Tanztheater ist auch bei der letzten Auflage der „Leeren Martinskirche“ ein zentrales Element gewesen. Foto: Marc Hugger/Archiv

Vom 15. März bis zum 17. April findet wieder die Veranstaltungsreihe Leere Martinskirche statt. Unter dem Motto „Mut“ ist Außergewöhnliches geboten.

Die Sindelfinger Martinskirche ist wohl einer der eindrücklichsten Kirchenbauten im Kreis Böblingen. Besonders sichtbar wird das, wenn die Basilika vollkommen leer geräumt ist und keine Sitzbänke mehr den Blick auf das Hauptschiff versperren. Dann kommt die schlichte Erhabenheit der aus Schönbuchsandstein erbauten romanischen Rundbögen und Säulen erst wirklich zur Geltung. Am 15. März ist es wieder so weit. Dann beginnt die neunte Auflage der Reihe „Leere Martinskirche“.

„Mut – zwischen Kühnheit und Courage“ lautet in diesem Jahr das Motto der Veranstaltungsreihe, bei der bis einschließlich 17. April eine Vielzahl an unterschiedlichen Formaten von Konzert und Tanz über Bildende Kunst bis hin zu Vorträgen und Gottesdiensten stattfinden wird. Das Thema Mut findet sich dabei in unterschiedlichsten Formen wieder: von Wagemut und Zivilcourage bis hin zu Über- oder auch Hochmut.

Musikalische Pilgerreise in vier Sätzen

Den Auftakt macht am Samstag, 15. März, um 19 Uhr die Chor- und Tanzdarbietung „Path of Miracles“. Der britische Filmkomponist Joby Talbot („Per Anhalter durch die Galaxis“, „Sing“) hat in diesem epischen Werk seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg verarbeitet. Die Uraufführung fand 2005 mit dem preisgekrönten Tenebrae Chor aus London statt.

Bezirkskantor Daniel Tepper hatte diese musikalische Pilgerreise in vier Sätzen ausgewählt, nachdem er vor zwei Jahren selbst bei einer Konzertdarbietung mitgewirkt hatte. Sein Musikerkollege Benjamin Hartmann, der Leiter des Maulbronner Kammerchors, hatte den „Pfad der Wunder“ mit seinem Vokalensemble in Stuttgart und Tübingen aufgeführt. „Weil ihm ein Tenor ausgefallen war, bin ich eingesprungen“, erzählt Tepper, den das Stück wegen seiner eigenen expressiven Klangsprache seitdem nicht mehr losgelassen hat.

Der Kirchenmusiker präsentiert den „Path of Miracles“ mit dem von ihm geleiteten Sindelfinger Vokalkabinett im Zusammenspiel mit dem Andas-Tanzensenmble der SMTT. Die langjährige Leiterin Monika Heber-Knobloch vollzieht mit diesem Projekt den Generationswechsel der Modern-Dance-Gruppe, was sich auch daran erkennen lässt, dass sie sich die Choreografie mit Alicia Jehle und Olivia Musleh teilt. Nach der ersten Aufführung am 15. März ist „Path of Miracles“ auch noch am 21., 22. und 23. März zu sehen.

Der Bezirkskantor Daniel Tepper bei einem Konzert Foto: Eibner/Archiv

Neben diesem Chorkonzert mit Tanztheater und spektakulärer Lichtinszenierung von Christian Ländner (Monika Heber-Knoblochs kongenialer Projektpartner über viele Jahre) hat die „Leere Martinskirche“ noch mehr zu bieten. Ein Konzert für Streicher und Waldhorn bei Kerzenschein etwa. Unter dem Motto „Mut im Dunkeln“ laden Theresia Hanke und das von ihr geleitete Stiftshoforchester Sindelfingen mit Walhornistin Lena Pfeffer am 20., 27. und 30. März mit kontemplativer Musik zum Innehalten und Träumen ein. Die Gesamtleitung hat Bezirkskantor Daniel Tepper.

„Faith, Hope, Love – Mut zu Hoffnung“ sind am 5. und 6. April die Chor-Konzerte mit Cappella Nuova Sindelfingen überschrieben. Begleitet von Viviana Rieke (Klarinette) und Simon Forberg (Orgel, Klavier) stehen unter Teppers Leitung unter anderem Werke von Benjamin Britten auf dem Programm.

Vom Papier zur Skulptur

Ein außergewöhnliches Klangerlebnis verspricht am 12. April eine Konzertperformance für Trompete und Elektronik. „Carte Blanche“ nennt der Trompeter Simon Höfele sein Projekt, der viele Sinne ansprechen will. Das Gastspiel kommt laut Tepper über eine Vermittlung der Hanke Brothers zustande.

Neben Konzerten und Tanz bietet die leere Kirche auch Raum für Bildende Kunst. Steinbildhauer Frank Teufel präsentiert dort seine leicht und zerbrechlich anmutenden und dennoch hunderte Kilo schweren Steinskulpturen. Am 29. März ist der Tuttlinger Künstler selbst vor Ort und erzählt, wie aus leichten Linien auf Papier seine eindrucksvollen Objekte entstehen.

Darüber hinaus lädt am 16. und 17. April die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) mit der Sindelfinger Initiative „Helfen statt Hamstern“ erstmals zu einer zweitägigen Vesperkirche ein. Außerdem auf dem Programm stehen unter anderem: eine Taschenlampenführung, Passionsandachten mit gregorianischem Gesang, ein Erzählkonzert für Kinder mit Orgelmusik von Johann Sebastian Bach und eine Gesprächsrunde zum Thema Ermutigungen mit Pfarrer Jens Junginger und weiteren Gästen.

Die Idee entstand während einer Renovierung

Seit 1999 gibt es die „Leere Martinskiche“ in Sindelfingen. Entstanden war das Projekt, bei dem sich Spiritualität und Experimentierfreude zu einem faszinierenden Ganzen vereinen, eher zufällig. „Die Initiative kam von Pfarrer Wolfgang Heinz“, erinnert sich Daniel Teppers Vorgänger Matthias Hanke. „Als die Kirche einmal wegen einer Renovierung leer geräumt war, hat er damals gespürt, wie viel dieser Raum ohne die Stühle gewinnt“, erklärt der heutige Landeskirchenmusikdirektor.

Wie Daniel Tepper berichtet, war die „Leere Martinskirche“ später einer der ausschlaggebenden Gründe, warum Jens Junginger als Pfarrer nach Sindelfingen kommen wollte. Das diesjährige Motto passt aus seiner Sicht in diese „Zeit gesellschaftlicher weltpolitischer und spiritueller Krisen“. Genau jetzt brauche es Ermutigungen und Mut, findet Junginger. „Deshalb sind die vier Wochen leere Kirche sind für uns Chance und Auftrag zugleich“, sagt der Pfarrer.

Vier Wochen Programm

Vorverkauf
Bei einem Großteil der Veranstaltungen gilt: Eintritt frei – Spenden erbeten. Ausnahmen sind die Chor-/Tanz- und Orchesterkonzerte (Karten beim i-Punkt am Marktplatz) sowie das Trompete-und-Elektroprojekt „Carte Blanche“ (Karten bei eventim.de).

Gut zu wissen
Grundsätzlich steht das Publikum, bei Bedarf stehen aber Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Weitere Infos und Programmüberblick unter www.martinskantorat.de