Was eine Stuttgarter Zeitung mit dem Bau des Weissenhof.Forums zu tun hat. Und warum Stuttgarts Oberbürgermeister den Spatenstich beinahe verpasst hätte.
Exakt am 23. Juli 1927 wurde die Ausstellung zur vielleicht berühmtesten Wohnsiedlung der Welt in Stuttgart eröffnet. 98 Jahre später – endlich – bekommt die unter Denkmalschutz stehende Weissenhofsiedlung mit Bauten von Bauhaus-Ikonen wie Hans Scharoun und Mies van der Rohe ein Informations- und Besucherzentrum, das Weissenhof.Forum – und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper wäre beinahe nicht zum Spatenstich für den Neubau gekommen.
Maximal nachhaltiger Neubau
Nicht aus Desinteresse wäre er ferngeblieben, sondern „wegen Befangenheit“, wie er so lautstark verriet am Mittwochmorgen, dass es sicher auch alle Studierenden der benachbarten Kunstakademie und die Bewohner der Siedlung hören konnten. In die frischgebauten Architekten-Häuser, die damals zur Werkbund-Ausstellung „Die Wohnung“ damals einer staunenden Besucherschar aus aller Welt präsentiert wurden, seien Küchen aus dem Hause Zahn & Nopper eingebaut worden, sagt der Oberbürgermeister, also die Firma seines Großvaters.
An den geplanten Einbauten zum „Iba 27“-Projekt Weissenhof.Forum ist der Politiker offenbar nicht beteiligt, so konnte er diesen für die Stadt (die sich am Bau mit rund 20 Millionen Euro beteiligt) und für die Stuttgarter Baukultur eminent wichtigen Termin wahrnehmen. Denn zu den Bauten der Architektur-Avantgarde des 20. Jahrhunderts gesellt sich nun ein Gebäude, das die Frage nach „Wie bauen heute?“ mit der Ansage „maximal nachhaltig“ (mit Holz, ungebranntem Lehm, recyceltem Beton für die Bodenplatte und fast CO2-neutralem Betrieb dank PV-Fassaden, Eisspeicher, Wärmepumpe unter anderem) beantwortet.
Der gestalterisch überzeugende Entwurf vom Architekturbüro Barkow Leibinger soll pünktlich bis zum Beginn der Internationalen Bauausstellung „IBA 27“ fertig werden, diesbezüglich äußerten sich alle Sprechenden positiv – vom „IBA 27“-Intendanten Andreas Hofer bis zur Architektin Martina Bauer, Geschäftsleitung Barkow Leibinger.
Suse Kletzin, Vorsitzende des Vereins Freunden der Weissenhofsiedlung, die bisher im Museum im Haus Le Corbusier die Vermittlungsarbeit organisiert, sagte: „Mit dem ersten Spatenstich beginnt für die Freunde der Weissenhofsiedlung ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte. Viele Ehren- und Hauptamtliche haben daran mitgeschrieben. Wir freuen uns auf eine aufregende neue Zeit beim Vermitteln der Weissenhof-Geschichte und wünschen der Stadt Stuttgart als Bauherrin, den Planern von Barkow Leibinger und dem Bauteam von Zech Hochbau das Beste für die Bauzeit.“
So lange wie die Siedlung sollte das Informationsgebäude, das Ende 2026 fertig gebaut sein soll, dann mindestens stehen. Denn je langlebiger ein Gebäude ist, desto nachhaltiger ist es auch. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zeitkapsel, die als Gruß an die Nachwelt bei der Grundsteinlegung eingegraben wird – und unter anderem eine Ausgabe unserer Tageszeitung vom 23. Juli 2025 enthält – jemals wieder ans Tageslicht kommt, dürfte äußerst gering sein.