Paul Hofmann bereitet ein Segelboot Quelle: Unbekannt

Ein früher Nachmittag Mitte August am Max-Eyth-See: Braun gebrannte Pärchen liegen in Strandstühlen am Ufer der Halbinsel und blinzeln verschlafen aufs Wasser, auf dem kleine, weiße Segelboote gleiten.

Mühlhausen Ein früher Nachmittag Mitte August am Max-Eyth-See: Braun gebrannte Pärchen liegen in Strandstühlen am Ufer der Halbinsel und blinzeln verschlafen aufs Wasser, auf dem kleine, weiße Segelboote gleiten. Im Biergarten werden Flammkuchen und Eiskaffees kredenzt. Gruppen von Radfahrern kommen und gehen. Nebenan liegen grün-weiß gestrichene Boote am Steg. Ein weiteres legt gerade an.

„Hat es Spaß gemacht?“ fragt Horst Bauer Senior die Familie, die gerade an Land geht. „Jaaa!“, hallt es unverzüglich zurück. Immer wieder kommen Gäste, um eins der zwölf Elektroboote, der zwölf Tretboote oder der vier Ruderboote für eine kleine Tour auf dem See zu mieten. Das Geschäft von Horst Bauer Junior, der den Verleih von seinem Vater übernommen hat, läuft gut, könnte man meinen – doch der Eindruck trügt. „Früher hatten wir um diese Zeit die Hälfte der Boote vermietet“, sagt der Senior. Heute seien von den 28 Booten gerade einmal fünf auf dem See unterwegs. Am Wochenende sei früher mehr los gewesen, sagt er. Aber die Freizeitaktivitäten der Menschen hätten sich verändert. Bötchen fahren, ist nicht mehr angesagt. Zusätzliche Kopfschmerzen bereitete dem Betreiber vor Kurzem die Flora im See: Weil sich Wasserpflanzen ausgebreitet hatten, durften die Bauers ihre Elektro-Boote einige Tage lang nicht mehr verleihen. Vom zunächst geplanten Einsatz eines Mähboots ist die Stadt in der Zwischenzeit allerdings wieder abgerückt, weil sich die Pflanzen etwas zurückgezogen haben. Seit dem Wochenende fahren die Elektro-Boote wieder.

Bootsverleih seit 1936

Den Verleih am Max-Eyth-See gibt es seit 1936, Horst Bauer hat den Betrieb 1986 übernommen. Er ist froh, dass sein Sohn die Dinge weiterführt, denn einen Nachfolger zu finden sei schwieriger denn je. Der Sohn ist etwas weniger pessimistisch: „Es lohnt sich schon noch, sonst würden wir es ja nicht machen“, sagt er. Ohne vollen Einsatz geht jedoch nichts: Von März bis September wird ohne Ruhetag durchgearbeitet – sieben Tage die Woche. Derlei Existenzsorgen hat Paul Hoffmann nicht. Der Lehramtsstudent bereitet eine Segelregatta für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren vor, die schon ganz aufgekratzt sind. Glück gehabt: Heute geht ein guter Wind, der die Hitze vertreibt und die Segel aufbläst. Bis zu 10 Knoten seien möglich auf dem Max-Eyth-See, sagt der 21-jährige. Das einwöchige Ferienprogramm des Stuttgarter Segel-Clubs führen Hoffmann und ein Kollege schon zum fünften Mal durch. „Der macht das richtig gut“, lobt ein Mädchen. „Wir machen etwas Theorie, lernen etwas über Knoten und Windrichtungen, versuchen aber auch viel Praktisches“, sagt Hoffmann.

Ziel des Trainings sei, den Kindern innerhalb einer Woche das Segeln beizubringen – vom Bootaufbau bis hin zum selbstständigen Fahren. Grundsätzlich funktioniere das gut, die Kleinen hätten Spaß und seien motiviert. „Heute habe ich um 9.50 Uhr aufgeschlossen und um 10.10 Uhr waren wir segelfertig“, so Hoffmann. Es ist der letzte Tag, eine Abschluss-Regatta steht auf dem Programm. Und was macht besonders Spaß an diesem Sport? „Wenn das Segel straff ist und man gegen den Wind ziehen muss“, sagt ein Mädchen, und ein anderes ergänzt: „Wenn man an heißen Tagen kentert und ins Wasser fällt.“

Während die Kinder ablegen, genießt man andernorts den fortschreitenden sonnigen Nachmittag bei Hefeweizen oder Espresso. Egal ob beim Angler-Treff oder in der Gaststätte „Treffpunkt am See“, die Außenterrassen sind gut besucht, die Menschen genießen den Sommer, der langsam zu Ende geht, in vollen Zügen. Manfred Bomm und Doris Horn haben indes nur Augen für die Nilgänse und Schwäne, die am Ufer entlangwatscheln. Die beiden Geislinger haben noch ihre Helme auf dem Kopf. Sie haben ihr Auto in Beutelsbach abgestellt und sind her geradelt.

„In diesem Ballungsgebiet am Rande der Stadt würde man gar nicht erwarten, dass es so viel Grün gibt“, sagt Bomm. „Die Idylle, die Tiere gefallen uns besonders. Und auch der See ist wunderschön“, ergänzt er. In Kombination mit einer anderen Radtour würden die beiden gerne wiederkommen.

Ein paar Meter weiter hat Marc Schneider Stativ und Kamera platziert. Tiere oder Landschaftsaufnahmen sind genau sein Ding. Der 25-jährige Hobbyfotograf aus Stammheim findet am See Entspannung, „ein guter Ausgleich zur stundenlangen Büroarbeit“, sagt er. Das Fotografieren hat Schneider erst vor Kurzem für sich entdeckt, „meine besten Fotos kommen erst noch“, sagt er scherzhaft. Auf seiner Motivliste stehen unter anderem die Wasserfälle in Heslach und der Fernsehturm. Heute aber konzentriert er sich erst einmal auf die Schwäne, die am Ufer des Max-Eyth-Sees ihr Gefieder putzen.

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