Attraktive Fahrgeschäfte sind Foto: Edgar Rehberger - Edgar Rehberger

Auf dem Volksfest sind derzeit Vertreter britischer Unternehmen unterwegs, die Ausschau nach attraktiven Fahrgeschäften halten, um diese zu erwerben und an Vergnügungsparks in die Golfstaaten zu verkaufen.

Bad CannstattIn diesem Jahr ist es extrem“, berichtet Mark Roschmann, der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Südwest. „Vertreter von britischen Firmen sind auf dem Festplatz und suchen attraktive Fahrgeschäfte, die sie in die Golfstaaten vermitteln wollen.“ In den Vergnügungsparks etwa in Dubai sind attraktive Fahrgeschäfte begehrt, die bereits in Betrieb sind. Dort werde derzeit wieder ein neuer Vergnügungspark gebaut. Große Fahrgeschäfte und Achterbahnen stehen ganz oben auf der Wunschliste. Denn bei Neubestellungen besteht ein bis zwei Jahre Lieferzeit. Also wird auf dem Wasen mit dem Scheckheft Überzeugungsarbeit versucht. Und geboten werde ein guter Preis, der sogar über dem Marktpreis liege. Wer darauf eingeht, kann direkt nach dem Abbau das Fahrgeschäft übergeben.

„Das macht mir schon Sorgen“, gibt Roschmann zu. Denn es gibt durchaus Schausteller, die bei entsprechendem Angebot weich werden, was nachvollziehbar ist. Ein bestimmtes Alter ist erreicht, der Aufwand für Auf-, Abbau und Transport, der bei großen Fahrgeschäften mit mehreren Fahrzeugen zu bewältigen ist, ist groß. Dazu kommen die EU-Norm – die Umrüstung ist mit Kosten verbunden – und die Dieselfahrverbote in manchen Städten. Da kann einen das Angebot schon locken. „Bei mir waren sie auch schon“, sagt Andreas Zinnecker, der das Fahrgeschäft „Best XXL“ betreibt. „Aber das Fahrgeschäft ist unverkäuflich und bleibt in Stuttgart.“ Es erfülle die EU-Norm, kommt bei den Besuchern sehr gut an. Zudem hat er erst viel Geld in die neue Lichtanlage investiert. Zinnecker weiß aber von Kollegen aus München, die ihre Fahrgeschäfte veräußert haben. „Die verschwinden dann vom Oktoberfest.“

Der Verkauf attraktiver Fahrgeschäfte nach Dubai, Bahrain oder in die Vereinigte Arabische Emirate könne aber auch einen positiven Aspekt auslösen. Weil diese Attraktionen dann auf heimischen Festplätzen fehlen, entstehe eine Marktlücke, in die der eine oder andere stoßen könne. „Das kann Anreiz sein, sich ein Fahrgeschäft zuzulegen“, führt Roschmann aus. Denn solche Betriebe seien auch auf den Plätzen in Deutschland gefragt.

Das bestätigt Platzmeister Thomas Heibel, der bei in.Stuttgart den Festplatz gestaltet und zusammenstellt. „Es immer toll, wenn sich neue Fahrgeschäfte bewerben.“ Er kennt aber auch die aktuelle Entwicklung. „Die Anschaffung eines attraktiven Fahrgeschäftes ist schon ein enormer Kraftakt, der bewältigt werden muss.“ Das sei in früheren Jahren häufiger gewagt worden. Daher freut er sich über jede Neuheit, die sich für Volks-und Frühlingsfest bewirbt. Sein Blick nach vorn ist daher auch mit Skepsis verbunden. „Ich bin gespannt, wie der Festplatz in ein paar Jahren aussieht“, sagt er und schaut auf den aktuellen Plan des Cannstatter Volksfestes. Der sieht noch gut aus. Denn ein breiter Mix ist geboten.

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