Das Theater Rietenau lädt wieder zum Open-Air-Sommertheater ins Dorf. Zu sehen ist eine Posse, die in den 80er-Jahren spielt – inklusive Schulterpolster und schlimme Frisuren.
Ist Schwindeln erlaubt, wenn es einem guten Zweck dient? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigt sich das neue Stück des Theaters Rietenau, das Jahr für Jahr kurz vor den Sommerferien ein mehrtägiges Sommertheater-Event auf die Beine stellt. Ende Juli ist es wieder soweit: vom 25. bis zum 28. Juli führt das Ensemble des ambitionierten Amateurtheaters an vier Abenden das Stück „Wenn der Himmel mitspielt“ auf.
Wie immer stammt es aus der Feder von Lea Butsch, die zusammen mit ihrem Mann Rolf das Theater Rietenau im Jahr 2011 in ihrem Heimatort gegründet hat. Das aktuelle Stück sei eine Posse, berichtet die Autorin – ein bisschen Spaß sei angesichts der aktuellen Lage und der Geschehnisse der vergangenen Monate angebracht. Und nach den Stücken der vorigen Jahre mit „viel Blut, Schweiß und Tränen“ habe sie Lust auf etwas Lustiges gehabt, sagt Lea Butsch.
Inspiration lieferte der Film „Lang lebe Ned Devine“
Bei der Handlung habe sie sich von der Kinokomödie „Lang lebe Ned Devine“ inspirieren lassen. Der Film erzählt von den Bewohnern eines kleinen irischen Dorfs, die nach dem Tod eines Lottogewinners aus ihrem Ort vortäuschen, der Mann lebe noch. So wollen sie verhindern, dass der Gewinn verfällt – schließlich haben sie allesamt eine Verwendung für das schöne viele Geld.
Auch in Lea Butschs Theaterstück spielt ein Lottogewinn eine wichtige Rolle – ob die Dorfbewohner davon profitieren können, wird vorab nicht verraten. Das Publikum kann sich aber auf einen – hoffentlich trockenen – Theaterabend unter freiem Himmel freuen. Letzterer gehört beim Theater Rietenau mangels eines Theatergebäudes zur Grundausstattung. Während das Ensemble in früheren Jahren meist mit dem Publikum von Station zu Station durch den Flecken zog, bleibt es dieses Mal an einem festen Ort – auf dem Gelände des Musikvereins Rietenau. Dort wird es sogar erstmals eine richtige Bühne geben, berichtet Lea Butsch, die sich auf die dadurch entstehende „richtige Theateratmosphäre“ freut.
Schulterpolster, Walkman und BMX-Rad
„Wir ziehen alle Register“, sagt Lea Butsch im Hinblick auf die Materialausstattung. Das Stück hat sie Ende der 1980er-Jahre angesiedelt und so wird es bei den Theaterabenden nicht an Schulterpolstern, schlimmen Frisuren und Statussymbolen dieser Zeit, vom Walkman bis zum BMX-Rad, fehlen. Dreh- und Angelpunkt des Stücks ist eine heruntergekommene Besenwirtschaft, deren Wirtin Lola Roller pleite ist und – na klar – Lotto spielt. Für die passenden Requisiten legt sich das ganze Ensemble ins Zeug. „Alle unsere Mitspieler lassen ihre Zimmerpflanzen vertrocknen“, sagt Lea Butsch.
Wie in den Vorjahren gibt es Livemusik, welche Mitglieder der Band Nodding Heads liefern. „Schöne alte Nummern“ seien im Programm, verspricht Lea Butsch. Und damit das Lottofieber so richtig auf die Zuschauerinnen und Zuschauer übergeht, gibt es an den Abenden auch für das Publikum die Chance, einen Treffer zu landen und mit einem Gewinn nach Hause zu gehen.
Wie man an Karten kommt
Termine
Das Theater Rietenau zeigt sein aktuelles Stück, eine Posse mit dem Titel „Wenn der Himmel mitspielt“, von Donnerstag, 25. Juli, bis Sonntag, 28. Juli. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 19 Uhr. Dieses Mal ist der Spielort das Gelände des Musikvereins Rietenau, Trinkgasse 26, in Aspach-Rietenau. Die Karten kosten 15 Euro und können hier reserviert werden.
Ensemble
Gut 20 Schauspielerinnen und Schauspieler bilden das Ensemble des Theater Rietenau. Gegründet haben es Lea und Rolf Butsch, die viele Jahre die Wilde Bühne in Stuttgart-Ost geleitet haben – ein Theaterprojekt von und mit ehemaligen Drogenabhängigen. Das Amateurtheater in Rietenau hat das Paar im Jahr 2011 ins Leben gerufen – in diesem Jahr steht die 14. Produktion auf dem Spielplan.