich machen kann, steht Regina und Rudolf Gläsche ins Gesicht geschrieben. Mit einem breiten Strahlen verfolgte das Ehepaar aus Stuttgart-Heumaden am Mittwoch die Einweihung des neuen Open Piano am Charlottenplatz. Mit jeder Note, die erklang, mit jedem Satz, den sie hier hörten, fühlten sie sich darin bestärkt, genau das Richtige getan zu haben. „Unglaublich, was man hier zurückkriegt!“, staunten sie. Etwa von einem jungen Mann mit Baseballmütze, der regelmäßig hier spielt, auf sie zugeht und sagt: „Danke, dass Sie das getan haben.“

6000 Euro haben die Gläsches gespendet, um das von Stadträtin Guntrun Müller-Enßlin niedrigschwellige Musikangebot am Charlottenplatz für mindestens zwei weitere Jahre am Leben zu erhalten. Das Geld wird für die Pflege des Pianos und der kleinen Konzertbühne benötigt. Das Instrument selbst und weitere 5500 Euro stammen von Matthias und Sammy-Miles Geiger von der Firma Geiger&Co. Immobilien GmbH – ebenfalls zwei glückliche Spender, die sagen: „Das Klavier hilft gegen schlechte Laune in der Stadt.“

„Wir finden die Idee einfach zauberhaft“, sagen die Spender

Angesichts der Spielfreude und positiven Stimmung, die seiner Frau und ihm an der Stadtbahnhaltestelle begegnete, war für Rudolf Gläsche klar: „Das ist unsere beste Investition seit langem.“ Und das will was heißen. Der 62-Jährige war bei der Württembergischen Gemeindeversicherung für Kapitalanlagen zuständig; auch seine Frau Regina versteht etwas vom Geld; sie arbeitete mehr als 40 Jahre bei einer Stuttgarter Bank.

Klavierspieler sind die Gläsches nicht; sie spielen auch kein anderes Instrument. Hören aber gerne Musik – er Rock, sie Klassik. Aktuell hören sie am liebsten, wenn junge Leute, die Gelegenheit ergreifen, auf dem Open Piano zu spielen; etliche haben sich hier selbst das Klavierspielen beigebracht. Ihre Motivation zu spenden, erklärte das Ehepaar so: „Wir steigen mehrmals in der Woche am Charlottenplatz aus und um und finden die Idee mit dem Piano einfach zauberhaft. Wenn dort jemand spielt, dann schlägt das jede Stuttgarter Werbekampagne um Längen!“

Unterdessen gehen in der Redaktion weitere Klavier-Angebote ein. Eine Leserin schrieb: „Ich wollte mein Klavier neulich schon für das Charlottenplatz-Open-Piano spenden, da war ich zu spät. Jetzt würde ich es für die Klett-Passage zur Verfügung stellen. Besteht Interesse?“