Der Vorstandsvorsitzende der TeamViewer AG, Oliver Steil, im Foyer des Unternehmenssitzes. Foto: Stefan Puchner/dpa Foto: dpa

Das Göppinger Software-Haus galt als Shootingstar. Schließlich waren Videokonferenzen und Fernwartung für Computer in Zeiten der Corona-Pandemie hoch gefragt. Doch die Aussichten sind weiter trübe.

Göppingen - Der Softwareanbieter Teamviewer kämpft mit einem unerwartet schwachen Wachstum seiner Geschäfte.

Nach dem dritten Quartal musste das Management um Vorstandschef Oliver Steil nun die Aussichten bei den Rechnungsstellungen (Billings) und beim Umsatz zusammenstreichen, auch die Profitabilität wird demnach geringer eingeschätzt als bisher.

Zur Jahreshälfte hatte der Vorstand des Spezialisten für Fernwartungs- und Videokonferenzsoftware noch am Ausblick festgehalten, wenn auch mit einem verhalteneren Blick auf die Wachstumspläne - aber auch das abgelaufene Jahresviertel erfüllte die Erwartungen laut ersten Eckdaten nicht. Die Aktie der Göppinger fiel am Mittwoch nach den Nachrichten auf ein Rekordtief.

In der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr galt Teamviewer als Shootingstar an der Börse, weil die Nachfrage nach Computer-Fernwartung und Videokonferenzsystemen dem MDax-Unternehmen einen Boom bescherte.

Das Unternehmen peilt nun bei den Billings im Gesamtjahr nur noch zwischen 535 und 555 Millionen Euro an. Zuletzt hatte das Management das untere Ende der Spanne von 585 bis 605 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der für dieses Jahr gebuchte Umsatz dürfte 495 bis 505 Millionen Euro betragen anstatt um die 525 Millionen Euro.

Der Unterschied zwischen Billings und Umsatz besteht darin, dass die Rechnungsstellungen das jeweils für die kommenden zwölf Monate in Rechnung gestellte Vertragsvolumen einbeziehen, der Umsatz aber nur die auf den Berichtszeitraum selbst entfallenden Beträge.

Das Management zeigte sich am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Analysten und Investoren zerknirscht, Steil sprach von "sehr schlechten Resultaten" im dritten Quartal, Finanzchef Stefan Gaiser von einer großen "Enttäuschung". Zweifel von Analysten an den Wachstumsambitionen für das zweite Halbjahr hätten sich bestätigt, das müsse er zugeben, sagte Steil. Das Unternehmen werde nun auch prüfen, ob es zu schnell zu viel investiert habe, doch das gehe nicht von heute auf morgen. Finanzchef Gaiser räumte ein, dass die Ziele insgesamt zu hoch gesteckt worden seien.

Zum Ergebnis unter dem Strich machte Teamviewer keine Angaben. Den vollständigen Zwischenbericht zum dritten Quartal will das Unternehmen am 3. November vorlegen.

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